Date:13. Jan 2008

Kinder der Straße

Kunst · Theater · Literatur

Zeitungsausschnitt zu Heinrich Zille

Ausschnitt aus: Allgemeine Zeitung Mainz vom 11.01.2008, Seite Feuilleton

Anlässlich des 150. Geburtstages des Berliner Zeichners, Grafikers und Fotografen Heinrich Zille (geb.1858 in Radeburg, gest. 1929 in Berlin) zeigt die Akademie der Künste in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin eine Ausstellung zu dessen Lebenswerk, insgesamt 350 Werke.

Zille, der selbst einer armen Arbeiterfamilie entstammte und als Kind unter Hunger und Not zu leiden hatte, blieb auch als erfolgreicher und finanziell gesicherter Künstler bodenständig, wobei er stets sein Augenmerk auf die Sorgen und Befindlichkeiten der kleinen Leute richtete. Um die Jahrhundertwende begann Heinrich Zille immer bewusster, Szenen aus der proletarischen Unterschicht für seine Kunst zu entdecken. Zille fand sein „Milljöh“ in den Hinterhöfen, Seitengassen und Kaschemmen der Arbeiterviertel.

Die Ausstellung heißt „Kinder der Straße“, was 1908 der Titel von Zilles erster eigener Buch-Veröffentlichung war, mit Anspielung auf Paul Heyses damals berühmten Roman „Kinder der Welt“. Der Titel meinte die Menschen, die aus dem religiösen Zusammenhang ins Säkulare entlassen sind und sich nicht mehr als Kinder Gottes empfinden. Zille hat dies noch einmal gesteigert, um die Heimatlosigkeit des großstädtischen Lebensgefühls wachzurufen.

Zille war zeitlebens sozial engagiert und trat für die Rechte der kleinen Leute ein. Sein stark ausgeprägtes soziales Gewissen kann man in seinen Arbeiten entdecken. Seine Nähe zu den Leidtragenden und Opfern eines inhumanen Kapitalismus ist durch viele seiner mündlichen und schriftlichen Äußerungen belegt.

Berlins Parlamentspräsident Walter Momper würdigte bei der Eröffnung der Ausstellung Heinrich Zille, der liebevoll „Pinselheinrich“ genannt wurde: „Er liebte das einfache Volk und diese liebevolle Beziehung spiegelt sich in seinem Werk nieder. Seine Bilder sind geprägt von tiefer Mitmenschlichkeit.“

Bei der Recherche im Internet fanden sich keine Anhaltspunkte über Zilles religiöse Einstellungen. Offensichtlich spielte Glaube keine Rolle. Doch ein Bezug zur Bibel, auch wenn Zille einen solchen wohl nicht im Blick hatte, ist leicht zu entdecken: Auch dort ist von einem die Rede, der die Zöllner und Sünder, Ausgegrenzte und Randgruppen, Prostituierte und Ungewollte im Auge hatte, auf sie zuging und ihnen Hoffung und Heilung zusprach.

 

Hubertus Brantzen

 

Eröffnung 10.1.2008 , Ausstellung 11.1.-24.3.2008 in Berlin:
http://www.heinrich-zille.net/

Sein Leben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Zille

Bildergalerie:
http://commons.wikimedia.org/wiki/Heinrich_Zille?uselang=de

 

 

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