Date:22. Apr 2015

Das Leben feiern – Der gute Hirte

Hirten gehören nicht mehr selbstverständlich zu unseren Alltagserfahrungen. Im heutigen Israel gibt es sie durchaus: Sie tragen Jeans und überqueren mit ihren Herden vielbefahrene Straßen.  In dieser Wort-Gottes-Feier geht es um Jesus, der sich als der gute Hirte um die Verirrten und Verlorenen ganz besonders kümmert. Und um die Anforderungen an Hirten in unserer Kirche, wie die heilige Katharina von Siena sie so mutig formulierte. An ihrem Maßstab müssen wir alle uns messen lassen, es ist der Maßstab glaubwürdiger Nachfolge in den Spuren unseres wahren Hirten, Jesus Christus.


für 4. Sonntag der Osterzeit

„Ich habe mich verirrt.

  Suche mich.“

Jesus, der gute Hirte.

 

Bild:
Gesù Cristo Buon Pastore – Christus als der gute Hirte
Anonymer römischer Maler, Fresko, Mitte des 3. Jahrhunderts,
Cubiculo del Velatio –  Priscilla-Katakomben, Rom

Foto: Marie-Luise Langwald

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Alttestamentliche Lesung:

Ezechiel 34, 11-13.15-16

Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.
Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.
Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes.
Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen – Spruch Gottes, des Herrn.
Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

Kehrvers:
Ich habe mich verirrt; suche mich wie ein Hirte das verlorene Schaf. (Psalm 119,176)

Psalm 119, 169-170.173-176

Herr, zu dir dringe mein Rufen. /
Gib mir Einsicht, getreu deinem Wort!
Mein Flehen komme vor dein Angesicht. /
Reiß mich heraus getreu deiner Verheißung!
Deine Hand sei bereit, mir zu helfen; /
denn ich habe mir deine Befehle erwählt.
Ich sehne mich, Herr, nach deiner Hilfe /
und deine Weisung macht mich froh.
Lass meine Seele leben, damit sie dich preisen kann. /
Deine Entscheidungen mögen mir helfen.
Ich bin verirrt wie ein verlorenes Schaf. /
Suche deinen Knecht! /
Denn deine Gebote habe ich nicht vergessen.  


Neutestamentliche Lesung:

1. Petrusbrief 2,21.24-25

Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen.

Ruf vor dem Evangelium

Johannes 10,11.27

Ich bin der gute Hirt. Ich gebe mein Leben hin für meine Schafe. Ich kenne sie und sie folgen mir.

Evangelium

Johannes 10, 11-14.27-28

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.
Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.


Lied: Jesus Christus, guter Hirte

Jesus Christus, guter Hirte,
Hoherpriester, Osterlamm …

Gotteslob Nr. 366, Strophen 1-3.
T: Adelgart Gartenmeier 1997.

Geistlicher Text:

Die heilige Katharina von Siena (*25.März 1347, † 29. April 1380), wählt, gegen die berechtigten Hoffnungen der Eltern auf eine gute Partie ihrer hübschen Tochter, ein Leben in Ehelosigkeit. Die von Jugend an von den Dominikanern faszinierte Katharina wird eine sogenannte Mantellata, ein modern anmutender  Weg der  Nachfolge Christi  im Dritten Orden des Dominikus, ohne Gelübde und Klausur.

Nach drei Jahren völliger Zurückgezogenheit und intensivem Gebet erhält sie von Gott den Auftrag, sich aktiv in der Gesellschaft zu engagieren. Sie tut dies durch caritative Tätigkeit, stiftet Frieden zwischen verfeindeten Adelsfamilien und beginnt ihren berühmten Briefwechsel mit den Mächtigen der Zeit in Kirche und Staat. Freimütig kritisiert die Tochter eines Wollfärbers hohe Beamte und Herzöge ebenso wie Bischöfe und Päpste.  Selbstbewusst fordert sie, mit einem für sie typischen „io voglio“, kirchenpolitische Entscheidungen, die sie allein um des Seelenheiles und der Heiligkeit der Kirche willen für absolut notwendig hält.

An Papst Gregor XI schreibt sie:
„Mein Verlangen ist, Sie als guten Hirten zu sehen, zumal ich erwäge, mein lieber guter Vater, dass der Wolf ihre Schafe raubt und sich keiner findet, der ihnen hilft. Daher nehme ich zu Ihnen, unserm Vater und Hirten, meine Zuflucht und bitte Sie im Namen Christi, des Gekreuzigten: Lernen Sie von ihm, der sich mit solcher Liebesglut in den schmachvollen Tod am heiligsten Kreuz dahingab, um das verirrte Schaf, das Menschengeschlecht, den Händen der bösen Mächte zu entreißen. Denn aufgrund seines Aufruhrs gegen Gott übten solche Mächte Herrschaft über den Menschen aus.
Da kommt nun die unendliche Güte Gottes, sie sieht das Übel, die Verdammnis und den Ruin des verlorenen kleinen Schafes, sie sieht aber auch, dass sie es mit Zorn und Gewalt nicht befreien kann.“

Fast zärtlich beschreibt Katharina nun, wie Gott sich um den Menschen bemüht:
„Vielmehr findet Gott eine wunderbare Art und Weise, die sanfteste und liebevollste, die es gibt. Denn er sieht, dass das Menschenherz sich durch nichts anderes mehr gewinnen lässt als durch Liebe. Denn der Mensch ist ganz aus Liebe geworden. Das dürfte auch der Grund sein, warum er so gern liebt.  ….
Und weil Gott nun sieht, dass der Mensch so sehr zur Liebe neigt, wirft er sozusagen die Angel seiner Liebe nach uns aus, da er uns das Wort seines eingeborenen Sohnes schenkt und unsere Menschheit annimmt, und unsere Menschheit annimmt, um den großen Frieden zu schaffen.“
Und sie macht deutlich, was der Hirt für seine Herde bewirkte: „Mit deiner Liebe hast du das kleine Schaf wieder gefunden, mit deinem Tod hast du ihm das Leben wiedergegeben und es in den Schafstall zurückgebracht, das heißt ihm die Gnade, die es verloren hat, wiedergeschenkt.“

Zitate aus: Gisbert Greshake und Josef Weismayer (Hg.), Quellen geistlichen Lebens. Das Mittelalter, Ostfildern 2008, S. 240f.
Vgl. auch: Manfred Baumotte (Hrsg.), Katharina von Siena. Ich will mich einmischen in die Welt. Engagierte Briefe des Glaubens, Düsseldorf 1997

 

 

Zusammenstellung:
Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum
Dieser Gottesdienst:  4 Res B in Patmos
„4 Res B“ in Leseordnung Patmos. Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große  Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.


Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

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