Dr. Gertrud Pollak

Foto: pixabay.com

Wenn Macht entgleist

In den Medien flimmern aus vielen Gebieten der Erde bewegte Bilder von Krawall und Protesten. Fotos in den Printmedien fangen besonders knifflige Momente ein. Gewalt, Ausschreitungen und Hass scheinen zu regieren. Überall entgleist Macht, die gegen solide Menschlichkeit gewinnt. Differenzierungen zu Ursachen und Auswirkungen tun Not. Es ist unerlässlich, die einzelnen Krisenherde gesondert zu beleuchten. Die Überschrift bleibt dennoch: Macht entgleist… 

Blicken wir etwa dieser Tage auf die Ausschreitungen in Chile, bleibt evident, dass Machthaber anderer Staaten ihren Einfluss steigern wollen. Gezielt werden Krawalltrupps von außen eingesetzt und Unruhen provoziert. Organisierte Gewalt, die einschüchtern soll. Die offenkundige und die psychologische Botschaft nach innen unterstellt massive Instabilität von sozialen Gefügen. Die Botschaft nach außen unterstreicht, wie brüchig und unzuverlässig dieses Land nun geworden ist. Wenn Macht entgleist, wird Angst geschürt, oft ganz diffus. Menschen trauen sich selbst und ihren Möglichkeiten nicht mehr viel zu.

Wie gut, dass wir gerade auch heute auf viele mutige Menschen treffen, die das böse Spiel durchschauen und deutlich zeigen, dass sie keinen internen Machtwechsel wollen, ja dagegen angehen. Wahre Demokratie schürt keine Angst unter den Menschen. Sie wehrt sich gegen Organisationen, die Menschen unmündig und unfrei machen durch evidente Gewaltszenen und Drohbotschaften. Geheime Verführer kommen dazu und flüstern sanfter, was angeblich dran ist. Manche Wahlen werden zur Farce.

Und doch – wichtig und bewundernswert ist der Kampf gegen die Angst, die Besinnung darauf, dass Mächtige ihre Macht nicht missbrauchen, sondern ihre Möglichkeiten für das Wohl der Menschen einsetzen wollen und sollen. Meist steckt in solchem Tun ein Menschenbild, das sich nicht aus sich selbst verantworten muss und nur durch eigene Macht überlebt. Gott sei Dank!

Die Bibel erzählt von Angst und Furcht, aber sie gibt dem Menschen gleichzeitig Instrumente, sie zu bewältigen. Der biblische Josua etwa, die Führergestalt bei der Einnahme und Aufteilung des Landes Israel, beginnt und endet mit dem Bekenntnis, dass nicht fremde Mächte, sondern Gott die Geschicke des Menschen lenkt: „Habe ich dir nicht befohlen: Sei mutig und stark? Fürchte dich also nicht und habe keine Angst, denn der Herr dein Gott ist mit dir überall, wo du unterwegs bist.“ (Jos 1,9) Wie stabilisierend wirken auch die Worte des Hl. Paulus für alle, die hinter die Kulissen der geschürten Krawalle schauen wollen: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (1 Tim 1,7) – auch dann und dort, wo Macht entgleist.

 


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Dr. Gertrud Pollak, Mainz
Ordinariatsdirektorin a. D.
Generaloberin Säkularinstitut Frauen von Schönstatt

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