Datum:03. Apr 2015

Sehnsucht nach Gott

 In dieser Wort-Gottes-Feier geht es um die Sehnsucht nach Gott,
um den Weg durch unser ureigenes „Tränenlabyrinth“ hin zum lebendigen Gott,
zur Begegnung mit dem Auferstandenen.
Maria Magdalena ist diesen Weg gegangen.

 


Ostern

„Ich suche dich, den meine Seele liebt.“

 Jesus und Maria Magdalena.

Bild: Rembrandt Harmensz van Rijan, Christus und Maria Magdalena, 1651 Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig
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Alttestamentliche Lesung:

Hohelied 3,1-3

Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Mich fanden die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt?
Kehrvers: Im Morgengrauen suche ich  dich, den meine Seele liebt. Psalm 63, 2.7.9 Gott, du mein Gott, dich suche ich, / meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib / wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, / um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen. Denn deine Huld ist besser als das Leben; / darum preisen dich meine Lippen. Ich will dich rühmen mein Leben lang, / in deinem Namen die Hände erheben. Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, / mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen. Ich denke an dich auf nächtlichem Lager / und sinne über dich nach, wenn ich wache. Ja, du wurdest meine Hilfe; / jubeln kann ich im Schatten deiner Flügel. Meine Seele hängt an dir, / deine rechte Hand hält mich fest.

Neutestamentliche Lesung:

Kolosser 3,1-4

Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.

Ruf vor dem Evangelium

Johannes  16,22

Sucht, und ihr werdet mich finden, und euer Herz wird sich freuen.

Evangelium

Johannes 20,1-18

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Lied: Ich will dich lieben, meine Stärke

(Gotteslob Nr. 385, Strophe 4) Ich lief verirrt und war verblendet, ich suchte dich und fand dich nicht; ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht. Nun  aber ist’s durch dich geschehn, dass ich dich hab ersehn.

Geistlicher Text

„... Lassen sie uns mit dem Bild des Labyrinths vor Augen Maria in den Garten folgen! Was tut sie? Sie weint. Sie muss die gewundenen und verschlungenen Pfade ihrer Trauer und ihres Schmerzes durchwandern. Einen Menschen, der ihrem Leben Sinn gab, hat sie verloren. So heißt ihre Trauer. Sie muss zuerst die ganze Fläche des Gartens durchschreiten, bis sie zur Mitte, zur Sackgasse, zum Kern des Geschehens kommt. Dort begegnet sie zwei Boten. Sie fragen sie nach dem Grund ihres Weges durch das Labyrinth der Tränen: >Warum weinst du?< >Ich suche<, sagt sie, >Ich suche meinen Herrn<. Als sie das gesagt hat, wendet sie, die Suchende, sich um. Die Richtung ändert sich – Um-kehr sozusagen. Was sieht sie Neues? Sie sieht einen, den sie für den Gärtner hält. >Du kennst dich doch hier aus<, sagt sie, >Zeige mir, wo der ist, den ich suche.< >Maria<, wird sie angesprochen. Als Angerufene erkennt sie ihn: Er ist der Lehrer und Meister, der den Weg weist. Er ist der Gärtner des Tränenlabyrinth und der Mittelpunkt des Gartens. Bist du nun am Ziel deiner Suche Maria? >Halte mich nicht fest<, sagt er. >Du musst wieder loslassen. Du musst zurück durch das Gartenlabyrinth. Nicht in dieselbe Richtung wie vorher, nein, du hast dich umgedreht. Kehre zurück mit einer Botschaft, verlasse den Garten und geh zu den Menschen. Sag ihnen: Ich, der ich gestorben bin, bin der Gärtner des Tränenlabyrinths, und ich gehe zu dem lebendigmachenden Gott. Dort bin ich zu finden.< Und Maria – sie läuft die Wege zurück, diesmal den Blick in die andere Richtung, nach außen gewandt. Und sie trifft Menschen, die Jünger, die Gemeinde. >Ich habe gesehen<, sagt sie, >ich habe den Herrn gesehen.< Wo erleben wir heute den Auferstandenen? In einem Garten? Wo ist eine Pforte dorthin? Vielleicht mag sie dort liegen, wo wir den Mut haben, geschützt durch eine Abgrenzung in Einsamkeit, unseren Tränenwegen nachzugehen. Vielleicht mag sie dort liegen, wo wir das Durchhaltevermögen aufbringen, unserem Schmerz bis ins Zentrum zu folgen. Vielleicht mag sie dort liegen, wo wir uns nach dem Grund unserer Tränen fragen lassen und bereit sind, uns umzuwenden. Das Evangelium ermutigt uns, einen solchen Umweg nicht auszulassen. Gerufen und angesprochen haben wir eine neue Nachricht, eine frohe Botschaft: Ich habe den Herrn gesehen! Katrin Störk, Predigt zu Johannes 20, 1-18.  

Zusammenstellung: Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  1 Res D in Patmos „1 Res D“ in Leseordnung Patmos. Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große  Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur - Liturgie - Spiritualität, in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

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