Spuren des Katholischen

 Zeichen der Zeit

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Spuren des Katholischen in Deutschland – Wieder feierten wir Katholiken einen Katholikentag. Es war der hundertste in unserer Geschichte. Ein Jubiläum. Eine Tradition und Initiative, auf die wir stolz sein dürfen.

Dieses Mal fand die große Versammlung in Leipzig statt. Sicher keine Hochburg des Katholischen. Umso interessanter war es, unser Verhalten und das Verhalten unserer katholischen Mitchristen und die Reaktion auf dieses in dieser Stadt zu beobachten. Schon gleich zu Anfang fiel das sonst nicht eben viel gebrauchte Wort vom Sendungsbewusstsein, mit der die Katholiken in die Stadt gingen. Mir selbst war es wichtig, gleich den grünen Schal, der mich als Teilnehmer auswies, mir zu besorgen und ihn zu tragen. Ich fühlte mich gut, mit diesem durch die Stadt zu gehen und viele andere Mitchristen anzutreffen, die ihn ebenfalls trugen.

Besonders erfreulich für mich die vielen Begegnungen mit Bekannten und die freudigen Umarmungen, die es dann oft gab. Ich will ihn einen Katholikentag der Herzen nennen. Man beklagte zwar (in manchen Medien) das relativ geringe Interesse politischer Art und diskutierte, ob die AfD hätte zugelassen werden sollen oder nicht. Umso so größer war die Freude, ja, man sprach von Freude, darüber, wie schön der Gottesdienst an Fronleichnam war, so wie die anschließende Prozession und der daran anschließende Abend auf dem großen Augustusplatz mit den Kerzen in den Händen der Vielen. Nicht zuletzt war dies auch eine Erinnerung an die “Gebete und Kerzen”, die wesentlich zum Fall der DDR beitrugen, gerade und speziell in Leipzig.

Dann gleich zu Anfang die Verlesung der Erklärung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Vertretern der Muslime in Deutschland, dafür zu sorgen, dass Gewalt im Namen von Religion nicht toleriert wird.

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    Nennen kann ich auch die freudige Reaktion auf die ökumenische Marienfeier, die von der AG der geistlichen Gemeinschaften ausgerichtet wurde.
    Ja, es herrschte Freude. Ich begegnete einer Kirche, die sich mag. Und einer Kirche, wie ich sie mag. Kleine Spuren, Spuren, die in die richtige Richtung weisen. Die zeigen: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Das sagte ja Jesus gleich als erstes, als er anfing aufzutreten.

    Einige Beispiele (Spuren): Im Gespräch mit einem Mitbruder erzählte mir dieser, dass er sein Quartier bei einem Professor der Mathematik und seiner Ehefrau, die in der Krebsforschung tätig ist, habe. Diese wollten eigentlich niemanden aufnehmen, doch der Sohn hatte gedrängt, weil der Katholikentag es mit sich gebracht hatte, dass schulfrei war, weil die Schulverwaltung die Schulen für den Katholikentag zur Verfügung stellte. Doch besonders interessant dann ist das lange Gespräch mit der Familie über Sinn, Gott, Leben. Die halbe Nacht. Ein echtes Nikodemus-Gespräch, wie es Jesus so gerne hatte. Keine Zeit für so etwas, sagt man allzu leicht. Und doch sind solche Gespräche das eigentliche Fruchtbare, was stattfinden kann.

    Und ich denke an die beiden Ordensschwestern in der Fußgängerzone, mit denen ich ins Gespräch kam. Da kam ein junges Ehepaar und stellte sich zu uns. Es waren die Gastgeber der beiden, die ihnen die Stadt zeigen wollten. Auch hier: Ordenschwestern in einem säkularen Haushalt.

    Und dann wieder in der Schule, in der die Initiativen zum Thema Ehe und Familie sich darstellten. Auch dort erlebte ich, wie die Gastgeberin an den Stand kam, um sich zu interessieren, was die beiden religiös sehr aktiven Katholiken, die sie aufgenommen hatte, denn so tun. Intensive Gespräche waren bereits im entsprechenden Quartier vorausgegangen.

    Pastoral als Begegnung, als Gespräch. In unseren zahllosen Pastoralplänen spielt das eher keine Rolle. Dafür scheint es einfach keine Zeit zu geben. Man müsste dafür auch eine größere Fähigkeit haben, spontaner auf ungeplante und “unangemeldete” Gespräche eingehen zu können. So ein Katholikentag macht solches möglich, ja legt es nahe.

    Dann der Beitrag der Politikerin Julia Klöckner beim Mittagsgebet zum Thema “Spurensuche”. Unter anderem erzählt sie vom interfraktionellen Früchstückskreis im rheinland-pfälzischen Landtag. Bei den relativ häufigen Treffen dieses Kreises wird zunächst ein Text aus dem NT vorgelesen und von einem/ einer der Teilnehmer/innen etwas interpretiert. Und dann der Austausch, “der uns immer auch persönlich näher bringt”, wie sie sagte. Die Begegnung endet mit dem gemeinsamen Gebet des Vater unser.

    Ich denke aber auch an die Zeltstatt (kann man es wohl nennen) mit den hunderten von Initiativen, Netzwerken, Vereinigungen und Bewegungen, kirchlich-religiöser oder/ und kirchlich sozialer Art, die sich in entsprechenden Ausstellungs- und Begegnungsräumen darstellten. Alle entsprechend überzeugt von dem, was sie tun. Ich dachte und denke es immer noch: Wir könnten auf unsere Kirche in Deutschland eigentlich etwas stolzer sein.

    Und dann die Tatsache einer großen neuen Kirche in Leipzig zu einer Zeit, in der an nicht wenigen Stellen Kirchen geschlossen werden müssen. Die katholische Gemeinde in Leipzig bestehe aus rund 7000 Menschen und sei in den letzten Jahren deutlich gewachsen, durch Zuzug von außen, aber auch durch Geburten und nicht zuletzt durch Erwachsenentaufen.

    Wenn ich dann die Beiträge zum Katholikentag etwa in der von mir sonst eigentlich geschätzten Frankfurter Allgemeinen lese, dann wird es mir fast übel. Darf man sich definitiv nicht mehr daran freuen, katholisch zu sein. Als wir zu Hause unseren Vater einmal wegen etwas, was ihm allem Anschein nach sehr wichtig war, auslachten und ihn kritisierten, sagte er empört: Ich darf mich aber doch auch noch an etwas freuen. Das hat uns dann doch betroffen gemacht. Vor noch nicht langer Zeit hörte ich in einer Predigt von P. Langendörfer, dem Sekretär der deutschen Bischofskonferenz, es gäbe so viel ungetröstete Freudlosigkeit in unserer Kirche. Das ist es. Freude an der Kirche, Freude am Glauben haben. Damit ist man noch kein Fundamentalist und kein Naivling, der die Probleme nicht sieht. Sich trösten lassen, vom “Gott allen Trostes” (2 Kor 1,3), wie Paulus seinen Gott nennt. Oder vom heiligen Geist, dem Tröster. Oder von Maria, der Trösterin der Betrübten? Geht so etwas? Es ist vielleicht doch zu sehr gegen die theological correctness.

    Ich habe in Leipzig eine Kirche, besser Menschen, die katholisch sind, Christen sind, erlebt. Menschen, die sich darob freuen. Auf der Rückfahrt fühlte ich mich so richtig rundherum glücklich ob all des Erlebten. Ich weiß um die Probleme. Bitte unterstellt mir nichts. Doch etwas von getrösteter Freude durfte ich verkosten und mitnehmen. Und das will ich mir nicht nehmen lassen. Ganz allgemein lade ich ein, auf Spurensuche des Katholischen zu gehen und über diese zu reden. Zu dem, was es an Negativem und Ungelöstem gibt, ist längst alles gesagt. Da braucht es mich nicht auch noch.

    Herbert King

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