Date:17. Dez 2006

Gottes Handeln in der Geschichte

Zeichen der Zeit

 

Immer neu gehen wir den Spuren Gottes nach, seinen Spuren im täglichen Leben von uns selbst, unseren Familienangehörigen und mancher unserer Mitmenschen. Immer interessieren uns aber auch seine Spuren in der Zeit und in der großen Geschichte.

In diesen Tagen las ich die
„Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend“ von Joachim Fest (Ich nicht. Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg, 52006). Sie handeln im Wesentlichen über die Zeit des Nationalsozialismus und die ersten Jahre danach. Sie enden mit folgender Überlegung (Seite 363):

„Ein anderer Vorgriff betrifft eines der bedeutendsten Ereignisse meiner Lebenszeit. Mitunter erinnere ich mich der immer wieder durchbrechenden pessimistischen Stimmungen meines Vaters sowie der meisten meiner Freunde. Einer am Gartentisch [seines Elternhauses] hatte einmal das Verhältnis von Vernunft und Widervernunft im historischen Prozeß auf die Formel von zehn zu zehntausend gebracht. Das düstere Bild von Mensch und Geschichte, von dem die Vätergeneration nicht wegkam, spiegelte die Zeit. Mit meiner Bemerkung, das Trompetensignal im „Fidelio“ [von Bethoven] sei in aller Geschichte kam je gehört worden und nur ein „Operneinfall“, hatte ich an dieser Stimmung teil. Ebenso ging es mit meiner Behauptung, der Weltgeist, falls es ihn denn gebe, halte immer zu den Pizarros.

Um so glücklicher ist mir jedesmal zumute, wenn ich die lange Chaussee zur Glienicker Brücke hinunterfahre, wo die temperamentvollen Sophie mir einst um den Hals gefallen war und wo seit 1961 alle Wege endeten. Denn ich zähle zu den Miterlebenden eines geschichtlichen Ereignisses, in dem sich die Vernunft ausnahmsweise gegen alle Verblendung und Greuellaune durchgesetzt hat. Da war, einmal wenigstens und jeder Erfahrung zuwiderlaufend, die Trompete hörbar geworden. Sie hatte Mauern durchbrochen und die herrschenden Gewalthaber veranlaßt, die Macht aus den Händen zu geben.“

Ist das zu pessimistisch, zu ungläubig, zu skeptisch, zu agnostisch? Ich denke, die Überlegung lässt außer acht, dass Gott auch dann in der Geschichte handelt, und wir sein Handeln voraussetzen dürfen, wenn wir es nicht verstehen, wenn es uns zuwiderläuft, wenn es schlimmes Leid bringt. Es ist ein zwar geheimnisvoller Gott, aber er ist es. Wenn wir das nicht annehmen, sind wir natürlich sehr dumm dran mit unserem Gottesglauben. Doch können wir solches nur dann positiv aufnehmen, wenn wir das Leben auf dieser Erde als eine lediglich erste und sehr kurze Phase eines umfassenderen und ewig dauernden Lebens auffassen. Gott wird einst alle Tränen trocknen und wir werden nicht mehr nur in einem getrübten Spiegel erkennen dürfen (frei nach Apokalypse und 1 Korinther 13).

Umso mehr dürfen wir allerdings die guten und uns entgegenkommenden Ereignisse im persönlichen wie im Völkerleben begrüßen, sie feiern und genießen und speziell dafür danken. Es gibt ja nicht nur das Misslungene und Böse auf dieser Erde.

P. Herbert King

 

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