Bilder unserer Religion

Zeichen der Zeit

Kreis

Vor nicht langer Zeit konnte ich einen dreitätigen Kurzurlaub mit einer auch christlich engagierten Gruppe machen. In einem sehr intensiven Programm besuchten wir Burgen, Ruinen, Kirchen, Klöster. Guter Kunst sind wir begegnet und wir haben uns in die Bilder immer auch wieder vertieft. Im Rückblick fiel mir plötzlich auf, dass es ein Eintauchen in eine Welt der Vergangenheit war.

Wir begegneten den Stilen der vergangenen Jahrhunderten: Barock, Romanik, Gotik. Und immer wieder dem Kreuz. In sehr ausdrucksstarken, oft auch ästhetisch schönen und künstlerisch wertvollen Darstellungen. Und da die Frage: Warum gibt es eigentlich keine Bilder des Jesus von Nazareth, die ihn in biblischen Szenen wie der Begegnung mit Kindern, Heilungen, Begegnungen mit Menschen darstellen? Oder Bilder von Jesus als dem, der lebt, auferstanden ist, mit uns geht, da ist? Auch in uns ist.

Auch im Blick, so dachte ich dann weiter, auf sonstige Räume muss ich sagen: Es gibt kaum Jesus-Bilder. Wenn es ein religiöses Symbol irgendwo gibt, dann ist es immer das Kreuz? In Schulen, Gerichtssälen… Vermittelt dieses Zeichen nicht zu sehr: Gott ist tot? Es lädt dann doch nicht unmittelbar zur Begegnung ein.

Schon viel besser ist die Situation der Marienbilder. Überall sind sie. Und ich fragte mich: Was wäre unsere westliche Kultur ohne die Präsenz dieser Bilder? Bilder der Frau, der irdischen wie der Frau im ewigen Leben. Und dann häufig, sehr häufig findet man dort auch Zeichen der Verehrung. Überall brennen Lichtchen. Und man sieht dort noch am ehesten Menschen, die beten.

Dann ist die Mariengestalt auch eine wichtige Brücke zu anderen Religionen mit ihrer weiblich geprägten religiösen Bilderwelt.

Dann der Heilige Geist als Taube dargestellt. Da kann man gleich gar nicht mehr auf einen religiösen Gedanken kommen oder gar beten. Sicher ein biblisches Symbol. Aber stellt die Taube tatsächlich das dar, was der Heilige Geist biblisch gesehen ist und was er gerade für heutige spirituell sensibilisierte Menschen vielfach ist? Eine göttliche Kraft, eine Atmosphäre, eine Personifizierung der  Liebe… Vielleicht braucht es abstrakte Symbole, um diese Realität zu bezeichnen. …. Auf alle Fälle ist es  interessant, da auf die Suche zu gehen und zur Suche zu ermutigen. Das will ich auch mit diesem Beitrag tun.

Schließlich hat uns der Gang durch manche von Fachwerkhäusern geprägten Innenstädte auch im „säkularen“ Bereich in die Vergangenheit versetzt.

Da, also meine Frage: Wie heutig sind wir Christen? Wie müsste die religiöse Bilderwelt aussehen, dass es stimmt. Der Glaube kommt ja nicht nur (kognitiv) vom Hören, sondern auch (affektiv-ganzheitlich) vom Sehen.

Ökumenisch gesehen, könnte uns da die Bilderwelt der griechisch-orthodoxen Kirche manches schenken.

Doch gibt es in unserer sehr theologisch-kognitiv geprägten kirchlichen Kultur da einfach auch eine zu große Berührungsscheu mit dem allzu Sinnenhaften der Bilder. Und wir brauchen uns nicht zu wundern, dass Religion nicht einfach zu unserem Leben gehört, das sich ja im Sinnenhaften abspielt.

Herbert King

 

 

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