Über die Geduld

Von Gott berührt

Foto: Stephanie Hanich

Im Moment habe ich immer wieder mit den Folgen und Nebenwirkungen meiner langen Therapie gegen den Krebs zu kämpfen. Mein Körper läuft leider immer noch alles andere als rund. Einer meiner behandelnden Ärzte meinte neulich bei einem Kontrolltermin zu mir: „Seien Sie gnädig mit sich und Ihrem Körper! Er hat Großes geleistet und Schweres ertragen müssen im letzten Jahr. Geben Sie sich und ihm Zeit, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.”

Schöne Worte, denke ich. Der hat gut reden. Geduld, das ist manchmal so viel leichter gesagt als getan, kommt es mir beim Verlassen des Arztzimmers in den Sinn. Denn es ist zermürbend, das Gefühl zu haben, nur auf der Stelle zu stehen. Als würde sich überhaupt nichts bewegen oder verändern. 

Auf dem Nachhauseweg komme ich an einer Wiese vorbei. Die Stadt Mainz hatte dort im letzten Jahr Krokusse gesät. Ein Freund hatte mir damals ein Foto von dieser Wiese als Aufmunterung ins Krankenhaus geschickt, als ich auf der Isolierstation lag und vier Wochen nicht raus durfte. Vor einigen Wochen hatten die ersten Krokusse erneut zu blühen begonnen. Aber nur vereinzelt. Ich staune nicht schlecht, als ich feststelle, das mittlerweile ein richtiges Blütenmeer daraus geworden ist. Alles blüht in seiner vollen Pracht. Wie herrlich ist doch der Frühling!

Dreimal habe ich in den letzten Wochen beim Vorbeikommen an der Wiese ein Foto von den Krokussen gemacht. Als ich die Bilder im Handy nebeneinander sehe, stelle ich fest, wie viel in dieser Zeit bei den kleinen Blümchen passiert ist. Wie sehr sich die Wiese verändert hat. 

Vielleicht ist das bei mir und meiner Gesundheit ja genauso, denke ich, als ich zu Hause die Wohnungstüre aufschließe. Schaue ich zurück, wo ich vor einem Jahr stand und wie es mir heute geht, sehe ich deutlich, wie viel bereits geworden ist. Letzten Frühling hat zum Beispiel noch der Freund das Foto von den Krokussen für mich gemacht. In diesem Jahr kann ich wieder selbst spazieren gehen und draußen fotografieren. 

Ich bin den Krokussen unendlich dankbar für ihre Erinnerung und Ermutigung. Diese kleinen Blümchen geben mir die hoffnungsvolle Zusage, dass so viel mehr in Entwicklung ist als ich oft denke. Selbst wenn ich es nicht immer sehen oder fühlen kann. Wer weiß, wo ich im nächsten Jahr stehen werde…

In diesem Sinne wünsche ich auch bei allem Ungelösten die Zuversicht, dass etwas im WERDEN ist! 

Stephanie Hanich 

 

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