Date:15. Apr 2015

Bleibe bei uns

Nicht nur Kinder bitten manchmal inständig, dass der, den sie lieb haben und der sie tröstet, doch bitte bei ihnen bleiben möge. Auch die Jünger auf dem Weg nach Emmaus bitten Jesus, doch bei ihnen zu bleiben. Und der äthiopische Finanzminister lädt Philippus ein, ihn unterwegs im Glauben zu unterweisen.
In dieser Wort-Gottes-Feier wird deutlich, dass Gott sich von uns einladen lässt: Bleib bei uns. Diese Bitte findet Gehör:  Gott geht mit uns. Und hält mit uns Mahl.


für 3. Sonntag der Osterzeit

„Bleibe bei uns“

 

 

 

 

 

 

Bild:
Alfred Hrdlicka,
Tafeln Emmaus – Abendmahl – Ostern
Aus dem Plötzenseer Totentanz, 1972 Berlin,
Evangelische Gedenkkirche Plötzensee, Charlottenburg-Nord

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Alttestamentliche Lesung:

Jeremia 14,8-9

Du, Israels Hoffnung,
sein Retter zur Zeit der Not,
warum bist du wie ein Fremder im Land
und wie ein Wanderer, der nur über Nacht einkehrt?
Warum bist du wie ein ratloser Mann,
wie ein Krieger, der nicht zu siegen vermag?
Du bist doch in unsrer Mitte, Herr,
und dein Name ist über uns ausgerufen.
Verlass uns nicht!

Kehrvers:
Nichts kann mir fehlen, denn du bleibst bei mir. (Ps 23,1.4)

Psalm 23
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl,
du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang


Neutestamentliche Lesung:

Apostelgeschichte 8, 27-32.35-36.38-39

Und er brach auf. Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
Und der Geist sagte zu Philippus:
Geh und folge diesem Wagen.
Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen.
Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest?
Jener antwortete:
Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?
Und er bat den Philippus,
einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.
Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete:
Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt;
und wie ein Lamm, das verstummt,
wenn man es schert,
so tat er seinen Mund nicht auf.
Da begann Philippus zu reden und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.
Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser.
Was steht meiner Taufe noch im Weg?
Er ließ den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entführte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr und er zog voll Freude weiter.

Ruf vor dem Evangelium

Lukas 24,29

Bleibe bei uns.

Evangelium

Lukas 24,13-16.28-32

Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten.
So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?


Lied:
Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit

(1) Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit!
Schon sinkt die Welt in Nacht und Dunkelheit.
Geh nicht vorüber, kehre bei uns ein.
Sei unser Gast und teile Brot und Wein.

Gotteslob Nr. 325, Strophe 1; Text: Peter Gerloff

Geistlicher Text:
Gott in unser Leben einladen.

Papst Gregor der Große († 12. März 604), der für sich selbst  den Titel „Diener der Diener Gottes“ bevorzugte, war als faszinierender Prediger bekannt. In einer seiner Predigten spricht er über die Jünger auf dem Weg nach Emmaus:
„Sie konnten nicht fern von der Liebe sein, da ja die ewige Wahrheit mit ihnen des Weges ging… Sie luden ihn als Pilger zu sich in die Herberge ein. Sie bereiteten ihm den Tisch, bedienten ihn mit Speise und Trank. Und Gott, den sie bei der Auslegung der Heiligen Schrift nicht hatten erkennen können, gab sich ihnen bei der Brechung des Brotes zu erkennen.“

Und  Gregor macht darauf aufmerksam, dass Gott sich zu erkennen gibt, wenn wir ihn in unser Leben einladen:
„Während sie also die Gebote Gottes vernahmen, wurden sie nicht erleuchtet. Aber als sie sich anschickten, sie zu erfüllen, da ward ihnen das Licht zuteil. So steht ja auch geschrieben: >Nicht die Hörer des Gesetzes sind vor Gott gerecht, sondern die, welche es vollbringen, werden gerechtfertigt werden< (Röm 2,13). Wer also das Gehörte verstehen will, der eile, das ins Werk zu setzen, was er bereits versteht. Denn siehe, auch der Herr ward nicht erkannt, als er sprach, aber er gab sich zu erkennen, als er zu Tisch geladen wurde.“

Aber so wie Philippus vom Geist des Herrn „entführt“ wird, nachdem  sein äthiopischer Gesprächspartner von ihm die Taufe erbat, so sehen auch die Emmaus-Jünger den Herrn nicht mehr, nachdem sie ihn am Brotbrechen erkannten. Gott offenbart sich und entzieht sich wieder.

Gregor der Große, Homil. in Evangelia II, 23, 1f (PL 76, 1182 f.), zitiert nach Heinrich Bacht (Hrsg.), Die Tage des Herrn. II. Teil: Frühling, Freiburg 1960, S. 174.

 

Zusammenstellung:
Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum
Dieser Gottesdienst:  3 Res A in Patmos
„3 Res A“ in Leseordnung Patmos. Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große  Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur – Liturgie – Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.


Liste der Wort-Gottes-Feiern „Patmos“

Informationen zur Gottesdienst-Reihe „Patmos“

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