Datum:07. Nov 2012
Schlüsselwörter:, , , ,

Zeitenstimme „bewusstes Sterben“

Zeichen der Zeit

Baumstumpf - Foto: Herbert King

Foto: Herbert King

Viele, viele Menschen in unserem Land bereiten sich im Augenblick bewusst auf den Tod vor. Sie haben die Diagnose „unheilbarer Krebs“ erhalten. Das Datum ihres Todes können sie schon in ihren Terminkalender eintragen. Ich habe dies in den letzten acht Monaten hindurch an unserer Autorin Christa-Müller-Hoberg erlebt. Gestern wurde sie unter sehr großer Anteilnahme begraben. Warum reden wir da eigentlich (viel zu oft) davon, dass der Tod in unserer Kultur verdrängt wird? Warum fällt uns als kirchliche Menschen da oft zuerst und fast allein ein, dass es da die zu bekämpfende aktiven Sterbehilfe gibt?

Weiter: Eine besonders schnell wachsende Bewegung in unserem Land ist die Hospiz-Bewegung. Sie begleitet Menschen in ihrer letzten Lebensphase mit dem Ziel, einen möglichst gelungenen Abschluss ihres Lebens in dieser Zeitlichkeit sich zu erarbeiten und friedlich, ergeben, loslassen könnend zu sterben. So ungefähr klingt das nach Mutter Teresa auf westlich. „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Dieser viel zitierte Satz von Hölderlin fällt mir an dieser Stelle besonders häufig ein. Er steht ja überhaupt als eine Art Überschrift über meinen Bemühungen, Gott in der Zeit zu sehen und mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Weitere Zeitzeichen, die auf einen konstruktiven und bewussten Umgang mit dem Tod hinweisen sind: Das neue Heft von Der Spiegel. Wissen „Abschied nehmen. Vom Umgang mit dem Sterben.“ Dann die angekündigte ARD-Themenwoche ab 17. November im Fernsehen, Radio und Internet (www.themenwoche.ARD.de) mit der Überschrift: Sie werden sterben. Lasst uns darüber reden. Auch will ich auf die letztes Jahr stattgefundene Bundesgartenschau hinweisen. Ein besonders großes Areal war der Grab- und Grabsteingestaltung gewidmet. Und ich will einladen, einfach immer wieder einmal einen Friedhof zu besuchen und die Originalität der Grabsteine und der Inschriften auf sich wirken zu lassen. Ebenso bei Todesanzeigen (gerade auch in Zeitungen) darauf zu achten, was da gesagt wird und wie es gesagt wird. Dies auch als Hinweis auf die Methode der Zeitenbeobachtung ganz allgemein.

Die Frage bleibt: Wie sterbe ich? Die ars moriendi ist jedoch nicht erst ein Thema von heute. Heutig ist allerdings die größere Bewusstheit, die Unabhängigkeit von vorgegebenen Schemata und damit die individuellere und schöpferischere Gestaltung des Vorgangs. Von Verdrängen des Todes in unserer Kultur jedenfalls keine Spur.

Herbert King