Date:20. Nov 2005

Das Gehirn hat Antennen für die Transzendenz

Zeichen der Zeit

menschliches Gehirn

 

Die sogenannte Neurotheologie befasst sich mit der Frage, inwieweit man über neue bildgebende Verfahren der Hirnforschung auch religiöse Aktivitäten messen und was man daraus schlussfolgern kann. In den deutschsprachigen Medien wird recht einseitig allein die religionskritische Seite dieser Forschung dargestellt, wonach die „religiösen“ Hirnregungen oft mit krankheitsbedingten Hirnmustern verglichen werden. So sieht man zum Beispiel in gewissen ekstatischen Erlebnissen nichts anderes als epileptische Anfälle.

Der evangelische Moraltheologe Ulrich Eibach bedauert, dass dadurch oft der Eindruck erweckt wird, als ob die amerikanischen Hirnforscher religiöses Erleben auf Prozesse im Gehirn reduzieren wollten. Das aber sei das Gegenteil dessen, was viele Autoren beabsichtigen, schreibt Eibach in der Zeitschrift „Renovatio“:
„Sie vertreten nämlich zentral die These: Wenn sich im Gehirn Strukturen aufzeigen lassen, in denen sich religiöse Erlebnisse physiologisch widerspiegeln, dann ist es wahrscheinlich, dass das Gehirn offen ist, gleichsam ein ‚Empfänger’ für ‚religiös-transzendente Wirklichkeit’, die es außerhalb des Gehirns wahrscheinlich auch geben muss, denn sonst hätte sich diese Offenheit des Gehirns für sie in der Evolution nicht entwickelt. Das Gehirn habe gleichsam Antennen für diese Wirklichkeit.“

Philosophen wie der in Harvard lehrende Nelson Goodman (1906-1998) oder Hilary Putnam gehen, so Eibach, davon aus „dass es eine seinsmäßig eigenständige geistige Wirklichkeit gibt, bestreiten aber nicht, dass der ‚Geist’ aufgrund von Wahrnehmungsprozessen des Gehirns entsteht und nicht ohne das Gehirn sein kann.“ Dennoch sei der Geist nicht mit der Hirnfunktion identisch. „Das Gehirn muss den Geist hervorbringen, um aus den Wahrnehmungen ein ‚Selbst’’(Ich) aufzubauen und geistiges Sein und mit ihm religiös transzendente Wirklichkeiten wahrnehmen zu können.“

 
gefunden in: Christ in der Gegenwart 44/05 Seite 362

 

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