Date:17. Mrz 2010

Öffentlichkeit und Diskretion – Gestaltungsimpuls aus Weltliteratur und Film

Kunst · Theater · Literatur

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Johannes 8, 1–11 ist Weltliteratur gewordenes Stück Heiliger Schrift. In diesem entkommt Jesus unglaublich knapp und mit nur einem Satz (seitdem an Sprichwörtlichkeit nicht mehr übertroffen) dem bewussten Missbrauch von Öffentlichkeit gegen ihn selbst. In die Rolle des Richters gedrängt, sollte Jesus sich im Urteil vertun, also vor allem sich selbst im Sinne des Irrens verurteilen. Durch Schweigen, aber auch durch den Satz „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ entlarvt Jesus kompromisslos und doch schonungsvoll die Unglaubwürdigkeit und ‚Schuldgemeinschaft’ der Anklagenden. Gleichermaßen holt er die Beschuldigte und an die Öffentlichkeit gezerrte aus der Todesfalle. Doch beiden – den Anklagenden wie der Angeklagten rettet Jesus ihre bleibende und unverlierbare Menschenwürde, ohne dass sie jeweils ihrer Pflicht zu entsprechendem Lebenswandel entbunden wären („Geh und sündige fortan nicht mehr“). So entkommt und entgeht nicht nur Jesus einem Dilemma. Zugleich schafft und gestaltet er eine Öffentlichkeit und Diskretion zugleich, die dem Leben, der Umkehr und der Menschenwürde dient. Und das angesichts des offenkundig gewordenen Tatbestandes und Beziehungsvergehens Ehebruch.

Heute gibt es in Gesellschaft und Kirche Verbrechen samt deren Opfer und Täter, die ertragen weder unbarmherzige noch ungerechte, weder wegschauende noch verschweigende, weder schutzlose noch schamlose, und erst recht gar keine missbrauchte Öffentlichkeit bzw. Diskretion. Wie für kaum etwas anderes trifft das zu auf den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen bzw. das sexuell Mißbrauchtwordensein als Kind und Jugendliche/r. Ob nun derzeit in diesem Anklagepunkt Gesellschaft mit Kirche, oder ob Kirche als unglaubwürdige Moral- und Traditionsinstanz (Pharisäer/Schriftgelehrte) oder als Sünderin im Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit steht: mag das jesusgemäße Gestalten und Pflegen von Öffentlichkeit und Diskretion nicht nur erforderlicher Begleitumstand sein, sondern auch erforderliche Pflicht und Kunst für die Ahndung von Taten und den richtigen Umgang mit Opfern und Tätern?

Eine Gratwanderung, der sich auch der Film „Der Priester“ stellt.
Filmtipp: Der Priester, Großbritanien 1994.

 

Armin Noppenberger

 

 

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