Datum:23. Nov 2011
Schlüsselwörter:, , ,

Wir sind der Ton und du bist der Töpfer

Kunst und Kultur

Töpfer

Foto: Andreas Köckeritz -pixelio.de – Ausschnitt

„Wir sind der Ton und du bist der Töpfer, wir sind alle das Werk deiner Hände“

Jesaja 64,7

Arbeitet nicht Gott mit dem Menschen ähnlich wie die Töpferin, die eine Schale schafft? Hat nicht er Idee und Vorstellung von denen, die er formen will?

Aus ungeschlagenem, ungeknetetem Ton? Gereinigt, zentriert und aufgerichtet durch seine Absicht, gibt er dem Menschen Form, Leere und Mitte?
Ihn prüfend, läuternd und prägend in festigendem Feuer?

Wählt nicht in etwa so der Töpfergott auch die Tonart und bestimmt den Klang der Schale Mensch? – Macht am Ende gar noch Musik, wenn seine Hand am Tonen ist?
Das Wort vom göttlichen Töpfer sagt mir heute: Gott dreht keine krummen Dinger. Und erspart deswegen dem Menschen nicht seine Absicht, nicht die Umkehr, nicht seine Formkraft, nicht die Feuerprobe seiner Liebe.

Und doch: hält nicht Gott sich oft aufs Unergründlichste offen, was mit der Schale Mensch im Einzelnen werden soll?

Bleibt nicht oft Unbegreiflichkeit im Leben und Sterben der Menschen zurück, sieht man sich deren Schicksale, Zerbrechlichkeit und Scherben an?

Manch einer rechtet auch mit Gott: „Warum hast du mich so gemacht?“ (Röm 9,20)

Ist Advent im tieferen Sinn vielleicht das Abenteuer, sich auf „Hingabe an Gott“ einzulassen? Das Wagnis einzugehen, welches bedeutet, sich wie eine Schale für Gottes Absichten offen zu halten?

 

Die Dichterin Maria Menz bringt dieses Abenteuer in ihrem Gedicht „Die Schale“* so zum Ausdruck:

Was du an Großmut nicht erschwingst,
ist dir vielleicht an Leiden zugemessen,
sodass das dir gesetzte Maß sich füllt
und deines Himmels Traube schwillt.

Im Licht, das auf das Dämmer folgt,
nach deinem Schritt
aus dieses Lebens Grenzen
siehst du mit Dank,
wie göttlicher Bedacht
das Vollkomm‘ne für dich erbracht.

So diene, wie dir auferlegt,
getrost an deines dunklen Weges Länge.
Ein Band – ein Keil die vorgeseh‘ne Last?
Geheim, welch End‘ im End‘ du hast.

 

Armin Noppenberger

 

* zitiert aus:
Maria Menz, Gedichte. Gott, Schale, Schwelle;
Jan Thorbecke Verlag 1981, S. 288.

 

 

>> Kunst und Kultur zum Herunterladen