Datum:04. Apr 2018

Prof. Dr. Hubertus Brantzen

Foto: French Gendarmerie nationale

Die Innenseite des französischen Helden

04.04.2018

„Er hat sein Leben für uns alle hingegeben.“ Das war eine Interviewaussage, die in der vergangenen Woche aus dem Lautsprecher kam, als ich gerade mein Autoradio eingeschaltet hatte. Zuerst dachte ich, es gehöre zu einer Verkündigungssendung der katholischen oder evangelischen Kirche. Doch dann begriff ich: Es war ein Kommentar zu der Gedenkfeier des Polizisten Arnaud Beltrame in Paris.

Im südfranzösischen Trèbes hatte bei einer Geiselnahme in der vorangehenden Woche der Gendarm sich selbst für das Leben einer Frau angeboten. Der islamistische Attentäter ging auf den Tausch ein – und schoss kurz darauf auf Beltrame, der sterbend in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Nachricht ging um die Welt. Überall große Bewunderung. Präsident Macron ehrte ihn in Paris und kündigte ein Ehrenbegräbnis an. Der Papst würdigte das selbstlose Opfer des Mannes.

Kommentare über Kommentare folgen. Zumal in der Karwoche drängt sich der Vergleich des Selbstopfers dieses Mannes mit der Hingabe Jesu Christi am Kreuz als Erlösungstat für alle Menschen auf: „Er hat sein Leben für uns alle hingegeben.“ Der junge französische Philosoph Martin Steffens bezeichnet das Selbstopfer einen heroischen und heiligen Akt und sagt zum Vergleich zwischen Beltrame und Jesus Christus: „Die Aufopferung sorgt dafür, dass das Böse und die Gewalt nicht das letzte Wort haben.“

Zum persönlichen Hintergrund Beltrames berichteten viele Medien nur, dass er im kommenden Juni heiraten wollte. Doch das reicht kaum, um eine solche Tat zu erklären.

Arnaud Beltrame bezeichnete sich als gläubigen Katholiken, der 2007 zum Glauben gefunden und nach zwei Jahren Katechumenat die Erstkommunion und Firmung empfangen hatte. Der zuständige Polizeiseelsorger Dominique Arz sagte der Presse, Beltrame habe seinen Glauben nicht versteckt, sondern ausgestrahlt und davon erzählt: „Sein Akt der Selbsthingabe stand in Einklang mit dem, woran er glaubte.“

Standesamtlich war Beltrame mit Marielle verheiratet, am 9. Juni stand die kirchliche Trauung in der Nähe von Vannes an. Pater Jean-Baptiste begleitete die beiden und berichtete, das junge Paar sei regelmäßig zur Abtei gekommen, um an Gottesdiensten, auch am Sonntag zuvor, und an der kirchlichen Ehevorbereitung teilzunehmen. Auf einer Pilgerreise nach Sainte-Anne d’Auray in der Bretagne, dem zweitgrößten Wallfahrtsort Frankreichs, habe Beltrame 2015 um die Frau seines Lebens gebeten, die er in Marielle fand. Am 16. Dezember hatte der Pater die neue Wohnung der beiden eingeweiht und das kirchliche Ehevorbereitungsprotokoll ausgestellt.

Pater Jean-Baptiste schilderte, er habe im Krankenhaus dem bewusstlosen, sterbenden Beltrame die Krankensalbung und den Apostolischen Segen für Sterbende gegeben. Marielle habe dabei die liturgischen Antworten gegeben. „Kirchlich trauen konnte ich die beiden nicht, da er bereits bewusstlos war.“

Das Geheimnis des Selbstopfers von Beltrame fasste der Pater zusammen: „Ich glaube, nur der christliche Glaube, der von Nächstenliebe gespeist wird, kann ein solches übermenschliches Opfer bringen.“ Und: „Mir will scheinen, dass nur sein Glaube den Wahnsinn dieses Opfers erklären kann, für das er jetzt von allen bewundert wird.“

Hubertus Brantzen

siehe Veröffentlichung: basis-online.net