Das Leben feiern – Jesus, der Weinstock

„Wir bleiben in Kontakt“ sagen wir, wenn wir einem anderen zusichern, dass wir eine Beziehung aufrecht erhalten wollen. Die Verbindung mit Jesus Christus geht über ein „Kontakt-halten“ hinaus. Es ist eine Beziehung die uns zutiefst prägen, die unser Innerstes berühren will. In dieser Wort-Gottes-Feier geht es um die Aufforderung Jesu an uns, eine enge Beziehung zu ihm zu pflegen. Dann kann auch unser Leben blühen und Frucht bringen.


 

Jesus, der wahre Weinstock

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Jesus der Weinstock

Hinterglas-Ikone aus Rumänien,
Siebenbürgen, Mitte 19. Jahrhundert

 

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Alttestamentliche Lesung:

Jesaja 27, 2-6

An jenem Tag gibt es einen prächtigen Weinberg.
Besingt ihn in einem Lied!
Ich, der Herr, bin sein Wächter,
immer wieder bewässere ich ihn.
Damit niemand ihm schadet,
bewache ich ihn bei Tag und bei Nacht.
Ich habe jetzt keinen Zorn mehr.
Fände ich Dornen und Disteln darin,
ich würde sie alle bekämpfen,
ich würde sie alle zusammen verbrennen,
es sei denn, man sucht bei mir Schutz
und schließt mit mir Frieden, ja Frieden mit mir.
In künftigen Tagen schlägt Jakob wieder Wurzel,
Israel blüht und gedeiht
und der Erdkreis füllt sich mit Früchten.

Kehrvers:
Sorge für deinen Weinstock, dass er Frucht bringt. (Ps 80,15)

Psalm 80,8-11.15-16

Gott der Heerscharen, richte uns wieder auf!
Lass dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.
Du hobst in Ägypten einen Weinstock aus,
du hast Völker vertrieben, ihn aber eingepflanzt.
Du schufst ihm weiten Raum;
er hat Wurzeln geschlagen
und das ganze Land erfüllt.
Sein Schatten bedeckte die Berge,
seine Zweige die Zedern Gottes.
Gott der Heerscharen, wende dich uns wieder zu!
Blick vom Himmel herab, und sieh auf uns!
Sorge für diesen Weinstock
und für den Garten, den deine Rechte gepflanzt hat.  


Neutestamentliche Lesung:

Galaterbrief 5,13.19-24

Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht.
Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.

Ruf vor dem Evangelium

Johannes 15,5

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, bringt reiche Frucht. (Johannes 15,5)

Evangelium

Johannes 15, 1-17

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet. Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!


Lied: Der Geist bringt gute Früchte

1.Der Geist bringt gute Früchte.
Sie wachsen, wo er weht.
Die Freude wächst, der Friede
und Liebe, die versteht,
Geduld, sich zu ertragen,
Güte, die freundlich lacht –
und Glaube, viel zu fragen,
wo niemand sonst mehr fragt.

2.Glaube, um viel zu geben,
wo jeder sonst nur nimmt:
Staunen lehrt freier leben,
gleich, ob die Rechnung stimmt.
Denn alles Atemholen
und jedes Stückchen Zeit
kommt her aus Gottes Langmut
und ist Barmherzigkeit.

3.Und wer sich selbst nicht preisgibt,
kämpft bis zum letzten Stein,
das Ich nicht an das Kreuz gibt,
mag noch so tapfer sein –
es geht ihm doch verloren
das Leben, das er sucht.
Er ist umsonst geboren
und endet ohne Frucht.

4.Doch wer sich durch den Himmel
Aus seinem Traum lässt ziehn,
erblickt den Baum des Lebens –
messianisch groß und grün!
Und lässt er sich einpropfen
dem Stamm als neues Reis,
dann reift im Wind des Sommers
mehr Frucht ihm, als er weiß.

M: Willem Vogel, nach Willem Barnard, Originaltext und Melodie:Interkerkelijke Stichting voor het Kerklied, Leidschendam.
Aus: Jürgen Henkys, Stimme, die Stein zerbricht. Geistliche Lieder aus benachbarten Sprachen ausgew. und übertr. von Jügen Henkys, München 2003.

 

Geistlicher Text:Johannes Chrysostomus

Wir sollen uns aufmachen und Frucht bringen, lautet der Auftrag Jesu im Evangelium. Was das heißt, erklärt uns der aus Antiochia stammende Patriarch von Konstantinopel Johannes Chrysostomus (+334/354, †407), dessen Predigten ihm den Beinamen „Goldmund“ ( ὁ Χρυσόστομος), eintragen. Als er jedoch in seinem Einsatz für die Armen und Kranken auch die im Luxus lebende Oberschicht kritisiert, verliert er nicht nur deren Wohlwollen, sondern auch sein Amt.
Warum die Verbindung zu Jesus Christus für unser Leben so wesentlich ist, erklärt er uns sehr anschaulich: Uns wurde Jesus Christus verkündet, das ist das Fundament unseres Glaubens. „Auf diesem Fundamente nun laßt uns fortbauen, an diesem uns festhalten, wie der Rebzweig am Weinstocke; Nichts soll uns von Christo trennen; denn sobald etwas Trennendes dazwischen kommt, sind wir bald verloren. Der Rebzweig saugt die Nahrung dadurch ein, daß er am Weinstocke haftet, und das Gebäude steht fest durch die Verbindung mit dem Fundamente; ohne dieses stürzt es zusammen, weil es keine Stütze mehr hat. Laßt uns also nicht nur Christo anhangen, sondern die innigste Vereinigung mit ihm anstreben.“
Den Weg zu dieser engen Verbindung sieht Chrysostomus nun nicht etwa in mystischen Erfahrungen, sondern sie entsteht durch unser Tun und Handeln: „Wer meine Gebote hält, der bleibt in mir“.
Wie eng diese Verbindung und wie fragil zugleich sie ist, zeigt er mit sprechenden Bildern: „Gib einmal Acht: Er ist das Haupt, wir aber sind der Leib; kann es aber zwischen dem Haupte und dem Körper einen leeren Raum geben? Er ist das Fundament, wir sind das Gebäude; er ist der Weinstock, wir sind die Rebzweige; er ist der Bräutigam, wir sind die Braut; er ist der Hirt, wir sind die Schafe; er ist der Weg, wir sind die Wanderer; wir sind der Tempel, und er ist es, der darin wohnt“. All diese Bilder, so fährt Chrysostomus fort, weisen auf die Einheit hin, die „auch nicht die mindeste Trennung“ duldet, „denn wer sich auch nur ein wenig trennt, der wird sich selbst wenn er vorwärts schreitet, bald sehr weit entfernen.“
Und der große Prediger warnt: „Wird … der Rebzweig, nur ein wenig vom Stocke getrennt, bringt [er]keine Frucht mehr. Also ist dieses Wenige nicht wenig, sondern es ist daran fast Alles gelegen. Haben wir uns also eines geringen Fehlers, einer kleinen Nachlässigkeit schuldig gemacht, so wollen wir das nicht als eine Geringfügigkeit übersehen; denn schnell wird das Unbeachtete groß. … Das wollen wir also bedenken und die kleinen Fehler nie gering achten, damit wir nicht in große verfallen.“
Doch Chrysostomus ermahnt nicht nur, sondern vor allem ermutigt er: „Sollten wir sie aber vernachlässigt haben und in den Abgrund der Übel gerathen sein, so wollen wir doch den Muth nicht verlieren, damit wir nicht in Betäubung versinken… Denjenigen also, die so gesunken sind, wollen wir Stricke zuwerfen und sie herausziehen; allein nicht bloß Andere bedürfen derselben, sondern auch wir.“
Gott will von uns nichts anderes, als dass wir uns ihm wieder zuwenden: „ Wir wollen daher nicht muthlos werden; denn fallen ist nicht so schlimm, als nach dem Falle liegen bleiben; verwundet sein ist nicht so arg, als nach der Verwundung kein Heilmittel annehmen wollen. „Wer darf sich wohl rühmen, daß er ein reines Herz habe? Oder wer darf sagen, daß er frei von Sünde sei? Das sage ich nicht, daß ihr lässiger werden sollt, sondern um euch vor der Verzweiflung zu bewahren.“

 

Johannes Chrysostomus, 8. Homilie über den 1. Korintherbrief, IV
Bibliothek der Kirchenväter, 1 Serie, Band 72, Kempten 1881.
Die ganze Predigt findet man unter http://www.unifr.ch/bkv/kapitel4514-3.htm

 

 

Zusammenstellung:
Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum
Dieser Gottesdienst:  5 Res B in Patmos
„5 Res B“ in  Patmos. Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große  Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.


Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

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