Taufe Jesu: „Der Geist Gottes ruht auf mir“.

Mit der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Der, dessen Erscheinung gefeiert wurde, ist der von Gott Erwählte, durch den Gott zu allen Menschen kommen will. Lukas stellt dies in einen historischen Kontext, auch wenn es dabei nicht um Datierung geht. Doch er macht klar, hier wird kein zeitloses mythisches Geschehen erzählt, sondern wirklich geschehene menschliche Geschichte. Papst Benedikt XVI widmet das erste Kapitel seines Buches Jesus von Nazareth der Taufe Jesu: Über Jesus steht der Himmel offen, seine Willensgemeinschaft mit dem Vater eröffnet den Himmel . Jesus empfängt die Johannes-Taufe betend. Die vom Vater herkommende Proklamation der Sendung Jesu legt nicht ein Tun, sondern sein Sein aus: Er ist der geliebte Sohn, auf ihm ruht Gottes Wohlgefallen. „Das Geheimnis des dreifaltigen Gottes deutet sich an.“
Die künstlerische Umsetzung führt dies plastisch vor Augen, der Geist Gottes, in Gestalt einer Taube, ruht tatsächlich auf ihm. Der Journalist und Autor Peter Seewald macht in seiner lebendigen Schilderung aus dieser Szene „eine wahrhaft himmlische Inszenierung.“


„Der Geist Gottes ruht auf mir.

Er hat mich gesandt,

damit ich den Armen

eine gute Nachricht bringe.“

(Lukas 3, 18)

Bild: Taufe Jesu  – Unbekannter Meister  –  Holzschnitzerei um 1065
Köln, Kirche St. Maria im Kapitol

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Alttestamentliche Lesung: Jesaja 61, 1-3

Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, damit ich alle Trauernden tröste, die Trauernden Zions erfreue, ihnen Schmuck bringe anstelle von Schmutz, Freudenöl statt Trauergewand, Jubel statt der Verzweiflung. Man wird sie «Die Eichen der Gerechtigkeit» nennen, «Die Pflanzung, durch die der Herr seine Herrlichkeit zeigt».

 

 

 

 

Literaturhinweis: Joseph Ratzinger / Benedikt XVI, Jesus von Nazareth Bd. I, Freiburg 2007, S. 36-51.
Peter Seewald, Jesus Christus. Die Biographie, München 2009, S. 226-236.
Jens Schröter, Jesus von Nazareth. Jude aus Galiläa – Retter der Welt (Biblische Gestalten. Bd. 15), Leipzig 2006

 

Kehrvers:

Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg. Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. (Psalm 2,6.7)

Psalm 2

Warum toben die Völker,
warum machen die Nationen vergebliche Pläne?
Die Könige der Erde stehen auf,
die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten.
«Lasst uns ihre Fesseln zerreißen
und von uns werfen ihre Stricke!»
Doch er, der im Himmel thront, lacht,
der Herr verspottet sie.
Dann aber spricht er zu ihnen im Zorn,
in seinem Grimm wird er sie erschrecken:
«Ich selber habe meinen König eingesetzt
auf Zion, meinem heiligen Berg.»
Den Beschluss des Herrn will ich kundtun.
Er sprach zu mir: «Mein Sohn bist du.
Heute habe ich dich gezeugt.
Fordre von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe,
die Enden der Erde zum Eigentum.
Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule,
wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.»
Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht,
lasst euch warnen, ihr Gebieter der Erde!
Dient dem Herrn in Furcht
und küsst ihm mit Beben die Füße,
damit er nicht zürnt
und euer Weg nicht in den Abgrund führt.
Denn wenig nur und sein Zorn ist entbrannt.
Wohl allen, die ihm vertrauen!


Neutestamentliche Lesung:

Apostelgeschichte 10, 37-43

Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, war nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

Ruf vor dem Evangelium

(Lukas 4, 18)

Der Geist des Herrn ruht auf mir. Er hat mich gesalbt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe.

Evangelium: Lukas 3,21-22; 4,16-22

Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Jesus war etwa dreißig Jahre alt, als er zum ersten Mal öffentlich auftrat. Man hielt ihn für den Sohn Josefs.
So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?


Lied: Nun freut euch, lieben Christen g’mein

Str. 4

Da jammert Gott in Ewigkeit
Mein Elend übermaßen;
Er dacht an sein Barmherzigkeit,
er wollt mir helfen lassen;
er wandt zu mir das Vaterherz,
es war bei ihm fürwahr kein Scherz,
er ließ’s sein Bestes kosten.

Str. 5

Er sprach zu seinem lieben Sohn:
„Die Zeit ist hier zu erbarmen;
Fahr hin, meins Herzens werte Kron,
und sei das Heil dem Armen
und hilf ihm aus der Sünden Not,
erwürg für ihn den bittern Tod
und lass ihn mit dir leben.“
Text: Martin Luther (1523), Evangelisches Gesangbuch 341, 4.5

 

 

 


 

Geistlicher Text: Hl. Irenäus von Lyon († um 200)

„Das Wort, das im Anfang bei Gott war, dieses Wort, durch das alles erschaffen wurde und das immer unter den Menschen weilte, eben dieses Wort hat sich in der letzten Zeit, zu der vom Vater vorherbestimmten Stunde, mit seiner Schöpfung vereint, um ein leidensfähiger Mensch zu werden.
Jesus, der Christus in Person, hat für uns gelitten; er ist gestorben und wieder auferstanden; er ist herabgestiegen und dann wieder aufgefahren. Der gleiche, der zum Menschensohn geworden ist, ist auch der Sohn Gottes, wie sein Name es auch andeutet; denn Christus heißt: ‚der Gesalbte Gottes‘. Dieser Name umfaßt zugleich den, der salbt, den, der gesalbt wird, und den, der die Salbung selbst ist. Der Vater vollzieht die Salbung, der Sohn empfängt sie, und das geschieht alles im Heiligen Geist, der die Salbung selbst ist. In ähnlicher Weise offenbart es das Wort durch den Mund des Propheten Isaias: Der Geist Gottes ruht auf mir; darum hat er mich gesalbt. Hier kommt das Gesamte zum Ausdruck: der Vater, der die Salbung vollzieht, der Sohn, der sie empfängt, und der Heilige Geist ist die Salbung. So hat das menschgewordene Wort Gottes den Menschen in inniger Liebe mit Gott verbunden. …
So mußte der Mittler zwischen Gott und den Menschen beide in Freundschaft und Eintracht zusammenführen, wobei Gott sich des Menschen annahm und der Mensch sich Gott übergab. Wie könnten wir sonst für Söhne gehalten werden und an der Annahme an Kindesstatt teilnehmen, wenn wir nicht durch den Sohn diese verwandtschaftliche Beziehung zu Gott erhalten hätten und wenn das Wort Gottes keine Verbindung mit uns eingegangen wäre, indem es Fleisch annahm?

Gegen die Häresien (Contra Haereses) III, 18   siehe:   https://www.unifr.ch/bkv/kapitel666.htm

 


Zusammenstellung: Hansjakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  1 Epi C in Patmos Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie  – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

* Texte aus der Heiligen Schrift sind entnommen aus der Einheitsübersetzung © 1980, Katholische Bibelanstalt GmbH.

Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

 

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