Date:03. Feb 2016

Manna – Brot in der Wüste?

Wie im 2. Jahrhundert Eucharistie gefeiert wurde, berichtet uns der Kirchenvater Justin. Es ist erstaunlich, wie klar die zentralen Elemente hervortreten, wie verständlich Realpräsenz hier erklärt, wie klug pastoral abgewogen wird und wie viel Freiheit in so mancher Anweisung liegt.
Was Brot in der Wüste bedeutet, davon erzählt die alttestamentliche Lesung dieses Konzeptes. Wie wenig ein so wundersam geschenktes Brot die Menschen bewegt, auf Gott zu Vertrauen, darüber klagt der Psalm. Dass man sich dem Geheimnis der Eucharistie „anbetend“ am ehesten nähert, davon singt das Kommunionlied mit barocken Wurzeln. Und angesichts vieler Klagen über heutiges Eucharistieverständnis predigt Karl Rahner im Jahr 1956 immer noch höchst aktuell: „Jeder trägt zum Geist seines Zeitalters bei. Und jeder ist aufgefordert, für seinen Teil so in dieser Zeit zu leben, daß sie ein Zeitalter ist, in dem Gott mit Vertrauen auf die Klarheit unseres Geistes und die Liebe unseres Herzens zu ihm das Brot auch dieses irdischen Lebens uns reichen kann, damit wir in der Wüste dieses Lebens das Brot des ewigen Lebens empfangen für die Ewigkeit.“


„Ich bin

das Brot des Lebens.“

(Johannes 6,48)

Bild: Die wunderbare Brotvermehrung ->> Brotvermehrung
La multiplication des pains – Codex Sinopensis
Syrien / Palästina, 2. Hälfte 6. Jahrhundert
frühbyzantinische Purpurhandschrift, 30 x 25 cm
Bibliothèque nationale de France, Paris
Evangelienhandschrift supplément grec 1286, f. 15

Brotvermehrung


Alttestamentliche Lesung: Exodus 16, 2-5.12-22

Die ganze Gemeinde der Israeliten murrte in der Wüste gegen Mose und Aaron. Die Israeliten sagten zu ihnen: Wären wir doch in Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen. Da sprach der Herr zu Mose: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Das Volk soll hinausgehen, um seinen täglichen Bedarf zu sammeln. Ich will es prüfen, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht. Wenn sie am sechsten Tag feststellen, was sie zusammengebracht haben, wird es doppelt so viel sein, wie sie sonst täglich gesammelt haben.
Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sag ihnen: Am Abend werdet ihr Fleisch zu essen haben, am Morgen werdet ihr satt sein von Brot und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin.
Am Abend kamen die Wachteln und bedeckten das Lager. Am Morgen lag eine Schicht von Tau rings um das Lager. Als sich die Tauschicht gehoben hatte, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde. Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Mose zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt. Das ordnet der Herr an: Sammelt davon so viel, wie jeder zum Essen braucht, ein Gomer je Kopf. Jeder darf so viel Gomer holen, wie Personen im Zelt sind.
Die Israeliten taten es und sammelten ein, der eine viel, der andere wenig.
Als sie die Gomer zählten, hatte keiner, der viel gesammelt hatte, zu viel und keiner, der wenig gesammelt hatte, zu wenig. Jeder hatte so viel gesammelt, wie er zum Essen brauchte. Mose sagte zu ihnen: Davon darf bis zum Morgen niemand etwas übrig lassen. Doch sie hörten nicht auf Mose, sondern einige ließen etwas bis zum Morgen übrig. Aber es wurde wurmig und stank. Da geriet Mose in Zorn über sie. Sie sammelten es Morgen für Morgen, jeder so viel, wie er zum Essen brauchte. Sobald die Sonnenhitze einsetzte, zerging es.
Am sechsten Tag sammelten sie die doppelte Menge Brot, zwei Gomer für jeden. Da kamen alle Sippenhäupter der Gemeinde und berichteten es Mose.

 

 

 

Kehrvers:

Manna: Brot in der Wüste? Alle aßen und wurden satt. (Psalm 78, 19.20.24) .

Psalm 78, 1-4.18-29.32.40-41.68

Mein Volk, vernimm meine Weisung!
Wendet euer Ohr zu den Worten meines Mundes!
Ich öffne meinen Mund zu einem Spruch;
ich will die Geheimnisse der Vorzeit verkünden.
Was wir hörten und erfuhren,
was uns die Väter erzählten,
das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen,
sondern dem kommenden Geschlecht erzählen: die ruhmreichen Taten und die Stärke des Herrn, / die Wunder, die er getan hat.
In ihrem Herzen versuchten sie Gott,
forderten Nahrung für den Hunger.
Sie redeten gegen Gott; sie fragten:
«Kann uns denn Gott den Tisch decken in der Wüste?
Zwar hat er an den Felsen geschlagen,
sodass Wasser floss und Bäche strömten.
Kann er uns auch Brot verschaffen
und sein Volk mit Fleisch versorgen?»
Das hörte der Herr und war voll Grimm;
Feuer flammte auf gegen Jakob,
Zorn erhob sich gegen Israel,
weil sie Gott nicht glaubten
und nicht auf seine Hilfe vertrauten.
Dennoch gebot er den Wolken droben
und öffnete die Tore des Himmels.
Er ließ Manna auf sie regnen als Speise,
er gab ihnen Brot vom Himmel.
Da aßen die Menschen Wunderbrot;
Gott gab ihnen Nahrung in Fülle.
Er ließ den Ostwind losbrechen droben am Himmel,
führte in seiner Macht den Südwind herbei,
ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub,
gefiederte Vögel wie Sand am Meer.
Er ließ sie mitten ins Lager fallen,
rings um Israels Zelte.
Da aßen alle und wurden satt;
er hatte ihnen gebracht, was sie begehrten.
Doch sie sündigten trotz allem weiter
und vertrauten nicht seinen Wundern.
Wie oft haben sie ihm in der Wüste getrotzt,
ihn gekränkt in der Steppe!
Immer wieder stellten sie ihn auf die Probe,
sie reizten den heiligen Gott Israels.
Doch den Stamm Juda erwählte er,
den Berg Zion, den er liebt.


Neutestamentliche Lesung:

Apostelgeschichte 2,42-46

Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen; denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens.

Ruf vor dem Evangelium

(Johannes 6,48.49.51)

Ich bin das Brot des Lebens. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Evangelium: Johannes 6, 31-35. 41-43. 48-51

Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. Da murrten die Juden gegen ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.


Lied: O heilge Seelenspeise – O esca viatorum

„In der ersten Strophe wendet sich der Beter dem Sakrament des Altares zu. Durch die Bilder Seelenspeise, Manna und Himmelsbrotwird der Zusammenhang mit Exodus 16 sowie der Eucharistierede in Johannes 6 hergestellt. Das Brot in der Wüste wird zur Speise auf der Pilgerreise des Lebens.“

Str. 1
O heilge Seelenspeise
auf dieser Pilgerreise,
o Manna, Himmelsbrot!
Wollst unsern Hunger stillen,
mit Gnaden uns erfüllen,
uns retten vor dem ewgen Tod.

„Die zweite Strophe ist von Joh 6,51-56 her geprägt. Die Eucharistie gibt Anteil an Fleisch und Blut dessen, der sich hingegeben hat für das Leben der Welt.“

Str.2
Du hast für uns dein Leben,
o Jesu, hingegeben
und gibst dein Fleisch und Blut
zur Speise und zum Tranke;
wer preist mit würdgem Danke
dies unschätzbare ewge Gut?

„Unser Sakramentslied fasziniert durch seine literarische Geschlossenheit und theologische Dichte: Von Anfang bis Ende Gebet, lebt es ganz aus dem Reichtum der Bibel und ihrer Bilder und nähert sich dem Mysterium der Eucharistie anbetend, gleichsam auf den Knien.“

Str. 4
O Herr, was wir hier schauen
In Glauben und Vertrauen,
das zeige uns im Licht,
und lass es einst geschehen,
dass ewig wir dich sehen
von Angesicht zu Angesicht.
Verfasser unbekannt, Text: Gotteslob 213, Str. 1.3 (nach Würzburg 1649),
Str.4 (nach Heinrich Isaac 1495/1505)
Zitate aus: Hansjakob Becker u.a.(Hrsg.), Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder, München 2001, S. 239-248.

 

 

 

 

 

 

 

Literaturhinweis:

Karl Rahner, Biblische Predigten, Freiburg 1956, S.81-85.
Bibel heute: Das Johannesevangelium 3(2011).

 

 

 

Geistlicher Text: Justin der Märtyrer († um 165) – Erste Apologie

65. Der eucharistische Gottesdienst nach Empfang der Taufe.
Wir aber führen nach diesem Bade den, der gläubig geworden und uns beigetreten ist, zu denen, die wir Brüder nennen, dorthin, wo sie versammelt sind, um gemeinschaftlich für uns, für den, der erleuchtet worden ist, und für alle andern auf der ganzen Welt inbrünstig zu beten, damit wir, nachdem wir die Wahrheit erkannt haben, gewürdigt werden, auch in Werken als tüchtige Mitglieder der Gemeinde und als Beobachter der Gebote erfunden zu werden, und so die ewige Seligkeit zu erlangen. Haben wir das Gebet beendigt, so begrüßen wir einander mit dem Kusse. Darauf werden dem Vorsteher der Brüder Brot und ein Becher mit Wasser und Wein gebracht; der nimmt es und sendet Lob und Preis dem Allvater durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes empor und spricht eine lange Danksagung dafür, daß wir dieser Gaben von ihm gewürdigt worden sind. Ist er mit den Gebeten und mit der Danksagung zu Ende, so gibt das ganze Volk seine Zustimmung mit dem Worte „Amen“. Dieses Amen bedeutet in der hebräischen Sprache soviel wie: Es geschehe! Nach der Danksagung des Vorstehers und der Zustimmung des ganzen Volkes teilen die, welche bei uns Diakonen heißen, jedem der Anwesenden von dem verdankten Brot, Wein und Wasser mit und bringen davon auch den Abwesenden.
66. Das Wesen der Eucharistie.
Diese Nahrung heißt bei uns Eucharistie. Niemand darf daran teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie; sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos Fleisch wurde, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, daß die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht, unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei. Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche Evangelien heißen, überliefert, es sei ihnen folgende Anweisung gegeben worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: „Das tut zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib“, und ebenso habe er den Becher genommen, Dank gesagt und gesprochen: „Dieses ist mein Blut“, und er habe nur ihnen davon mitgeteilt.
67. Gemeindeleben der Christen, besonders ihr Sonntagsgottesdienst.
Wir aber erinnern in der Folgezeit einander immer hieran, helfen, wenn, wir können, allen, die Mangel haben, und halten einträchtig zusammen. Bei allem aber, was wir zu uns nehmen, preisen wir den Schöpfer des Alls durch seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden Gebete empor. Und wie schon erwähnt wurde, wenn wir mit dem Gebete zu Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das Amen sagt. Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil von dem Konsekrierten; den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht. Wer aber die Mittel und guten Willen hat, gibt nach seinem Ermessen, was er will, und das, was da zusammenkommt, wird bei dem Vorsteher hinterlegt; dieser kommt damit Waisen und Witwen zu Hilfe, solchen, die wegen Krankheit oder aus sonst einem Grunde bedürftig sind, den Gefangenen und den Fremdlingen, die in der Gemeinde anwesend sind, kurz, er ist allen, die in der Stadt sind, ein Fürsorger. Am Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tage von den Toten auferstanden ist.
https://www.unifr.ch/bkv/kapitel77-66.htm

 


Zusammenstellung: Hansjakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  5 Epi D in Patmos Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie  – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

* Texte aus der Heiligen Schrift sind entnommen aus der Einheitsübersetzung © 1980, Katholische Bibelanstalt GmbH.

Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

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