Datum:28. Mrz 2018
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Jesus und der tote Gendarm

Zeichen der Zeit

Foto: Gendamerie nationale         

Das ist eine ungewöhnliche Karwoche für Frankreich. Kurz bevor die Christen an das Leiden Jesu um unserer Erlösung willen erinnern, redet das ganze Land über einen Gendarmen, der sich selbst geopfert hat. Gibt es Parallelen zwischen Jesus und Arnaud Beltrame? — Stefan von Kempis und Olivier Bonnel – Vatikanstadt

Er ist auf allen Titelseiten; Präsident Emanuel Macron ehrt ihn, der Papst würdigt ihn. Arnaud Beltrame ist der Gendarm, der sich letzte Woche bei einem Attentat im südfranzösischen Städtchen Trèbes selbst als Geisel im Tausch für das Leben einer Frau anbot. Der islamistische Attentäter ging auf den Tausch ein; kurz darauf erschoss er Beltrame. Ein beeindruckendes Selbstopfer.

„Solche Aufopferung nötigt Respekt ab: Man steht vor der Frage, ob man selbst zu diesem Opfer imstande gewesen wäre.“ Das sagt der junge katholische Philosoph Martin Steffens im Interview mit Vatican News.

„Außerdem hat Aufopferung das Paradox an sich, dass einerseits keine Moral sie vorschreiben kann. Keine Moral kann sagen: Opfere dich!, denn das wäre Mord. Gleichzeitig ruht aber die ganze Moral auf der Vorstellung, dass ein Mensch fähig ist, auf sich selbst zu verzichten, damit etwas leben kann, das größer ist als er. Mit diesem Paradox rühren wir an die Wurzel aller Moral – an die Liebe zum Leben nämlich, die so groß sein kann, dass man sie um des Lebens eines anderen willen aufopfert.“

Was der Gendarm in Trèbes getan habe, annulliere in seiner Großzügigkeit und Uneigennützigkeit den Hass des Attentäters. Steffens hat keine Schwierigkeit damit, Arnaud Beltrame und Jesus Christus in einem Atemzug zu nennen.

„Das ist sozusagen die List des Guten: Die Aufopferung sorgt dafür, dass das Böse und die Gewalt nicht das letzte Wort haben. Im Leiden Jesu entfesselt sich die Gewalt gegen den Sohn Gottes, der ihr hilflos ausgesetzt scheint – und doch legt jeder Schlag, den er empfängt, Zeugnis ab von der Liebe Gottes zur Menschheit. Bei Beltrame haben wir dasselbe: die List des Guten. Er hat einen Ausgang der Sache erfunden, der nicht dem Bösen gehört – das ist der heroische und heilige Akt des Arnaud Beltrame.“

Der Polizist Arnaud Beltrame war gläubiger Katholik und besuchte eine Kirche. Er sei nicht in einer religiösen Familie aufgewachsen, habe sich aber 2008 dem Glauben zugewandt, schreibt etwa der britische Catholic Herald, und die Erstkommunion sowie die Firmung empfangen. „Er hat seinen Glauben nicht versteckt, er hat ihn ausgestrahlt und davon erzählt“, sagte der Polizeiseelsorger Dominique Arz gegenüber der Presse. „Sein Akt der Selbst-Hingabe stand in Einklang mit dem, woran er glaubte.“
Ähnlich äußerte sich der Priester, der am 9. Juni die kirchliche Trauung für Beltrame und dessen Ehefrau Marielle durchführen sollte. „Das junge Paar kam regelmäßig in die Abtei, um an Messen, Gottesdiensten und Lehreinheiten teilzunehmen“, zitiert der Catholic Herald Pater Jean Baptiste.

 

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