Datum:01. Jun 2008
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Nachlese Katholikentag Osnabrück

Zeichen der Zeit

Dom Osnabrück Mittagsgebet Katholikentag

Foto: Sr. Kornelia Fischer

Kommentar zu einem Kommentar

Die Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ kommentierte den Osnabrücker Katholikentag in Heft 22 vom 1. Juni 2008, Seite 1. Hier einige Auszüge mit kommentierenden Anmerkungen.

„Katholikentage sind keine „Zeitansage“ mehr – in dem Sinne, dass sich ein Thema wie von selbst in die öffentliche Aufmerksamkeit drängt. Aber sie sind ein Spiegel der Buntheit christlichen Lebens. Das Osnabrücker Treffen unter dem Leitwort „Du führst uns hinaus ins Weite“ hat die vielfältigen Bedürfnislagen eindrucksvoll gespiegelt, wenn auch mit manchem Zug zum Sammelsurium zwischen Talkshow, Selbsthilfegruppe, Volkshochschule und Jahrmarkt… Allerdings wirken diese Christen-Begegnungen inzwischen politisch entkernt, selbst wenn man die Berliner Prominenz bei Foren unterbringt…. In die Mitte drängten diesmal Familienthemen – vom ökonomischen Lastenausgleich über die Vereinbarkeit von Hausarbeit und Beruf, Erziehungsfragen bis zum „Aufpeppen“ des sexuellen Ehelebens nach der Kinderphase, schließlich Krankheit, Pflege, Alter, Tod.“

Frage: Wenn das Thema Ehe und Familie kein Thema zur „Zeitansage“ ist, dann frage ich mich, welches Thema es sein soll. Nur wenige Themen ziehen sich mit solcher Konstanz seit einige Zeit durch die innenpolitische Landschaft. Welches Thema rückt den Menschen näher auf den Pelz als das Thema der persönlichen Beziehungen, der Partnerschaft, Ehe, Familie? Dass zu diesem Thema, soll es nicht nur philosophisch abgehandelt werden, konkrete, manchmal vielleicht zu einfach klingende Lebensfragen besprochen werden, zeigt um so deutlicher: Hier werden keine politischen Sprüche verhandelt, sondern das leibhaftige Leben.

„Osnabrücks heitere Beschaulichkeit und Buntheit boten anders als die Milieu-Monokulturen vieler Pfarrgemeinden reichlich Gelegenheit, dem persönlichen Glaubensleben im Gemeinschaftserleben Frische zu verleihen. Die Katholikentage befinden sich im Umbruch -weg von Oberflächen- Wortlastigkeit, hin zu religiöser Besinnung und liturgischer Betätigung. Die Wiederholung „abgelutschter“ klassischer Themen mit oftmals denselben Akteuren verliert an Reiz.“

Wenn das keine „Zeitansage“ ist! Gebet, Meditation und Gottesdienst dürfen nicht mit frömmlerischer Weltflucht und Drücken vor der Realität gleichgesetzt werden. Könnte es sein, dass Menschen wieder neu die harten Themen des Alltags, der Gesellschaft und der Politik nicht nur debattieren, sondern vor das Angesicht Gottes tragen wollen, um hier in oft erlebter Ohnmacht Hilfe zu erfahren und selbst eben vor und mit diesem Gott die Probleme zu lösen?

„Eigenartig ist, dass die erregende aktuelle Atheismus-Debatte über den „Gotteswahn“ im Gefolge von Richard Dawkins kein Kernthema war und kein Hauptpodium beschäftigte, wo hochkarätige Naturwissenschaftler, Theaterleute, Künstler, Philosophen und neue Theologen miteinander gerungen hätten. Ein „leidender Atheist“ wie Herbert Schnädelbach war eingeladen, doch fand solche Auseinandersetzung der Vernunft mit dem Glauben allzusehr am Rande statt.“

Die Gottesfrage kann man in verschiedener Weise stellen. Die theologische Diskussion und die Auseinandersetzung mit Anders- oder Nichtglaubenden ist dabei unerlässlich. Doch für viele Menschen, so auch viele Katholikentagsbesucher, bleiben solche Diskussionen unter Fachleuten oft unverständlich. Verständlicher weil erfahrbarer sind dagegen für viele das Ringen um diesen Gott, um die Ahnung seiner Gegenwart, um seine Nähe unter den Menschen in Gebet und Meditation. Wenn beispielsweise über 3.000 Menschen ein Mittagsgebet „Spurensuche – Er führt uns hinaus ins Weite“ im Osnabrücker Dom besuchen, viele Menschen sogar vor dem Dom ausharren, weil sie nicht mehr eingelassen werden, dann ist das in meinen Augen ein Ringen um das Geheimnis dieses Gottes.

Hubertus Brantzen

 

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