Datum:27. Mai 2009
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Warum junge Leute Lehrer werden: „Die Freude am Umgang mit Menschen“

Zeichen der Zeit

Palmen

 

Ein Zeitzeichen zum Thema „Jugend heute“

Zu Ostern habe ich als besonderes Ostergeschenk erhalten, dass ich folgenden kleinen Artikel aus „Die Zeit“ einem Kreis von angehenden Gymnasiallehrerinnen schenken durfte. Ihre erfreuten Gesichter sehe ich noch heute vor mir.

Herbert King

Lust aufs Lehramt

Nicht die schlechten Abiturienten werden Pädagogen, sondern die motivierten

Bitte alles vergessen, was in den vergangenen Wochen über die Lehrer zu hören und zu lesen war! Genussvoll wurde von vielen Zeitungen verbreitet, dass ausgerechnet die schlechten Abiturienten Lehrer werden. Auch der Vorschlag der Bundesbildungsministerin, Topleute aus Unternehmen an die Schulen zu schicken, wurde als Kritik an den Pädagogen wahrgenommen. Doch nun zeigt eine Studie: Es ist gut, dass wir die Lehrer haben, die wir haben!

Zunächst bestätigen die Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung einen alten Befund: Studenten, die auf Gymnasiallehrer studieren, schneiden im Abitur mindestens genauso gut ab wie ihre künftigen Magister- und Diplomkollegen an der Uni. Studenten, die an die Grund- und Realschule streben, haben dagegen ein etwas schlechteres Abitur gemacht. Generell aber sind Lehramtsstudenten nicht besser oder schlechter als andere.

Was die Studie darüber hinaus so charmant macht, ist ein feiner Seitenhieb in Richtung aller, die sich vor allem mit der Abiturnote der Pädagogen aufhalten. Denn es sind keineswegs die schlechten Abiturienten, die Lehrer werden, sondern die besonders motivierten: Sie haben bei Befragungen schon vor Schulabschluss ein besonderes soziales Interesse zu Protokoll gegeben. Ihre Freude am Umgang mit Menschen ist größer als ihre Lust, ein Unternehmen zu gründen oder ein Auto zu entwickeln – und das, lange bevor sie wirklich ein Studium ergreifen. Ja, wer die neue Studie liest, könnte auf den Gedanken kommen: Es sind nicht die vielen freien Nachmittage oder die Aussicht auf lange Ferien, die Lehramtsstudenten in ihrer Studienwahl beeinflussen. Es gibt noch nicht einmal die mögliche Verbeamtung den Ausschlag. Auch wenn kaum jemand es zu glauben scheint – Lehramtsstudenten haben einfach Lust auf ihren Job. Und noch ein Befund der Untersuchung gehört in die Diskussion: Die angehenden Pädagogen schätzen sich vor dem Abitur nicht als besonders stressanfällig ein. Warum also gelten Lehrer besonders häufig als ausgebrannt, wenn sie doch zu Beginn ihrer Laufbahn besonders motiviert sind?

Wir müssen umdenken: Es müssen nicht andere Abiturienten Lehrer werden, sondern alle jene, die sich für diesen Weg entscheiden, müssen viel besser ausgebildet werden. Die Frage, die sich stellt, lautet nicht, ob Lehrer dümmer sind als Ingenieure. Sie lautet, warum soviele gute Studenten ihre ursprüngliche Lust auf den Lehrerberuf nach dem Einstieg wieder verlieren.

Judith Scholter in: Die Zeit vom 9. März 2009, 13.

 

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