Datum:16. Dez 2009
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Zeitenstimme „Advent in der Zeit“

Zeichen der Zeit

Rose

 

Wieder ist Advent. Alle Jahre wieder. Advent für mich, meine Familie. Advent auch in der Zeit. Ja, wir können die heutige Zeit als zutiefst adventlich auffassen. Vielleicht auch deshalb die große Kraft, die in der jährliche Feier des Advents steckt.

„Wir erwarten die Ankunft eines neuen Gottes“, hat Martin Heidegger in einem Interview mit dem „Spiegel“ kurz vor seinem Tod noch gesagt. Dieses sollte nach seinem Willen erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. Vielleicht hat er, der Atheist, der nie von seinen katholischen Wurzeln loskam, gespürt, dass er es nach seinem Tod ja wissen würde.

Dass wir die Ankunft eines neuen Gottes erleben, in unserer globalisierten Welt auch globalisierter Götter und Göttinnen, kann man an sehr, sehr vielen Stellen spüren und belegen, ja vielfach geradezu mit Händen greifen.

Dazu einige Zitate aus „Der Stern“ vom 26. 11. 2009. Sein Hauptartikel: „Selig ohne Gott. Die neue Sehnsucht nach Spiritualität und Wellness-Religionen… Interview mit Madonnas Kabbala-Lehrer.“

„Jahr für Jahr verlassen Hunderttausende Deutsche ihre Kirchen. Viele von ihnen suchen ihr Heil in exotischen Religionen oder alten Kulten. Magie, Mystik und Meditation liegen im Trend…
Auf ihrer Suche nach Sinn und Spiritualität wenden sich viele, die in der traditionellen Kirche nicht fündig werden, exotischen Glaubenslehren zu…Im Christentum, in dem die meisten von ihnen aufgewachsen sind, haben sie vermisst, was sie in Auroville gefunden haben: die Hinwendung zur Spiritualität in einer durchrationalisierten Welt.“

„Auch hierzulande ist die Suche nach mehr sinn – und gern auch nach mehr Sinnlichkeit im Glauben – längst zu einer Massenbewegung geworden.“

„Zugleich [mit der Säkularisierung] aber konstatieren Gesellschaftswissenschaftler in Deutschland eine „Entsäkularisierung“ und „Respiritualisierung“. Denn jeder dritte der gut 20 Millionen Konfessionslosen stuft sich als religiös ein, und fast jeder vierte der 60 Millionen erwachsenen Deutschen findet, man solle aus verschiedenen frommen Botschaften seinen eigenen Glauben zusammenstellen. ‚Wir erleben einen Übergang von der Religion zur Religiosität‘, sagt der Soziologe Ulrich Beck. So gibt es sie millionenfach, die Gottessucher, nur werden sie selten bei den etablierten Religionen fündig.“

„Viele haben vom Christentum Verletzungen davongetragen und suchen deshalb woanders… Sie suchen nicht Moral, sondern Gotteserfahrungen, Erfahrungen von Transzendenz, von Erleuchtung.“ So der Benediktiner Anselm Grün.

„Es würde genügen, wenn die etablierten Kirchen ein wenig mehr Platz für das Irrationale im Glauben einräumen würden, statt ewig ihren Glauben rationalisieren zu wollen.“

„Das Gefühl eingebettet zu sein in ein spirituelles Universum“ ging durch allzu viel (auf-)klärende Theologie und Ethik verloren. „Jetzt hat er Sehnsucht nach dem Mutterleib der Religionen.“

Und immer wieder die Aufforderung, das Religiöse in sich selbst zu finden: „Du musst nicht über Meere reisen, du musst nur deinem Gott bis zu dir selbst entgegengehen.“ (Bernhard von Clairvaux. Auch dieser wird in der Nummer des „Stern“ zitiert.)

Was sage ich denn, wenn ich „Gott“ sage? Versuchen wir einmal, ohne dieses Wort auszukommen. Es wirkt zu formelhaft, nicht erklärt, nicht erfahren. Wir können ja auch sagen: Ewiges Geheimnis, nicht erfassbarer Grund, das allem zugrunde Liegende…

Aufgabe für den Advent und für ein nächstes Gespräch mit jemandem, der am Suchen ist: Zwanzig Namen für Gott suchen und aufschreiben.

Herbert King
 

Literatur:
Herbert King: Anschluss finden an die religiösen Kräfte der Seele. Patris Verlag, Vallendar 1999.