Date:12. Aug 2015

Nur noch Kunde

Kunst und Kultur

   Buch-Cover

Peter Hersches Buch hält, was der Titel verspricht.  Als Leser lernt man tatsächlich dazu. Allerdings ganz anders, als das Titelbild mit seinen niedlichen Barockengelchen erwarten lässt. Gesellschafts- und  Kirchenkritik der Gegenwart, aber auch visionäre Zukunftsaussichten. Dies alles jedoch auf dem Hintergrund von hochinteressanten Analysen eines Barockkenners.

Der Autor kritisiert nicht nur heutigen Konsum als „rauschhafte Glückserfüllung und Mittel zur Identitätsfindung“, sondern auch den falschen Stellenwert der Landwirtschaft, unsere Wachstums- und Technologiegläubigkeit, die Ökonomisierung der ganzen Gesellschaft:  „Das Denken in primär wirtschaftlichen Kategorien hat sich in immer mehr Lebensbereiche eingeschlichen … Man ist nicht mehr Bürger, Patient, Schüler oder Insasse, sondern ‚Kunde‘… Schleichend dringen immer mehr ökonomische Begriffe in die Alltagssprache ein und formen sie damit.“

Neben klugen Analysen der Gegenwart überrascht das Buch mit seinen Hinweisen auf die Rolle der NGO’s, auf die neue Gartenbewegung, auf „downshifting“ und einem Plädoyer für „Artenvielfalt“ in christlicher Liturgie anstelle von „unreflektiertem Ökumenismus“. Vor allen Dingen aber ist Peter Hersches  Buch ein Lobpreis der Muße. Muße als Voraussetzung für Feier, für Kunst und Kultur überhaupt. Eine wunderbare Ferienlektüre also.

Anne-Madeleine Plum

 

 

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