Date:24. Aug 2016

Elija – von Gott gestärkt

Ausgangspunkt ist die kaum greifbare, aber doch alles prägende Gotteserfahrung Elijas. Die Gefühlslage dieses Propheten des 9. Jahrhunderts vor Christus, einer der populärsten und zugleich legendärsten Propheten Israels, ist auch uns heute vertraut. Nicht lebenssatt wie einst Abraham, sondern angstvoll und lebensmüde ist er, als er sich unter den Ginsterstrauch legt und den Tod herbeisehnt. Doch der Engel, der ihn berührt, gibt ihm Speise und Trank – und damit erhält Elija Kraft, weiter zu gehen. Keine klugen Trostworte, keine Ermahnung zum Durchhalten, sondern unmittelbare und belebende Stärkung. Der Weg, auf den er sich neu gestärkt begibt, lohnt sich. Denn auf diesem Weg begegnet ihm der, für den Elija schon mit seinem Namen Zeugnis ablegt: „Mein Gott ist Jahweh“. So geheimnisvoll und zart diese Gottesbegegnung, so klar doch Gottes Auftrag. Gott hat noch Aufträge für den, dem sein Leben nicht mehr lebenswert scheint.


„Steh auf und iss,

sonst ist der Weg zu weit für dich.“           

(1 Kön 19,7)

Bild: Marc Chagall, Elija
Chorfenster St. Stephan,
Mainz

zum Bild >> Gotteserfahrung des Elija

 


Alttestamentliche Lesung:*

1 Könige 19, 4-13
Elija selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter eine n Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.
Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin. Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich. Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

 

Kehrvers:

Tränen sind mein Brot, wenn man spottet: Wo ist nun dein Gott? (Ps 42,4)

Psalm  42, 2-3.6.10-12

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen
und Gottes Antlitz schauen?
Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht;
denn man sagt zu mir den ganzen Tag:
«Wo ist nun dein Gott?»
mit Jubel und Dank in feiernder Menge.
Meine Seele, warum bist du betrübt
und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.
Ich sage zu Gott, meinem Fels:
«Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd umhergehen,
von meinem Feind bedrängt?»
Wie ein Stechen in meinen Gliedern
ist für mich der Hohn der Bedränger; denn sie rufen mir ständig zu:
«Wo ist nun dein Gott?»
Meine Seele, warum bist du betrübt
und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

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Neutestamentliche Lesung:

Römerbrief 11, 2-5

Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er einst erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift von Elija berichtet? Elija führte Klage gegen Israel und sagte: Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre zerstört. Ich allein bin übrig geblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.
Gott aber antwortete ihm: Ich habe siebentausend Männer für mich übrig gelassen, die ihr Knie nicht vor Baal gebeugt haben. Ebenso gibt es auch in der gegenwärtigen Zeit einen Rest, der aus Gnade erwählt ist.

Ruf vor dem Evangelium

(1 Könige 19,7)

„Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich.“

Evangelium: Johannes 4, 31-34

Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen.


Lied: Nicht im gewaltigen Gebraus

1. Nicht im gewaltigen Gebraus
des Sturmwinds, der die Felsen sprengt,
kommt deiner Stimme Klang zu uns.
Die Stürme ziehen dir voraus.

2. Und wenn der Grund der Erde wankt
und zittert wie das Schilf im Wind –
du wählst auch solches Beben nicht,
wenn du dich offenbaren willst.

3. Auch nicht im blenden hellen Licht
von Feuersglut und Flammenschein
willst du für uns zugegen sein,
noch zeigst du dort dein Angesicht.

4. Doch wenn die Kühle uns umweht,
und sanftes Sausen uns erfüllt,
dann wissen wir, dass du jetzt nahst,
und wir verhüllen das Gesicht.

T: Muus Jacobse; deutsch von Christa Reich 2006,
M: Tera de Marez Oyens

in: Zeitschrift “Arbeitsstelle Gottesdienst” 03(2006), S. 14f.
(Seit 2010 Zeitschrift “Liturgie und Kultur”, zu bestellen bei:
Geschäftsstelle der Liturgischen Konferenz
z. Hd. Christine Griesbach
Kirchenamt der EKD, Herrenhäuserstr. 12, 30419 Hannover,
per E-Mail: lk@ekd.de)

 

 

 

 

 

 

 

 

Literaturhinweis:

Rainer Albertz, Elija. Ein feuriger Kämpfer für Gott: Biblische Gestalten, Bd. 13.

Propheten: Welt und Umwelt der Bibel 3 (2013).

 

 

Geistlicher Text: Johannes vom Kreuz (1542-1563)

Der Prophet Elija, der in der Verlassenheit der Wüste Gott begegnet, und Maria, die das Wort Gottes in ihrem Herzen bewegte, sind zentrale Gestalten der Spiritualität des Karmeliterordens, der als Gemeinschaft von Eremiten auf dem Berg Karmel entstand.
Die heute weit verzweigte monastische Familie des Karmel kennt große geistliche Persönlichkeiten, allen voran Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz. Sie schrieben und dichteten selbst, gaben späteren Ordensangehörigen, wie Edith Stein, aber auch namhaften Schriftstellern und Dichtern, so Reinhold Schneider, Gertrud von le Fort und Georges Bernanos, existentielle Impulse.
Johannes vom Kreuz schreibt über Elijas Gottesbegegnung und scheint dabei von eigenem Erleben zu sprechen:

„O überaus und auf großartige Weise überaus zartkosende Berührung des Wortes, für mich umso größer, als du dich dem Propheten Elija umso zärtlicher und kraftvoller im Säuseln eines feinen Lufthauchs zu verspüren gabst, nachdem du auf dem Berg Horeb mit dem Schatten deiner Macht und Kraft, die ihm vorausging, die Berge versetzt und die Felsen gespalten hattes (1 Kön 19,11f). O feiner Lufthauch! Wie bist du doch feiner, zartkosender Lufthauch, sag: Wie berührst du nur so feinfühlig und zartkosend, du Wort, Sohn Gottes, wo du doch so Furcht erregend und mächtig bist? O wie glücklich, ja überglücklich der Mensch, den du feinfühlig und zartkosend berührst, wo du doch so Furcht erregend und mächtig bist!“

Zitat aus: Johannes vom Kreuz, Lebendige Liebesflamme, Freiburg 2000, Deutung der 2. Strophe, 17.

 

 

 


 

Zusammenstellung: Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  17 Pen D in Patmos Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie  – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

* Texte aus der Heiligen Schrift sind entnommen aus der Einheitsübersetzung © 1980, Katholische Bibelanstalt GmbH.

Liste der Wort-Gottes-Feiern “Patmos”

Informationen zur Gottesdienst-Reihe “Patmos”

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