Die Auferstehung Jesu aus dem Tod

Kunst · Theater · Literatur

Kreuz und Osterkerze

  

Leseprobe für Ostern aus:

Joseph Ratzinger Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Band II; Herder Verlag; vergleiche in den Seiten 267–272.

„Was ist da geschehen? Das war offenbar für die Zeugen, die dem auferstandenen begegnet waren, nicht einfach zu sagen. Sie waren mit einer für sie selbst ganz neuen Realität konfrontiert, die ihren Erfahrungshorizont sprengte. So sehr die Realität des Geschehenen sie überwältigte und zum Zeugnis nötigte, so andersartig war sie zugleich […]
Wer an die Auferstehungsberichte mit der Meinung herantritt, er wisse, was Auferstehung von den Toten ist, der kann die Berichte nur falsch verstehen und muss sie als unsinnig beiseitelegen […]

Nun, in der Tat: Wenn es sich bei der Auferstehung Jesu nur um das Mirakel einer wiederbelebten Leiche handeln würde, ginge sie uns letztlich nichts an […]

Das Mirakel einer wiederbelebten Leiche würde besagen, dass Jesu Auferstehung dasselbe war wie die Erweckung des Jünglings von Naïn (Lk 7,11–17), der Tochter des Jaïrus (Mk 5,22ff.35–43par.) oder des Lazarus (Joh 11,1–44). Nach einer mehr oder weniger kurzen Frist kehrten diese in ihr bisheriges Leben zurück, um dann irgendwann später endgültig zu sterben.
Die neutestamentlichen Zeugnisse lassen keinen Zweifel daran, dass mit der „Auferstehung des Menschensohnes“ etwas ganz anderes sich ereignet hatte. Jesu Auferstehung war der Ausbruch in eine ganz neue Art des Lebens, in ein Leben, das nicht mehr dem Gesetz des Stirb und Werde unterworfen ist, sondern jenseits davon steht – ein Leben, das eine neue Dimension des Menschseins eröffnet hat […]
Von da aus versteht sich die Eigenart dieses Zeugnisses im Neuen Testament. Jesus ist nicht in ein normales Menschenleben dieser Welt zurückgekehrt wie Lazarus und die anderen […] Er ist in ein anderes, neue Leben hinausgetreten – in die Weite Gottes, und von da aus zeigt er sich den Seinigen […]

Der Prozess des Gläubigwerdens vollzieht sich analog zum Fall des Kreuzes. An einen gekreuzigten Messias hatte niemand gedacht. Nun war das Faktum da, und es war vom Faktum her die Schrift neu zu lesen […]
Nun musste man beides, Kreuz und Auferstehung, in der Schrift suchen, sie neu verstehen und dadurch zum Glauben an Jesus als Sohn Gottes gelangen.
Dies wiederum setzt voraus, dass die Auferstehung für die Jünger so real war wie das Kreuz. Es setzt voraus, dass sie einfach von der Wirklichkeit überwältigt wurden […] sich der Realität nicht mehr widersetzen konnten: Er ist es wirklich […]

Das Paradox war unbeschreibbar: dass er ganz anders war, keine wiederbelebte Leiche, sondern ein von Gott her neu und für immer Lebender. Und dass er doch gerade so, obwohl nicht mehr unserer Welt zugehörend, zugleich real da war, ganz er selbst. Es ging um eine ganz einzigartige Erfahrung, die die gewöhnlichen Erfahrungsräume sprengte und für die Jünger doch ganz unbestreitbar war. Von daher erklärt sich die Eigenart der Auferstehungszeugnisse: Sie sprechen von etwas Paradoxem, von etwas, das alle Erfahrung überschreitet und dennoch ganz real ist […]

von etwas Neuem, bis dahin Einmaligem […] von einer neuen Dimension der Wirklichkeit […] Das Bestehende wird nicht bestritten. Es wird vielmehr gesagt: Es gibt eine Dimension mehr, als wir sie bisher kennen. Steht das in Widerspruch zur Wissenschaft? Kann es wirklich nur das geben, was es immer gab? Wenn es Gott gibt, kann er dann nicht auch eine neue Dimension des Menschseins, der Wirklichkeit überhaupt schaffen? Wartet nicht eigentlich die Schöpfung auf die letzten und höchsten „Mutationssprünge“? Auf die Vereinigung des Endlichen mit dem Unendlichen, auf die Vereinigung von Mensch und Gott, auf die Überwindung des Todes?“

 

herausgelesen von:

Armin Noppenberger

 

 

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