Date:26. Mrz 2014

Gottesstimme „fasten“

Zeichen der Zeit

Brotrinde - Foto: Rainer Sturm - pixelio.de

Foto: Rainer Sturm – pixelio.de

Seit Jahren ist „fasten“ ein wichtiges Wort unserer Kultur geworden ist. So hat unser Fernsehen in seinen Nachrichtensendungen am Aschermittwoch relativ ausführlich von der nun beginnenden Fastenzeit gesprochen und auf die stärker besuchten Gottesdienste an diesem Tag hingewiesen. Noch in meiner Studienzeit anfangs der sechziger Jahre war „fasten“ eigentlich ein verpöntes Wort. Es war die Zeit, in der man von der traditionellen katholischen Fastenzeit wegkam.

In späteren Jahren konnte man den „Neu-Aufgang“ dieses Wortes beobachten. Wichtig – so hatte ich damals lebendig den Eindruck – war in den achtziger Jahren der große Film über Gandhi, der zeigt, wie dieser vor allen wichtigen Entscheidungen und Taten mit seinen Anhängern sich zum fasten zurückzog. Man konnte auf einmal dieses Wort wieder gebrauchen.

Vieles hat inzwischen zu einer Kultur des Fastens beigetragen. Oft geht es einfach um den Abbau von Übergewichtigkeit. Dieses Thema ist ja geradezu allgegenwärtig. Und man nennt auch dies „fasten“. Damit verbunden sind vielfache Erfahrungen, dass „fasten“ auch Seele und Geist zu Gute kommt. So entstand bei immer zahlreicheren Menschen eine auch seelische und geistige Kultur des Fastens. Beigetragen hat das ökologische Denken und die stärkere Bewusstwerdung des psychosomatischen Zusammenhangs im Menschen. Die wachsende Sensibilisierung für Psychologisches und der damit verbundene Blick ins Innere lässt spüren und beobachten, wie Leibliches sich auf Seelisches und Geistiges auswirkt; und dass eine Entschlackung oder Reinigung des Leiblichen sich in einer größeren Wachheit, einem größeren Sinn für Geistiges und oft auch Transzendentes auswirkt.

Und es scheint vor allem der Frühling zu sein, der denen eine neue seelisch-geistige Lebendigkeit schenkt, die auch und gerade im leiblichen Bereich Hindernisse abbauen.   Pate stehen mag auch der muslimische Monat Ramadam unserer muslimischen Mitbürger, dem unsere Medien ja vielfach beachtliche Aufmerksamkeit schenken. Und damit verbunden ein gewisses Wissen darum, dass es auch „bei uns“ einmal so etwas gab.

Wir haben es beim fasten mit einer Stimme Gottes zu tun, die im säkularen Bereich unserer Zeit zuerst wieder zu hören war und ist; und die darauf wartet, vom Christlichen neu aufgenommen, sozusagen neu „getauft“, neu auf Ostern hin geöffnet zu werden.

Demgegenüber trifft die Formulierung „österliche Bußzeit“ sprachlich nicht eigentlich die heutige Sensibilität. Man hat damit zwar die positive Sinngebung in den Blick gebracht. Man hat aber ein Wort (Buße) eingeführt, das nur begrenzt, wenn überhaupt, aussagt, was es mit der Erfahrung von seelisch-geistiger Verlebendigung auf Grund einer ganzheitlichen „Reinigung“ auf sich haben kann.

Herbert King

 

 

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