Date:26. Aug 2007

Zeitzeichen Familie

Zeichen der Zeit

 

Gottes Spuren suchen in der Zeit. Wo sind lebendige Kräfte, hinter denen der gläubige Mensch Gott finden kann, den Gott des Lebens und der Geschichte?

Die Grundlage unseres christlichen Glaubens, wie sie sich im Alten und Neuen Testament darstellt, ist die Überzeugung, dass Gott in der Geschichte handelt und spricht, ein lebendiger Gott ist, der sich dem Menschen mitteilt. Wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, dass dies „damals“ so war, in grauer, mythologischer, Vorzeit. Doch er spricht auch heute, spricht im Grunde genommen nicht anders als „damals“. Er spricht auch nicht nur in der Natur oder in allgemeingültigen ethischen Normen. Er spricht in „Moden“ und Meinungsströmen, in öffentlich wirksamen Kräften.

Diesem Gott zu begegnen, auf ihn zu hören, ihm zu antworten ist eine wichtige Aufgabe einer „Zeitfrömmigkeit“, einer „Zeitspiritualität“.

Dieses Sprechen Gottes ereignet sich nicht in direkt-unmittelbarer Weise. Es ist vermittelt durch menschliches Sprechen mit allen Irrtumsmöglichkeiten. Das ist in der in der Heiligen Schrift aufgezeichneten und gedeuteten Geschichte nicht anders. Und doch ist es Gottes Stimme, die dort vernommen wird.

Mächtige Stimmen heute sind die wachsend stärkere Bewusstwerdung der Gegenwart des Islam in unserer Kultur und die damit verbundene mehr und mehr drängende Frage nach der (christlich-humanistischen) Identität des Westens. Eine andere ist die mit beachtlicher Kraft wirkende religiöse Strömung. Und als dritte will ich nennen das neue öffentliche Interesse an der Familie.

„Sehnsucht nach Familie“ ist der Titel eines neuen Spiegel- Specials. Einleitend lesen wir dort: „Jahrelang waren Ehe und Familie kein Thema, das die Republik bewegte. Doch in Zeiten der Globalisierung suchen viele Menschen stärkeren Halt. Gefragt sind neue Familienmodelle. Familie ist in. Wer die Zeitung aufschlägt oder vorm Fernseher sitzt, kann dem Schwall der Ideen, die vorgestellt, begutachtet, verworfen und neu präsentiert werden, kaum entgehen. Elterngeld, Betreuungsgeld, Krippenplatz, Ehegattensplitting. Kommentatoren streiten, Fernsehrunden tagen: Ein Traditionsmodell wird neu erfunden, und auf der Hitliste der beliebtesten Politiker rangiert die zuständige Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf Platz drei – gleich hinter Horst Köhler, dem Präsidenten, und Angela Merkel, der Kanzlerin. Aus dem Ladenhüter Familienpolitik ist ein Publikumsrenner geworden“

Besonders neu ist die mit dem Thema Familie verbundene Frage nach neuen Konzepten, wie Arbeitsplätze familienfreundlicher, familienverträglicher, familiennäher gestaltet werden können. Das Neue in unserer Kultur ist ja nicht, dass die Frau zusätzlich zu ihrer Arbeit in der Familie arbeiten will oder muss. Sie hat zu allen Zeiten sehr viel gearbeitet. Nur waren Arbeitsplatz und Familienplatz meistens sehr eng beisammen. Auch die Männer, die Väter, haben durch eben diese Nähe von Arbeit und Familie ganz natürlich in der Familie mitgewirkt und ihren wichtigen Platz gehabt. Zutiefst geht es heute um neue Modelle der Annäherung von Arbeitsplatz und Familie. Ebenso von Familie und Schule, Familie und Gemeinde, Familie und Öffentlichkeit. Um eine neue Gesellschaft. die sich um die zentralen Werte des Menschen, der Ehe, der Familie, der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen aufbaut. Wo Kinder anwesend sind, wird die Welt automatisch insgesamt menschlicher und menschengemäßer.

Dass in unseren westlichen Gesellschaften immer wieder Strömungen entstehen, die in die richtige Richtung weisen, lässt hoffen. In einer Zeit, die vor völlig neuen Herausforderungen steht, einer Übergangszeit größten Ausmaßes, entsteht in neuer oder alter Form, neu oder zum ersten Mal entdeckt, das Richtige, das neue Richtige. Es entsteht allerdings nicht einfach von selbst. Der Mensch muss entsprechend mitwirken. Auch entsteht es nicht einfach „sündenlos“. Aber das ist – leider – nichts Neues. Schuld, Sünde, Versagen, auch Bosheit haben sich zu allen Zeiten in immer neuer Form unter die menschlichen Hoffnungen und Bemühungen gemischt.

Wer es gewohnt ist, auf das zu achten, was der Gott des Lebens und der Geschichte sagt, ist immer aktuell und „vorne“.

Herbert King

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen