Datum:09. Dez 2015

Maria – Eva

Irenäus von Lyon stellt Maria als Löserin des Knotens vor, der durch den Ungehorsam Evas zustande kam. Schuld, Verworrenheit und Verstricktheit unseres Lebens wird gelöst durch Reinheit, Gehorsam und Offenheit gegenüber Gott. Der Gegenüberstellung von Adam und Christus in der Paulus-Lesung entspricht der von Eva und Maria in der geistlichen Lesung dieses Konzeptes. Das barocke Gnadenbild aus der Augsburger Kirche St. Peter bringt den Gedanken von Irenäus ins Bild. Interessanterweise war es Papst Franziskus, der das barocke Gnadenbild der Wallfahrtskirche St. Peter von einer Deutschland-Reise in den 80er-Jahren von Augsburg nach Argentinien brachte und für seine Verbreitung sorgte. Er schickte seine Priesteramtsstudenten mit Postkarten dieses Bildes in die Slums der Hauptstadt. Kopien des Gemäldes wurden zum Ziel tausender Pilger, die vor der Knotenlöserin um die Lösung eines schwierigen Lebensknotens beten. Das Lied „Ave Maria zart“ singt davon, dass Maria am Anfang der Erlösung steht: „Je tiefer und konkreter man sich hineindenkt in das, was Maria da von Gott aufgegeben wurde, desto größer werden das Staunen und die Bewunderung. Es ist die Grundlage der tiefen Verehrung, die ihr zuteil geworden ist.“


Er hat in Gnade geschaut

auf seine niedrige Magd

(Lk 1,48)
Bild: Johann Georg Melchior Schmidtner Maria Knotenlöserin, St. Peter am Perlach, Augsburg >> zum Bild: Maria Knotenlöserin    (wikimedia.org)

Alttestamentliche Lesung: Genesis 3, 1-7

Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; 3nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

Kehrvers:

Mein Herz ist nicht stolz. (Psalm 131,1)

Psalm 131

Herr, mein Herz ist nicht stolz, nicht hochmütig blicken meine Augen. Ich gehe nicht um mit Dingen, die mir zu wunderbar und zu hoch sind. Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir. Israel, harre auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit!


Neutestamentliche Lesung:

Römerbrief 5, 13b-14.18-19

Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt; dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht wie Adam durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten; Adam aber ist die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist. Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.

Ruf vor dem Evangelium

(Lukas 1,48)

Er hat in Gnade geschaut auf seine niedrige Magd.

Evangelium: Lukas 1, 16-56

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Lied: Ave Maria zart  (1675) „Johann Georg Braun, 1658 Chorleiter in Eger in Böhmen, hatte eine genaue Vorstellung von der Gottesmutter und zugleich von der Haltung, in der sie zu verehren sei. Er wünscht sich, daß sein Singen ein Echo der Himmelschöre sei...“. Die Kirche im Tränental auf Erden „singt leise, was ihr die Engel soufflieren“: 1. Ave Maria zart, du edler Rosengart, lilienweiß, ganz ohne Schaden, ich grüße dich zur Stund mit Gabrielis Mund: Ave, die du bist voller Gnaden. „Das muß dir durch und durch gegangen sein, tief in die Seele und den Leib hinein. Du, unter allen Menschen du, solltest den Sohn Gottes zur Welt bringen. Ich erinnere mich noch gut, was weiter geschah, und spreche es nach mit Erzengelstimme:“ 2. Du hast des Höchsten Sohn, Maria rein und schön, in deinem keuschen Schoß getragen, den Heiland Jesus Christ, der unser Retter ist aus aller Sünd und allem Schaden. „“Mit dem <Ave> hat Gott Evas Tat rückgängig gemacht. Du bist die neue Eva, die Göttliches Wort zur Erlösung aller Menschen gebären soll.“ 3. Denn nach dem Sündenfall wir warn verstoßen all und sollten ewig sein verloren. Da hast du, reine Magd, wie dir vorhergesagt, uns Gottes Sohn zum Heil geboren. Gotteslob 527, 1-3 Zitate zum Lied aus: Hermann Kurzke / Christiane Schäfer, Mythos Maria: Berühmte Marienlieder und ihre Geschichte, München 2014, S. 24-27.30.  
Literaturhinweis: Bibel heute 1 (2008) Josef – Vater Jesu. Enzyklika Redemptoris Mater von Papst Johannes Paul II. Über die selige Jungfrau Maria im Leben der pilgernden Kirche, 2. März 1987.

Geistlicher Text: Irenäus von Lyon (ca. 135-202)– Maria die Knotenlöserin

Der Knoten des Ungehorsams der Eva fand seine Lösung durch den Gehorsam Marias. Was nämlich die Jungfrau Eva durch ihren Unglauben verworren hatte, das löste die Jungfrau Maria durch ihren Glauben. ... War jene Gott ungehorsam, so gehorchte diese willig Gott, damit die Jungfrau Maria zur Fürsprecherin wurde für die Jungfrau Eva. Und wie das Menschengeschlecht durch eine Jungfrau in den Tod verstrickt worden ist, so wird es auch gerettet durch eine Jungfrau. Gleichmäßig wie auf einer Waage wurde der Ungehorsam der Jungfrau aufgewogen durch den Gehorsam der Jungfrau. Ferner wurde ja die Sünde des Erstgeschaffenen durch die Züchtigung des Erstgeborenen wiedergutgemacht und die List der Schlange besiegt durch die Einfalt der Taube. Aber auch jene Fesseln wurden gelöst, mit denen wir an den Tod verstrickt waren. Quellenangabe: Des heiligen Irenäus fünf Bücher gegen die Häresien. Aus dem Griechischen übersetzt von E. Klebba. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 3, 22,4 V. 19,1 PG 7, 959C-960A. 1175-1176A. ) München 1912. Für die BKV im Internet bearbeitet von Ottmar Strüber: https://www.unifr.ch/bkv/kapitel670-3.htm https://www.unifr.ch/bkv/kapitel735.htm    

Zusammenstellung: Hansjakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  4 Adv B in Patmos Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie  – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

* Texte aus der Heiligen Schrift sind entnommen aus der Einheitsübersetzung © 1980, Katholische Bibelanstalt GmbH.

Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

 

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