Datum:30. Sep 2009
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Zeitenstimme Papst Benedikt XVI.

Zeichen der Zeit

Hand

 
 

Im Zusammenhang mit dem Thema „Zeitenstimmen“ soll auf eine besonders hörbare und beachtete Stimme hingewiesen werden. Es ist Papst Benedikt XVI. Noch immer sind viele, viele Bücher von ihm erhältlich oder kommen neu heraus. Bücher, die er als Papst oder in seiner vorigen Zeit in hohen Leitungsämtern der Kirche oder als Professor geschrieben hat. Anders wieder als Johannes Paul II., und doch ebenso hörbar und beachtet, ist Benedikt zu einem wichtigen Deuter der Zeit geworden. Beiden Päpsten ging und geht es in stets neuen Zusammenhängen um die Aktualität des immer Gültigen in der christlichen Tradition. Dabei muss diese oft erst einmal noch gründlicher zur Kenntnis genommen werden. Und dann neu oder zum ersten Mal auf ihre Gegenwartsbedeutung befragt werden. Dabei zeigt es sich, dass da sehr, sehr vieles auch für heute drinsteckt, was viele beim Christentum gar nicht mehr vermuten und suchen, weswegen sie auf andere Heilslehren vielfach ausweichen oder ganz ohne Religion leben und denken. Besonders die drei Enzykliken des Papstes sind weithin beachtet und regelrecht gefeiert worden.

Sehr aufhorchen ließ gleich die erste: „Deus caritas est“. Sie stellt uns die Liebe als grundlegendstes Thema des Christentums vor Augen. Und als seinen eigentlichen Beitrag zum Denken und Tun der Menschen insgesamt. Besonders aufhorchen ließ damals das ganzheitliche Verständnis der Liebe, wo man dem Christentum, gerade an dieser Stelle vielfach nicht zu Unrecht vorwarf, vorwerfen musste, es spiritualisiere, verübernatürliche die Liebe allzusehr. Und kenne eigentlich nur die göttliche und nicht auch die menschliche Liebe, vor allem nicht die Selbstliebe; kenne nur die effektive und nicht auch die affektive Liebe und sei deshalb zu kalt.

Die zweite Enzyklika, „Spes salvi“ will in der Menschheit die Hoffnung neu wecken, eine Hoffnung, die mitten in den manchmal dunklen Wolken unserer menschlichen Grenzen und Aussischtslosigkeiten aufleuchtet, oft als direktes Geschenk der Gnade Gottes. Ebenso die Hoffnung, die über das diesseitige menschliche Leben hinaus und hinüberblickt auf ein ewiges Leben.

Schließlich die dritte Enzyklika, die umfangreichste: „Caritas in Veritate“. Die Überschrift und der Name der Enzyklika sagen es gleich: Es geht um die Schlüsselfrage des Verhältnisses von Liebe und Wahrheit. Nur in der Wahrheit werden wir frei sein, um die Liebe anzunehmen und ihr zu dienen. In der Nummer eins dieses seines Briefes kondensiert der Papst sein Anliegen in einer sehr schönen Formulierung: „Die Liebe in der Wahrheit wird zum Gesicht Christi; und in Christus wird sie zur Berufung für uns, unsere Mitmenschen in der Wahrheit seines Planes zu lieben“.

Liebe und Wahrheit gehören zusammen wie die beiden Seiten einer Münze.

„Ein Christentum der Liebe ohne Wahrheit kann leicht mit einem Vorrat an guten, für das gesellschaftliche Zusammenleben nützlichen, aber nebensächlichen Gefühlen verwechselt werden…Ohne die Wahrheit wird die Liebe in einen abgrenzten und privaten Bereich von Beziehungen verbannt“ (Nr. 4).

Für den Papst ist das Thema Liebe nicht einseitig ein privates und spirituelles Thema. Wie die Gerechtigkeit ist auch die Liebe ein soziologisch und gesellschaftlich relevantes Thema. Von diesem Ansatz aus versucht der Papst, alle gesellschaftliche Wirklichkeit und deren Gestaltung neu zu denken und dies nicht nur der Kirche, sondern der Menschheit insgesamt darzulegen. Auch auf die Gefahr hin, dass dieses Vorhaben belächelt wird, weil man gewohnt ist, es dort nicht zu suchen oder einzufordern bzw. man dort nur für das Ganze uneffektive Einzelaktionen mit dem Thema Liebe verbindet. Wir haben es mit einer echten Weiterentwicklung des sozialen Denkens der Kirche zu tun.

Gleichzeitig soll es Liebe in der Wahrheit sein. Und ebenso in der Gerechtigkeit. Mit „Wahrheit“ ist ein weiteres zentrales Stichwort des Denkens Ratzingers angesprochen. Er traut der Vernunft beachtlich viel zu, für manche zu viel. Immer wieder tritt er für sie ein. Der Glaube hat sie nicht zu fürchten. Sie ist vielmehr sein engster Verbündeter. Aber nicht nur Glaube und Vernunft gehören innerlich zusammen, auch Glaube und Liebe gehören zusammen. Ähnlich ist es bei der Hoffnung. Also die drei göttlichen Grund-Tugenden des Christentums Glaube, Hoffnung und Liebe in ihrer Beziehung zur Vernunft.

 

Herbert King

 

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