Date:27. Apr 2016

Gottesdienst: Christi Himmelfahrt

Himmelfahrt Christi ist ein Ereignis, das der Verborgenheit Gottes angehört, das die Erhöhung Jesu in die Herrlichkeit des Vaters aussagt. Zugleich bedeutet Christi Himmelfahrt einen Auftrag an die Apostel. Zwischen Auferstehung und Wiederkunft Jesu sind Christen berufen, diesen Auftrag zu erfüllen.


 

 Christi Himmelfahrt

>> Bild Himmelfahrt Christi

Himmelfahrt Christi

Rabula Codex,  Entstanden: 586
Biblioteca Laurenziana, Florenz
Pergament, 34 X 27 cm,  Folio 13verso


Alttestamentliche Lesung:

Exodus 24,12.15-18; 31,18

Der Herr sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg und bleib hier! Ich will dir die Steintafeln übergeben, die Weisung und die Gebote, die ich aufgeschrieben habe. Du sollst das Volk darin unterweisen.
Da erhob sich Mose mit seinem Diener Josua und stieg den Gottesberg hinauf.
Zu den Ältesten sagte er: Bleibt hier, bis wir zu euch zurückkehren; Aaron und Hur sind ja bei euch. Wer ein Anliegen hat, wende sich an sie.
Dann stieg Mose auf den Berg und die Wolke bedeckte den Berg. Die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf den Sinai herab und die Wolke bedeckte den Berg sechs Tage lang. Am siebten Tag rief der Herr mitten aus der Wolke Mose herbei. Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn auf dem Gipfel des Berges zeigte sich vor den Augen der Israeliten wie verzehrendes Feuer.
Mose ging mitten in die Wolke hinein und stieg auf den Berg hinauf. Vierzig Tage und vierzig Nächte blieb Mose auf dem Berg.
Nachdem der Herr zu Mose auf dem Berg Sinai alles gesagt hatte, übergab er ihm die beiden Tafeln der Bundesurkunde, steinerne Tafeln, auf die der Finger Gottes geschrieben hatte.

Kehrvers:

Der Sonne gleich läuft deine Weisung ihre Bahn bis zu den Enden der Erde. (Psalm 19,5.6.8)

Psalm 19,2-7

Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes,
vom Werk seiner Hände kündet das Firmament.
Ein Tag sagt es dem andern,
eine Nacht tut es der andern kund,
ohne Worte und ohne Reden,
unhörbar bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.
Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.
Am einen Ende des Himmels geht sie auf
und läuft bis ans andere Ende;
nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.
Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Bräutigam;
sie frohlockt wie ein Held
und läuft ihre Bahn.
Am einen Ende des Himmels geht sie auf
und läuft bis ans andere Ende;
nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.


Neutestamentliche Lesung:

Apostelgeschichte 1,3-11

Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

 

Ruf vor dem Evangelium

Mt 28,20

Geht zu den Völkern und lehret sie! Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt.

Evangelium

Lukas 24,44-52

Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.


Lied: Gen Himmel aufgefahren ist

1. Gen Himmel aufgefahren ist, Halleluja,
der Ehren König Jesus Christ. Halleluja.

2. Er sitzt zu Gottes rechter Hand, Halleluja,
herrscht über Himmel und alle Land, Halleluja.

3. Nun ist erfüllt, was gschrieben ist, Halleluja,
in Psalmen von dem Herren Christ. Halleluja.

4. Drum jauchzen wir mit großem Schalln, Halleluja,
dem Herren Christ zum Wohlgefalln. Halleluja.

5. Der heiligen Dreieinigkeit, Halleluja,
sei Lob und Preis in Ewigkeit. Halleluja.

T: nach „Caelos ascendit hodie“, 15. Jh, bei Bartholomäus Gesius 1601,
M: Melchior Franck 1627.

 

Geistlicher Text: Jean-Marie Kardinal Lustiger

In einer seiner Predigten greift Kardinal Lustiger (1926-2007) die Frage der Apostel aus Apostelgeschichte 1,6 auf: „Die Apostel möchten wissen, ob der Augenblick gekommen ist, da Gott seine Verheißung erfüllt. >Ist es jetzt ?< Und diese besteht nicht in einer historisch beschränkten Verwirklichung eines politischen Sonderstaates, sondern in einem der ganzen Erde gewährten Heil.“ Die Erklärung von Jean-Marie Lustiger, dessen Eltern von den Nationalsozialisten vertrieben, dessen Mutter in Auschwitz umgebracht wurde, hat hier sicher ein besonderes Gewicht: „Das Reich Gottes, in Israel aufgerichtet, besagt im Verständnis der Apostel die Heraufkunft der Endzeit, da alle Heidenvölker Gott auf dem Zion erkennen und nach der Gerechtigkeit leben, Liebe und Freude Gottes wie ein Strom dem Tempel entquellen, das Böse und die Not behoben werden, die Wahrheit sich kundtut, das Verzeihen ergeht, der Tod besiegt und jede Träne abgewischt wird, da alle von Gott Entfernten und weithin Vertreuten sich sammeln und sogar das Unwiederbringliche sich verwirklicht: die Toten auferstehen, das Ruinenfeld, der Friedhof, der unsere Erde ist, zu einer Stätte des Lebens wird, dass sogar die Verstorbenen im Leben, ja in unserem Leben erscheinen.“
Die Frage der Apostel „stößt zum Herzen des Glaubens vor“, doch Jesus „schickt ihre Frage ins Geheimnis zurück“.
Er schiebt ihre Frage nicht beiseite, sondern wirft sie nach vorn, „tiefer hinein in den Glabuen, sagt er ihnen weit Größeres: >Ihr werdet eine Macht, eine Macht von oben erhalten< (vgl. Lk 24,49). Diese Macht ist Gottes Geist.“
Und der Erzbischof von Paris scheint von sich selbst, scheint von uns heute zu sprechen, wenn er erklärt: „Nach der Hoffnung des Glaubens, der reinen Sehnsucht des Glaubens hätten wir gewünscht, dass durch den gesendeten Sohn das Ende der Zeiten heraufkommen; nun erhalten wir durch den gesendeten Sohn unsere Berufung: dem Sohn ähnlich zu werden, an seiner Lebensform teilzunehmen, damit das Ende der Zeiten heraufkomme.“
Vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte lesen sich seine Worte als Botschaft der Versöhnung: „Wir wollten, dass die Sünde vergeben werde, und nun sind wir beauftragt, die Vergebung zu empfangen und sie im Namen Christi anderen zu spenden. Wir wollten, dass die Menschen sich als Brüder zusammenfinden, wir wussten nicht wie; aber zu Brüdern Christi und Kindern Gottes geworden, sind wir durch die Macht des Heiligen Geistes beauftragt, allem, auch dem Feind, vor allem ihm zu verkünden, dass er ein Bruder ist und unser Bruder wird, weil er ein Gotteskind ist. Deshalb besteht die Gabe der Verheißung im Geist selbst, der aus Gott ist und auf Jesus ruht und uns zu Brüdern Christi macht. Darin besteht Jesu Antwort.“

Zitate aus: Jean-Marie Lustiger, Habt Vertrauen. Impulse zur Nachfolge, Freiburg 1983.
Literaturempfehlung: Gerhard Lohfink, Die Himmelfahrt Jesu – Erfindung oder Erfahrung?, Stuttgart 1972.

Zusammenstellung:
Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum
Dieser Gottesdienst:  Asc [C] in Patmos.
Vgl. dazu ausführlich:Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“.
Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie – Spiritualität,
Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015

 

Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen