Date:04. Mai 2016

Prophetengabe hat ein Ende – die Liebe bleibt

Als Thérèse von Lisieux erkennt, dass sie im Herzen der Kirche die Liebe sein will, jubelt sie, da sie nun ihre wahre Berufung gefunden hat. In der Hinführung auf Pfingsten geht es in diesem Entwurf um die Liebe als die wahre Prophetie.


Prophetengabe hat ein Ende

– die Liebe bleibt

>> Bild: Pfingsten El Greco

Pfingsten El Greco

Madrid / Museo del Prado;  1605/1610.


Alttestamentliche Lesung:

Numeri 11, 24-29

Mose ging hinaus und teilte dem Volk die Worte des Herrn mit. Dann versammelte er siebzig Älteste des Volkes und stellte sie rings um das Zelt auf.
Der Herr kam in der Wolke herab und redete mit Mose. Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Sobald der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in prophetische Verzückung, die kein Ende nahm.
Zwei Männer aber waren im Lager geblieben; der eine hieß Eldad, der andere Medad. Auch über sie war der Geist gekommen. Sie standen in der Liste, waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen. Sie gerieten im Lager in prophetische Verzückung.
Ein junger Mann lief zu Mose und berichtete ihm: Eldad und Medad sind im Lager in prophetische Verzückung geraten.
Da ergriff Josua, der Sohn Nuns, der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war, das Wort und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran!
Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich ereifern? Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!

Kehrvers:
Zeichen für uns sehen wir nicht, es ist kein Prophet mehr da, niemand von uns weiß, wie lange noch. (Psalm 74,9)

Psalm 74,15-22

Hervorbrechen ließest du Quellen und Bäche,
austrocknen Ströme, die sonst nie versiegen.
Dein ist der Tag, dein auch die Nacht,
hingestellt hast du Sonne und Mond.
Du hast die Grenzen der Erde festgesetzt,
hast Sommer und Winter geschaffen.
Denk daran: Der Feind schmäht den Herrn,
ein Volk ohne Einsicht lästert deinen Namen.
Gib dem Raubtier das Leben deiner Taube nicht preis;
das Leben deiner Armen vergiss nicht für immer!
Blick hin auf deinen Bund!
Denn voll von Schlupfwinkeln der Gewalt ist unser Land.
Lass den Bedrückten nicht beschämt von dir weggehn!
Arme und Gebeugte sollen deinen Namen rühmen.
Erheb dich, Gott, und führe deine Sache!
Bedenke, wie die Toren dich täglich schmähen.


Neutestamentliche Lesung:

1. Korintherbrief 12, 4-7.12.26- 13,3.8.13

Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm.
Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.
So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen? Strebt aber nach den höheren Gnadengaben!

Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt:
Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete,
hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.
Und wenn ich prophetisch reden könnte /
und alle Geheimnisse wüsste
und alle Erkenntnis hätte;
wenn ich alle Glaubenskraft besäße
und Berge damit versetzen könnte,
hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich nichts.
Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte
und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe,
hätte aber die Liebe nicht,
nützte es mir nichts.
Die Liebe hört niemals auf.
Prophetisches Reden hat ein Ende,
Zungenrede verstummt, / Erkenntnis vergeht.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

Ruf vor dem Evangelium

1. Korintherbrief 13,1

Wenn ich prophetisch reden könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

Evangelium

Johannes 7,37-39

Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.


Lied: Wenn ich alle Sprachen

Markus Pytlik komponierte und dichtete ein Lied aus dem neuen Gotteslob, das mit den Worten beginnt: „Wenn ich alle Sprachen dieser Welt sprechen könnte und ich könnte sie alle verstehn“. Ganz im Sinn von Paulus geht es weiter: „dann wär meine Sprache nur Sprachlosigkeit, wie lärmende Pauken, wie Glockengeläut, wie berstende Felsen, wie Glas, das zerbricht, hätte ich die Liebe nicht.“
Eng am biblischen Text, aber doch frei in der Übertragung und in eigenen Bildern, ist der Refrain eine gelungene Umsetzung der Worte, die nicht nur bei Trauungen immer wieder gewählt werden:
„Die Liebe ist gütig, geduldig und freundlich
die Liebe verletzt nicht und redet nicht schlecht…
Die Liebe verändert den Weltenverlauf,
die Liebe hört niemals auf.“
Besonders gelungen ist auch die zweite Strophe, die bekennt: „ Wenn ich auch Visionen hätte wie die Propheten“ … „und wär ganz mit Weisheit erfüllt, dann wärn diese Gaben nur wertloser Tand/ wie Steine im Wasser, wie rieselnder Sand, wie welkende Blätter in herbstlichem Licht, hätte ich die Liebe nicht.“

Gotteslob (Mainz) Nr. 874. T: Markus Pytlik nach 1 Kor 13; M: Markus Pytlik (*1966)

 

Geistlicher Text: Heilige Thérèse von Lisieux

1896, also ein Jahr vor ihrem frühen Tod mit 24 Jahren, erkennt die junge Ordensschwester im Karmel von Lisieux ihre Berufung. In einem der schönsten Texte der heiligen Thérèse vom Kinde Jesu und vom heiligsten Antlitz, zugleich auch einem der bekanntesten, schreibt sie voller Freude und Impulsivität, die auch im Stil ihrer schriftlichen Aufzeichnungen sichtbar wird:

„Als ich über den mystischen Leib der Kirche nachdachte, erkannte ich mich in keinem der Glieder, die vom Heiligen Paulus beschrieben werden, wieder, oder vielmehr, ich wollte mich in allen wiedererkennen… Die Liebe gab mir den Schlüssel meiner Berufung. Ich erkannte, wenn die Kirche einen Leib hat, der aus verschiedenen Gliedern besteht, dann fehlt ihr auch das notwendigste, das edelste von allen nicht; ich erkannte, dass die Kirche ein Herz hat, und dass dieses Herz VOR LIEBE BRENNT.
Ich erkannte, dass allein die Liebe die Glieder der Kirche handeln lässt, und würde die Liebe erlöschen, so würden die Apostel das Evangelium nicht mehr verkünden, die Märtyrer sich weigern, ihr Blut zu vergießen … Ich begriff, dass die LIEBE ALLE BERUFUNGEN IN SICH SCHLIESST, DASS SIE ALLE ZEITEN UND ORTE UMFASST … MIT EINEM WORT, DASS SIE EWIG IST!
Im Übermaß meiner wahnsinnigen Freude rief ich aus: O Jesus, meine Liebe … meine Berufung, endlich habe ich sie gefunden, MEINE BERUFUNG IST DIE LIEBE! …Ja, ich habe meinen Platz in der Kirche gefunden, und diesen Platz, oh mein Gott, den hast du mir geschenkt … im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die LIEBE sein … so werde ich alles sein … so wird mein Traum Wirklichkeit werden!“

Zitate aus: Thérèse von Lisieux, Selbstbiographische Schriften, MS B, 3 vo
http://www.carmel.asso.fr/Dans-le-coeur-de-l-Eglise-je-serai.html

Zusammenstellung:
Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum
Dieser Gottesdienst:  7 Res D in Patmos
Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur- , in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.


Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

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