Datum:31. Okt 2018
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Tod, der uns nahekommt

Kirchen-Geschichten

Foto: RPI Graz

Ich arbeite in einem Altenwohnheim. Im Augenblick habe ich viel mit Tod und Trauer zu tun, nach einer längeren „Ruhephase“ verabschieden sich derzeit einige Bewohner von der Erde.

Sechs Trauerfeiern in zwei Wochen, jede anders. Eine hat mich total fassungslos gemacht. Wir waren vom Heim mit fünf  Mitarbeitern zur Trauerfeier auf den Friedhof gekommen.

Die Urne stand vor der Friedhofshalle auf einer Stehle, es war schön gestaltet mit Rollups, Kerzen, Blumen. Der Bestatter kam zu mir und sagte: „Nicht, dass du einen Schreck kriegst, das ist heute ohne Pastor. Der Neffe hält die Trauerrede.“  Ok, öfter mal was Neues, wir haben uns nichts dabei gedacht. Außer uns kamen nur noch drei Angehörige.

Der Neffe begrüßte uns, freute sich, dass wir da waren, um seine Tante zu begleiten. Wir dachte: Na, dann fängt es ja jetzt an?  Nein, nach den zwei Sätzen gab er dem Bestatter ein Zeichen, der nahm die Urne, trug sie zum Grab und senkte sie hinein. Wir dachte: Jetzt kommt die Trauerrede. Aber nein, zwei Schüppchen Sand, das war‘s. Wir sind dann ans Grab, ein kurzes, stilles Gebet, Blumen abgelegt, und vorbei  war die Feier. Die Feier begann um 14:00 Uhr, um 14:05 Uhr waren wir schon wieder am Ausgang.

Zwei Tage später war die nächste Beisetzung, da war dann meine „Beerdigungswelt“ wieder in Ordnung. Doch nicht wirklich, wenn ich ehrlich bin. Mir ging die andere Beerdigung weiter durch den Sinn. Ich habe noch niemals eine so lieblose Beerdigung erlebt.

Was mich aber vollends fassungslos gemacht hat, ist die Nachricht, die ich von einer Bekannten bekam. Sie erwartete im November ihr zweites Kind. In der vergangenen Woche entschuldigte sie sich für eine anstehende Sitzung, und ich schrieb ihr noch, was auf der Tagesordnung steht und wünschte ihr alles Gute für sie und den Zwerg.

Drei Tage später schrieb sie, dass nichts in Ordnung sei, sie hätten den kleinen Jungen gehen lassen müssen. Kerngesund. Die Plazenta hatte sich gelöst und es waren keine Herztöne mehr da, sodass sie ihn still zur Welt bringen musste. Warum?

Bei uns liegen Menschen, hochaltrig und können nicht aus dem Leben gehen. Und dieses Kind darf nicht leben.
Ich muss sagen, dass mich das sehr beschäftigt …

 

 

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