Datum:19. Nov 2014
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Männer-Gewalt

Zeichen der Zeit

Gewalt - Foto: Website Osthessen News.de

Foto: Website Osthessen-News

Nach einem  Ehestreit verlässt der Ehemann das Haus und besorgt sich Sprengstoff, zu dem er als Sprengmeister Zugang hat. Er kommt am frühen Morgen zurück und sprengt sich In seinem Auto vor dem Haus der Familie in die Luft. Der Mann stirbt, es gibt weitere Verletzte, Häuser in der Nachbarschaft werden beschädigt. So geschehen am Sonntag im hessischen Homberg/Ohm. Immer wieder schrecken Nachrichten auf, dass Männer nach Ehe- und Familienkonflikten zu Gewalt greifen. Im extremsten Falle  töten sie sich selbst und reißen andere  mit in den Tod. Es sind grausame, sinnlose und auf den ersten Blick unbegreifliche Exzesse.

Die Männerforscher Lothar Böhnisch und Reinhard Winter haben auf acht Prinzipien aufmerksam gemacht, mit denen in unserer Kulturraum bis heute Männer sozialisiert werden: Das erste Prinzip Externalisierung beinhaltet eine Warnung vor dem Innen: „Wenn du dich Gefühlen hingibst, dann bist du verloren und kannst nicht mehr funktionieren.“ Männer müssen daher alles und immer unter Kontrolle haben. Mit dem Prinzip der Kontrolle hängt das Prinzip der Rationalität zusammen. Rational eingestellt sein, heißt für viele Männer wiederum, keine Gefühle zuzulassen. Die drei Prinzipien korrespondieren bei Männern oft mit dem sozialen Orientierungsmuster der Benutzung oder des Gebrauchs (z.B. der Begriff „Spielermaterial“ in männlich dominierter Sportsprache). Das Gefühle-Zurückhalten-Müssen, der fehlende Selbstbezug, der Zwang, sich und andere unter Kontrolle zu halten, führen dazu, dass Männer oft eigenartig stumm sind. Sie reden über vieles, nur nicht über sich selbst. Männer haben oftmals das Gefühl, nicht anders zu können und treffen einsame Entscheidungen. Die Parole „hart gegen sich selbst sein“ beinhaltet zugleich: Keine Gefühle gegen sich und andere zeigen, Funktionalisierung des eigenen Körpers und den Körpern anderer (Körperferne). Fehlende Selbstsorge und Fürsorge korrelieren miteinander. Gewalt gegen sich und Gewalt gegen andere liegen dann im Extremfall  gar nicht so weit auseinander.

Männer-Gewalt ist also kein unentrinnbares biologisches Schicksal. Es gibt Wege aus  der Gewalt. Und vielleicht ist der erste Schritt dazu der Weg aus  einengenden Männerbildern.

Andreas Ruffing