Date:11. Apr 2004

Wie Mose

Meditation

 

Gott erfahren wie Mose und die Propheten. 
Johannes Paul II beim Katharinenkloster 

am Fuß des Sinai

Aus: Andreas Englisch: Johannes Paul Ii. Ullstein, 223 f.

Es war absolut windstill, 
und die Sonne glühte vom wolkenlosen Himmel, 
und noch immer saß er ganz still da. 
Ich sah ihm zu. Minutenlang passierte nichts. 
Dann beobachtete ich, wie er die Hände faltete, 
die Augen schloss und leise lächelte. 
Ich sah ihm gebannt zu, wie er dort in sich gekehrt saß. 
Es war, als ob seine Seele berührt worden wäre, 
aber nicht leicht, sondern heftig, wie durch einen Blitzschlag. 
Er schlug schließlich die Augen wieder auf. 
Er sah überglücklich aus und klopfte rhythmisch 
mit der Hand auf die Lehne seines Sessels, 
eine Geste, die er immer wiederholt, 
wenn es etwas zu feiern gilt.
Er blinzelte uns zu, und ich verstand die Botschaft: 
„Seht ihr? Er ist hier. 
Er ist wirklich hierher gekommen, er ist hier. 
Ich kann es ganz deutlich spüren, 
ich fühle seine Nähe ganz stark.“
Der Papst machte ein Zeichen: „Seht doch hoch!“ 
Vor dem strahlend blauen Himmel waren 
plötzlich große weiße Wolken heraufgezogen. 
Gleichzeitig hatte ein leichter Wind eingesetzt, 
der die Blätter der Olivenhaine rascheln ließ.
Freudig und mit einem Lächeln auf den Lippen 
spendete Johannes Paul II. den abschließenden Segen.
Da fiel es mir endlich wieder ein: 
Gott hatte sich auf dem Sinai dreimal den Menschen gezeigt. 
Dem Moses als Dornenbusch, 
aber auch in Form einer Wolke (Exodus, Kapitel 19, Vers 9) 
und dem Elijas als leise säuselnder Wind
(1. Buch Könige, Kapitel 19, Vers 12). 
Ich war erschüttert. 
Stellte sich der Papst Gott so konkret vor? 
Für die meisten Menschen war dort auf dem Sinai überhaupt nichts passiert. 
Ein paar Wolken waren aufgezogen. 
Das mochte über der Wüste des Sinai ungewöhnlich sein, kam aber vor. 
Und dass plötzlich eine leise Brise durch das Tal wehte, 
war nichts weiter als ein einfaches meteorologisches Phänomen. 
Der Papst erlebte aber Gott, innerlich natürlich, 
aber so konkret und heftig, 
dass es erschütternd war, das mitzuerleben. 
Seine Überraschung, sein Erschrecken, 
aber auch seine Freude waren so authentisch, 
als hätte jemand neben ihm gestanden, 
mit ihm gesprochen und hätte ihn berührt. 
So sah das aus. 
Diese konkrete Art, immer wieder seinen Gott zu suchen 
und ihn so durch und durch zu erleben, 
musste ihm die Kraft geben für den Marathon, 
der er sich auferlegt hatte.

 

gefunden von P. Heribert King

 

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