Datum:02. Nov 2016

Seligpreisungen

Welche Kraft, verwandelnde Kraft, Kraft zum Leben und Kraft zum Glücklichsein diesem Wort innewohnt, davon sprechen die Texte dieses liturgischen Vorschlages. Jesus Christus, der in unserer Welt erschienen ist, preist die selig, die nach seinem Wort leben. Im Griechischen Wort μακάριος (makários) liegt der Schlüssel zum Verständnis dieser Botschaft. Jesus beginnt seine Bergpredigt nicht mit Mahnungen und Forderungen, sondern mit einer alles erfüllenden Lebensverheißung: um nichts weniger als „Glückseligkeit“ geht es. Dazu bedarf es allerdings der Sehnsucht, sich verwandeln zu lassen.


Selig,

die ein reines Herz haben,

denn sie werden Gott schauen.

(Matthäus 5,8)
Bild: Ein Christus nach dem Leben Rembrandt Harmensz van Rijn - um 1650 Öl auf Holz,  Berlin, Gemäldegalerie zum Bild:  Rembrandt Harmensz

Alttestamentliche Lesung: Sirach 50, 27-29; 51, 23-27

Weise Bildung und passende Sinnsprüche von Jesus, dem Sohn Eliasars, des Sohnes Sirachs, dessen Herz von Schriftauslegung überströmte und der Einsicht hervorquellen ließ. Wohl dem Mann, der hierüber nachsinnt; wer es sich zu Herzen nimmt, wird weise. Wer danach handelt, hat Kraft zu allem; denn die Gottesfurcht ist ihr tiefster Inhalt. Kehrt bei mir ein, ihr Unwissenden, verweilt in meinem Lehrhaus! Wie lange noch wollt ihr das alles entbehren und eure Seele dürsten lassen? Ich öffne meinen Mund und sage von ihr: Erwerbt euch Weisheit, es kostet nichts. Beugt euren Nacken unter ihr Joch und nehmt ihre Last auf euch! Denen, die sie suchen, ist sie nahe, und wer sich ihr ganz hingibt, findet sie. Seht mit eigenen Augen, dass ich mich nur wenig bemühte, aber viel Ruhe gefunden habe.         Literaturhinweis: Die Bibel und die Armen: Bibel heute 3(2014). Die Bergpredigt: Bibel heute 4 (2007).  

Kehrvers:

Selig, wer Gott fürchtet und seine Weisung liebt. (Psalm 112,1)

Psalm 112

Halleluja! Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt und sich herzlich freut an seinen Geboten. Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet. Wohlstand und Reichtum füllen sein Haus, sein Heil hat Bestand für immer. Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte. Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist, der das Seine ordnet, wie es recht ist. Niemals gerät er ins Wanken; ewig denkt man an den Gerechten. Er fürchtet sich nicht vor Verleumdung; sein Herz ist fest, er vertraut auf den Herrn. Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nie; denn bald wird er herabschauen auf seine Bedränger. Reichlich gibt er den Armen, sein Heil hat Bestand für immer; er ist mächtig und hoch geehrt. Voll Verdruss sieht es der Frevler, er knirscht mit den Zähnen und geht zugrunde. Zunichte werden die Wünsche der Frevler.


Neutestamentliche Lesung:

Jakobusbrief 1,21-25

Darum legt alles Schmutzige und Böse ab, seid sanftmütig und nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst. Wer das Wort nur hört, aber nicht danach handelt, ist wie ein Mensch, der sein eigenes Gesicht im Spiegel betrachtet: Er betrachtet sich, geht weg und schon hat er vergessen, wie er aussah. Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein.

Ruf vor dem Evangelium

(Matthäus 5,3)

Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.

Evangelium: Matthäus 4,23 - 5,10

Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte Kranke mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie alle. Scharen von Menschen aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet jenseits des Jordan folgten ihm.Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Lied: Herr, öffne mir die Herzenstür – Johann Olearius Johann Olearius studierte und promovierte in Wittenberg, wurde Hofprediger in Halle, Oberhofprediger und Generalsuperintendent im Weißenfelsischen Land. Er veröffentlichte wissenschaftliche und erbauliche Schriften und dichtete 240 Kirchenlieder, in deren Zentrum die persönliche Gottesbeziehung steht. Der Gesang geistlicher Lieder ist für ihn die „der andere Theil der exemplarischen Betkunst“. Strophe 2: Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund, dein Wort ist’s, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit.     Text: Johann Olearius (1671): Evangelisches Gesangbuch 197,2.  Informationen zum Lieddichter aus: Wolfgang Herbst (Hg.), Wer ist wer im Gesangbuch, Göttingen 2001          
 

Geistlicher Text: Dem Wort Gottes einen herzlichen Empfang bereiten - Madeleine Delbrêl

Die 1904 geborene Französin hatte eine bewegte religiöse Biographie. Von einer katholischen Kindheit über eine Phase atheistischer Überzeugung als junges Mädchen kam sie mit knapp 20 Jahren wieder zum Glauben. Sie schreibt über die Bedeutung des Wortes Gottes in unserem Leben: „Das Wort Gottes trägt man nicht in einem Köfferchen bis zum Ende der Welt: Man trägt es in sich, man nimmt es in sich mit auf den Weg.“ „Missionar sein kann man nur, wenn man dem Wort Gottes, dem Evangelium, in sich selbst einen offenen, weiten, herzlichen Empfang bereitet hat.“ „Das Evangelium verlangt, um sein Geheimnis preiszugeben, weder Ausschmückung noch Bildung noch eine Technik. Es braucht nur eine Seele, die anbetend niedergesunken ist, und ein Herz, das kein Vertrauen mehr in menschliches Vermögen setzt." „...das Geheimnis des Evangeliums ist kein Geheimnis, das der Neugier zugänglich ist oder das einer intellektuellen Einweihung bedarf; das Geheimnis des Evangeliums ist in seinem tiefsten Wesen eine Mitteilung von Leben.“ „Das Evangelium ist nicht für Leute geschrieben, die nach neuen Ideen suchen. Es ist da für Jünger und Jüngerinnen, die ihm gehorchen wollen.“ Solche „Jüngerinnen“ scharte sie ums ich, als sie mit 29 Jahren in Ivry eine kleine Gemeinschaft von Frauen gründete, die sich caritativer Arbeit mitten unter den Menschen widmete. Eine ständige Bereitschaft kirchenfernen Menschen immer näher zu sein und soziales Elend zu lindern, bestimmte ihre Lebensform: „Wundern wir uns deshalb nicht, wenn jedes dieser Worte verlangt, endlose und schmerzvolle Wege abzuschreiten, und wenn es innerste Umwälzungen bewirkt.“ „Die Worte der menschlichen Bücher werden verstanden und geistig erwogen. Die Worte des Evangeliums werden erlitten und ausgehalten. Wir verarbeiten die Worte der Bücher in uns. Die Worte des Evangeliums durchwalken uns, verändern uns, bis sie uns sozusagen sich einverleiben. Die Worte des Evangeliums sind wundertätig. Sie verwandeln uns nur deshalb nicht, weil wir die Wandlung nicht von ihnen begehren.“ Aber auch in ihren Schriften und Vorträgen setze sich Madeleine Delbrêl für eine humane, allen Menschen gegenüber weltoffene Kirche ein: „Der Satz des Herrn, den wir dem Evangelium während der Frühmesse entrissen haben oder während der Fahrt in der Metro oder zwischen zwei Haushaltsarbeiten oder abends im Bett: Er darf uns genauso wenig verlassen, wie uns unser Leben oder unser Geist verlässt. Dieser Satz will befruchten, verwandeln, erneuern... will überall dort zu Hause sein, wo wir zu Hause sind.“ „Das Wort des Herrn fordert unsere Achtung; wenn es in unserem Alltag Pausen gibt, so will es ein wenig oder auch viel davon in Beschlag nehmen. ... Wenn unser Tag so vollgestopft ist, dass Pausen unmöglich sind, wenn unsere Kinder, der Mann, das Haus, die Arbeit fast alles beanspruchen, dann fordert es so viel Glaube von uns und so viel Achtung, dass wir wissen: Seine göttliche Kraft kann ihm stets Raum verschaffen. Dann sehen wir es aufleuchten, während wir eine Straße entlanggehen, unsere Arbeit verrichten, Gemüse schälen, auf eine telefonische Verbindung warten, unsere Böden kehren; sehen es aufblitzen zwischen zwei Bemerkungen eines Mitmenschen, zwischen zwei Briefen, die zu schreiben sind, beim Aufwachen und beim Einschlafen. Denn das Wort hat seinen Platz gefunden: ein armes und warmes Menschenherz, das ihm Herberge bietet.“ Zitate aus Madeleine Delbrêl, Nous autres, gens des rues. Textes missionaires, Paris 1995, 70-74 und La joie de croire, Paris 1995,31f.  

Zusammenstellung: Hansjakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  2 Epi A in Patmos Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie  – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

* Texte aus der Heiligen Schrift sind entnommen aus der Einheitsübersetzung © 1980, Katholische Bibelanstalt GmbH.

Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

 

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