Date:06. Jan 2005

Spuren Gottes finden im Gefängnis und im Leid

Meditation

Bild segnender Christus

 

Alle kennen wir das Lied Dietrich Bonhoeffers: Von guten Mächten wunderbar geborgen. Er hat es im Gefängnis gedichtet. Im Angesicht täglicher Bedrohung durch Bomben, möglicher Folter und im sicheren Wissen, ins KZ verschleppt und umgebracht zu werden. Ausschnitte aus Briefen von ihm zeigen, in welcher Haltung er das Lied geschrieben hat, wenn auch dieses selbst Zeugnis genug ist von seinem reichen Innenleben. Der Gott des Lebens war für ihn eine im Tiefsten erlebte Realität. Seine Gegenwart war für ihn ebenso real wie das ihn umgebende schreckliche und bedrohende Leben.

„Vor allem müsst ihr wissen und auch glauben, dass es mir wirklich gut geht… Eine so starke innere Umstellung, wie sie eine so überraschende Verhaftung mit sich führt, die Nötigung, sich innerlich zurecht- und abzufinden mit einer völlig neuen Situation,- das alles lässt das Körperliche völlig zurücktreten und unwesentlich werden; und das empfinde ich als eine wirkliche Bereicherung meiner Erfahrung. Alleinsein ist für mich ja nicht etwas so Ungewohntes wie für andere Menschen und ist sicher ein gutes seelisches Dampfbad. Quälend ist oder wäre nur der Gedanke, dass ihr euch um mich ängstigt und quält, dass ihr nicht richtig schlaft und esst.“ (14. April 1943 wenige Tage nach seiner Verhaftung an seine Familie)

„Wir dürfen eben, so dankbar wir für alle persönlichen Freuden sind, keinen Augenblick die großen Dinge, um derentwillen wir leben, aus dem Auge verlieren. (1944)

„Ich glaube, dass mir nichts Sinnloses widerfährt und dass es für uns alle gut so ist, wenn es auch unseren Wünschen zuwiderläuft. Ich sehe in meinem gegenwärtigen Dasein eine Aufgabe und hoffe nur, dass ich sie erfülle. (1944)

„Die tiefe Verwurzelung in dem Boden der Vergangenheit macht das Leben schwerer, aber auch reicher und kraftvoller.“ (1944)

Solche Haltung im Gestapo-Gefängnis ist Frucht eines Lebens der Begegnung mit Gott, wie es in den beiden folgenden Zitaten aus der Zeit vor seiner Verhaftung zum Ausdruck kommt:

„Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich durchkreuzen.“ (1938)

„In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. In ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart.“ (1940)

Aus: Dietrich Bonhoeffer: Von guten Mächten wunderbar geborgen. Gütersloher Verlagshaus

Pater Herbert King

 

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