Datum:12. Okt 2016
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Im Tod nimmt keiner den Reichtum mit. (Psalm 49,18)

Ausgangspunkt dieses liturgischen Entwurfs sind Gedanken aus dem Buch Kohelet, die im Spiegel eines berühmten Gemäldes, einem Lied von Gryphius und den biblischen Texten weiter gedacht werden. Im Bild der Perlenwägerin von Vermeer entdeckt man erst bei genauerem Hinsehen das „Bild im Bild“, ein typisches Stilmittel der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Achtzehn Bilder der „Sphinx von Delft“ enthalten ein solches Bild im Bild, hier ist es eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Dieses Motiv, von protestantischen Malern der Zeit eher selten behandelt, setzt die Perlenwägerin in einen neuen Sinnzusammenhang. Die Waagschalen der schwangeren Frau, die so sorgfältig die kostbaren Perlen zu wiegen scheint, sind leer – auch wenn das mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist. Der aus einer calvinistischen Familie stammende Maler, zum Katholizismus konvertiert bevor er Mitglied der St. Lukas Malergilde von Delft und Ehemann einer Katholikin wird, gibt allerdings keine eindeutige Interpretationshilfe. Ist hier eine personifizierte Vanitas zu sehen ist, die sich mit irdischen Kostbarkeiten beschäftigt? Oder zeigt Vermeer eine verantwortungsbewusste Frau, die gleichmütig den wertvollen Schmuckstücken gegenüber steht? Ist es Vorsicht des in der „Papistenecke“ einer Stadt lebenden Künstlers, in dem alle städtischen Ämter von Calvinisten besetzt sind, geht es ihm gar um eine Ablehnung der Doktrin der Prädestination? Eine klare Deutung ist vom Betrachter zu suchen, entzieht sich ihm aber zugleich. Ein Gemälde als „Aufruf zur Sinngebung“, ein Appell an eigenes Nachdenken über Vergänglichkeit und Rechenschaft vom eigenen Leben.


„Was wir für ewig schätzen,

wird als ein leichter Traum

vergehn.“

(Andreas Gryphius)

Esra -Detail
Bild: Jan Vermeer van Delft Vrouw met weegschaal – Die Perlenwägerin Öl auf Leinwand, 42 cm x 38 cm Washington DC, National Gallery of Art  1662–1663 zum Bild >> Frau mit Waagschale - van Vermeer Literatur zum Bild und Zitate aus: Daniel Arasse, Vermeers Ambition, Dresden 1996 und  Nanette Salomon, Vermeer and the Balance of Destiny, Doornspijk 1983.
Hjob
 
Esra

Alttestamentliche Lesung: Kohelet 5,12 - 6,2

Es gibt etwas Schlimmes, etwas wie eine Krankheit, das ich unter der Sonne beobachtet habe: wenn Reichtum, der für seinen Besitzer ängstlich gehütet wurde, diesem Schlimmes brachte. Durch ein schlechtes Geschäft ging ihm dieser Reichtum verloren. Er hatte einen Sohn gezeugt, aber jetzt hat er nichts mehr, das ihm gehört. Wie er aus dem Leib seiner Mutter herausgekommen ist - nackt, wie er kam, muss er wieder gehen. Von seinem Besitz darf er überhaupt nichts forttragen, nichts, das er als ihm gehörig mitnehmen könnte. So ist auch dies etwas Schlimmes, etwas wie eine Krankheit. Genau wie er kam, muss er gehen. Welchen Vorteil bringt es ihm, dass er sich anstrengt für den Wind? Auch wird er während seines ganzen restlichen Lebens sein Essen im Dunkeln einnehmen; er wird sich häufig ärgern und Krankheit und Unmut werden ihn plagen. Dies ist etwas, was ich eingesehen habe: Das vollkommene Glück besteht darin, dass jemand isst und trinkt und das Glück kennen lernt durch seinen eigenen Besitz, für den er sich unter der Sonne anstrengt während der wenigen Tage seines Lebens, die Gott ihm geschenkt hat. Denn das ist sein Anteil. Außerdem: Immer wenn Gott einem Menschen Reichtum und Wohlstand geschenkt und ihn ermächtigt hat, davon zu essen und seinen Anteil fortzutragen und durch seinen Besitz Freude zu gewinnen, besteht das eigentliche Geschenk Gottes darin, dass dieser Mensch sich nicht so oft daran erinnern muss, wie wenige Tage sein Leben zählt, weil Gott ihn sich um die Freude seines Herzens bemühen lässt. Doch es gibt etwas Schlimmes, das ich unter der Sonne beobachtet habe; es lastet häufig auf dem Menschen: Gott schenkt einem Menschen so viel Reichtum, Wohlstand und Geltung, dass ihm nichts fehlt von allem, was er sich wünschen könnte; aber Gott ermächtigt ihn nicht, davon zu essen, sondern ein Fremder isst es auf. Das ist Windhauch und eine schlimme Krankheit.  

Kehrvers:

Im Tod nimmt keiner den Reichtum mit. (Psalm 49, 18)

Psalm 49, 2-3,6-8.11.14-18

Hört dies an, ihr Völker alle, vernehmt es, alle Bewohner der Erde, Ihr Leute aus dem Volk und vom Adel, Reiche und Arme zusammen! Warum soll ich mich in bösen Tagen fürchten, wenn mich der Frevel tückischer Feinde umgibt? Sie verlassen sich ganz auf ihren Besitz und rühmen sich ihres großen Reichtums. Loskaufen kann doch keiner den andern noch an Gott für ihn ein Sühnegeld zahlen Denn man sieht: Weise sterben; genauso gehen Tor und Narr zugrunde, sie müssen andern ihren Reichtum lassen. So geht es denen, die auf sich selbst vertrauen, und so ist das Ende derer, die sich in großen Worten gefallen. Der Tod führt sie auf seine Weide wie Schafe, sie stürzen hinab zur Unterwelt. Geradewegs sinken sie hinab in das Grab; ihre Gestalt zerfällt, die Unterwelt wird ihre Wohnstatt. Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes, ja, er nimmt mich auf. Lass dich nicht beirren, wenn einer reich wird und die Pracht seines Hauses sich mehrt; denn im Tod nimmt er das alles nicht mit, seine Pracht steigt nicht mit ihm hinab. .


Neutestamentliche Lesung:

Philipperbrief 3, 7-14

Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.           Literaturhinweis: Katholisches Bibelwerk e.V. (Hrsg.), kohelet. entdecken: Lese- und Arbeitsbuch zur Bibel, Stuttgart 2005.

Ruf vor dem Evangelium

(Lukas 6, 20.24)

Weh euch, ihr Reichen; ihr habt bereits euern Trost! Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes!

Evangelium: Matthäus 16, 13-17.21-27

Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.

Lied: Die Herrlichkeit der Erden - Andreas Gryphius (1616-1664) Der schlesische Barockdichter Andreas Gryphius, (gräzisiert Greif), geprägt von einer Kindheit im Dreißigjährigen Krieg, hat bereits mit neun Jahren Vater und Mutter verloren. Der sprachbegabte Lyriker, selbstkritisch gegenüber seinem eigenen Werk, sieht die Welt mit Augen des alttestamentlichen Kohelet, dessen Worte immer wieder in seiner Dichtung auftauchen. Vorherrschendes Thema des Buches Prediger (Ecclesiastes) ist die pessimistische Erkenntnis: Alles ist eitel, vergänglich. Dies spiegelt sich auch in seinem Lied von 1650, das im Evangelischen Gesangbuch steht: 1. Die Herrlichkeit der Erden muss Rauch und Asche werden, kein Fels, kein Erz kann stehn. Dies, was uns kann ergötzen, was wir für ewig schätzen, wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Der Ruhm, nach dem wir trachten, den wir unsterblich achten, ist nur ein falscher Wahn; sobald der Geist gewichen und dieser Mund erblichen, fragt keiner, was man hier getan. 3. Es hilft kein weises Wissen, wir werden hingerissen ohn einen Unterscheid. Was nützt der Schlösser Menge? Dem hier die Welt zu enge, dem wird ein enges Grab zu weit. 4. Dies alles wird zerrinnen, was Müh und Fleiß gewinnen und saurer Schweiß erwirbt. Was Menschen hier besitzen, kann vor dem Tod nichts nützen; dies alles stirbt uns, wenn man stirbt. 5. Wie eine Rose blühet, wenn man die Sonne siehet begrüßen diese Welt, die, eh der Tag sich neiget, eh sich der Abend zeiget, verwelkt und unversehens fällt: 6. So wachsen wir auf Erden und denken groß zu werden, von Schmerz und Sorgen frei; doch eh wir zugenommen und recht zur Blüte kommen, bricht uns des Todes Sturm entzwei. 7. Wir rechnen Jahr auf Jahre; indessen wird die Bahre uns vor die Tür gebracht. Drauf müssen wir von hinnen und, eh wir uns besinnen, der Erde sagen: Gute Nacht! 8. Auf, Herz, wach und bedenke, dass dieser Zeit Geschenke den Augenblick nur dein. Was du zuvor genossen, ist als ein Strom verschossen; was künftig, wessen wird es sein? 9. Verlache Welt und Ehre, Furcht, Hoffen, Gunst und Lehre und geh den Herren an, der immer König bleibet, den keine Zeit vertreibet, der einzig ewig machen kann. 10. Wohl dem, der auf ihn trauet! Er hat recht fest gebauet, und ob er hier gleich fällt, wird er doch dort bestehen und nimmermehr vergehen, weil ihn die Stärke selbst erhält. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 527)    

Geistlicher Text: Mutter Teresa - Wer ist Jesus für mich?

Die 1910 in Skopje geborene Agnes Bojaxhiu begeistert sich als junges Mädchen für die Schriften der heiligen Thérèse von Lisieux und als sie nach dem Abitur in den Orden der Loreto-Schwestern eintritt, wünscht sie sich nach deren Vorbild den Namen Maria Teresa des Jesuskindes. Ihr Orden schickt sie als Lehrerin an einer Mädchenschule nach Indien. Ihre zweite Berufung führt zur Gründung eines neues Ordens, der sich ganz dem Dienst an den Ärmsten der Armen in den Slums von Kalkutta widmet. Die unermüdliche Arbeit der Missionaries of Charity wird weit über Indien hinaus bekannt, Mutter Teresa selbst erhält 1979 den Friedensnobelpreis. Erst nach ihrem Tod 1997 wird im Rahmen des Prozesses ihrer Heiligsprechung öffentlich, wie sehr sie über Jahre unter einer inneren Dunkelheit, einer Sehnsucht nach Trost und Gotteserfahrung im Gebet gelitten hat. Als Mutter Teresa 1983 mit Verdacht auf Herzinfarkt in Rom ins Krankenhaus eingeliefert wurde, schrieb sie dort ihre ganz persönliche Antwort auf die Frage: „WER IST JESUS FÜR MICH? Jesus ist das Wort, das Fleisch wurde. Jesus ist Brot des Lebens – das gegessen werden soll. Jesus ist die Wahrheit – die erzählt werden soll. Jesus ist der Weg – der gegangen werden soll. Jesus ist das Licht – das entzündet werden soll. Jesus ist das Leben – das gelebt werden soll. Jesus ist die Liebe – die geliebt werden soll. Jeus ist die Freude – die geteilt werden soll. Jeus ist das Opfer – das aufgeopfert werden soll. Jesus ist der Friede –der gegeben werden soll. Jesus ist das Wort – das gesprochen werden soll. Jesus ist der Hungrige – der gespeist werden soll. Jesus ist der Dürstende – dessen Durst gestillt werden soll. Jesus ist der Nackte – der bekleidet werden soll. Jesus ist der Heimatlose – der aufgenommen werden soll. Jesus ist der Kranke – der geheilt werden soll. Jesus ist der Einsame – der geliebt werden soll. Jesus ist der Ungewollte – der geliebt werden soll. Jesus ist der Leprakranke – dessen Wunden gewaschen werden sollen. Jesus ist der Bettler – dem ein Lächeln geschenkt erden soll. Jesus ist der Trinker – dem zugehört werden soll. Jesus ist der geistig Zurückgebliebene – der beschützt werden soll. Jesu ist der Kleine - der umarmt werden soll. Jesus ist der Blinde – der geführt werden soll. Jesus ist der Taubstumme – für den gesprochen werden soll. Jesus ist der Verkrüppelte – mit dem gelaufen werden soll. Jesus ist der Drogenabhängige – mit dem man sich anfreunden soll. Jesu ist die Prostituierte – die man aus der Gefahr holen und mit der man sich anfreunden soll. Jesus ist der Gefangene – der besucht werden soll. Jesu ist der alte Mensch – dem man dienen soll. FÜR MICH – Jesus ist mein Gott. Jesus ist mein Gemahl. Jesus ist mein Leben. Jesus ist meine einzige Liebe. Jesus ist mein Alles in Allem. Jesus mein Alles. Jesus, den ich mit meinem ganzen Herzen liebe, mit meinem ganzen Sein.“ Brian Kolodiejchuk MC (Hrsg.), Mutter Teresa. Komm, sei mein Licht, München 2007, S. 349f.        

Zusammenstellung: Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  25 Pen A in Patmos Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie  – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

* Texte aus der Heiligen Schrift sind entnommen aus der Einheitsübersetzung © 1980, Katholische Bibelanstalt GmbH. Liste der Wort-Gottes-Feiern "Patmos" Informationen zur Gottesdienst-Reihe "Patmos"

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