Date:28. Jan 2009

Begegnung der Generationen

Zeichen der Zeit

Begegnung der Generationen

 

(zu Lk 2,22-40)

In den alten Schriften, zumal in den alten, heiligen Schriften verbirgt sich oft so manch Verborgenes, das auf ein waches Auge, ein offenes Herz wartet, um entdeckt zu werden.

Beinahe wollte ich diesen Evangelienabschnitt von der Darstellung des Herrn als längst bekannt abtun, als mir auffiel, welch ungewöhnliche, bemerkenswerte Dinge sich dort im Tempel von Jerusalem damals abgespielt haben. Versetzen wir uns in die Szene. Man wäre geneigt von einer echten Zufallsbegegnung zu sprechen, denn die junge Familie, bestehend aus Josef, Maria und Jesus, war keineswegs mit Simeon und Hanna „verabredet“, in dem Sinne, dass an diesem speziellen Ort und zu diesem speziellen Zeitpunkt ein Treffen geplant war, um dem jüdischen Gesetz genüge zu tun und dieser Handlung der Darstellung des Neugeborenen eine offizielle und private Note zu geben. Vom Geist ist die Rede, dem Heiligen Geist, der diese Begegnung arrangiert. Eine Begegnung der Generationen.

Eine Begegnung zwischen Menschen des alten und des neuen Bundes. Und wie so oft bei solchen Grenzerlebnissen, gilt es auf die Kleinigkeiten zu achten, die kleinen Zeichen, die Großes sagen wollen.

Der Protagonist der Szene ist Simeon, der Betagte, der Gerechte, der Fromme, der Wartende, der Israelit, der Geisterfüllte, der Seher, der Prophet. Im Kind, in diesem Kind Jesus, erkennt er die erfassbare Rettung seines Volkes, erkennt er seine persönliche Zukunft. Spüren wir dieser Freude, diesem Staunen nach, das den alten Mann zu einem Hymnus befähigt, der bis zum heutigen Tag den Höhepunkt des Nachtgebets der Kirche darstellt. „Meine Augen haben das Heil gesehen“, heißt es darin. Und Simeon wiegt das Kind auf seinen Armen.

Jesus so nah bei sich, so in Jesu Licht getaucht, segnet Simeon die Eltern, eine Geste, die mich in diesem Jahr überraschte. Diejenigen, um deren Segen wir bitten, für uns selbst und all unsere Lieben, sie wehren diesen Segen nicht ab, sie lassen diesen besonderen Zuspruch zu, schweigend und staunend. Da segnet das gelebte Leben das ungelebte, da segnet die Weisheit das Ungewisse, die Gelassenheit die Unruhe, die Todesahnung die Lebendigkeit. Und in solch einem Segen liegen die Möglichkeiten der Prophezeiung.

Ob wir selbst uns nicht nur in diese Situation hineinbegeben können, sondern sie auch für uns „verbuchen“ dürfen? Erinnern Sie sich an gelungene Begegnungen zwischen den Generationen, die voller Segen waren? Ein Aufeinander-Achten und Aufeinander-Hören und Aneinander-Freuen und Einander-Mitteilen, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne desinteressiertem Achselzucken?

Was einmal hieß „Alt und Jung nicht unter einem Dach“ wird heute konträr als neues Konzept des gemeinschaftlichen Lebens von 3 bis 4 Generationen angepriesen. Es geht hier wohl nicht so sehr um einen „starken Leistungs“-Vergleich als vielmehr um eine Einübung der Offenheit bei dieser Begegnung der Generationen, bei allen Beteiligten. Mögen uns dabei ein Prophet namens Simeon und eine Prophetin namens Hanna Vorbilder und Fürsprecher beim Kinde Jesu und seiner segnenden Familie sein.

Christa Müller-Hoberg

Link zum Foto: http://www.mehrgenerationenhaeuser.de

 

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