Datum:31. Aug 2011
Schlüsselwörter:

Hingeschaut 2011 | Halldor Laxness: Katholik – Kommunist – Nobelpreisträger

Hingeschaut

Buchcover

 

Halldor Laxness: Katholik – Kommunist – Nobelpreisträger

Der isländische Schriftsteller und Nobelpreisträger Halldór Laxness Gudjonsson vertrat in seinem Leben höchst unterschiedliche weltanschauliche Standpunkte. Als glühender Konvertit nimmt er bei seiner katholischen Taufe in einem luxemburgischen Kloster den Namen des heiligen Kiljan an und führt er diesen 40 Jahre lang im Autorennamen seiner Buchtitel. Er wird Kommunist und folgt häufig Einladungen in die Sowjetunion. Nach Kriegsende sieht er sich als Pazifisten und antiamerikanistischen Kämpfer für die politische Unabhängigkeit Islands. 1955 erhält er den Nobelpreis für Literatur.

Das Buch von Alexander Orlow zu den Verbrechen Stalins bringt ihn, spät aber wohl endgültig, von seiner bisherigen politischen Linie ab. Er setzt sich für die Freilassung seines ostdeutschen Verlegers ein und schickt ein Protesttelegramm an Chruschtschow als die Sowjetunion Pasternak zwingt, den Literaturnobelpreis abzulehnen.

1963 veröffentlicht er sein autobiographisches Buch Zeit zu schreiben, eine Ablehnung des Sowjetsozialismus – erstmals nach 40 Jahren ohne den katholischen Taufnamen Kiljan. Sein Biograph Halldor Gudmundsson interpretiert dies als eine Abkehr von den großen Idealen, die bis dahin – sowohl während seiner katholischen Phase als auch während der langen Jahre als überzeugter Kommunist – für ihn immer Vorrang vor dem Menschen hatten.

1970 nähert er sich mit dem liebenswerten und in Zeiten der Umwidmung von Sakralbauten durchaus wieder aktuellen Büchlein Kirchspielchronik an seine literarischen Ursprünge an.

1972 erscheint sein letzter großer Roman Die Litanei von den Gottesgaben, im Herbst 1987 Die Tage bei den Mönchen, ein Klostertagebuch aus seiner Jugend. Das Vorwort zu diesem Buch ist der letzte Text, den Laxness veröffentlicht. Über die katholische Kirche äußert er in einem Interview im Jahr 1986, sie könne „nur von Weisen erklärt und von Naiven verstanden werden“. Er führt als Autor wieder den Taufnamen Kiljan in seinem Namen, besucht katholische Gottesdienste in Reykjavik und begegnet im Jahr 1989 Papst Johannes Paul II in der Landakotskirkja, dem katholischen Bischofssitz Islands, bei dessen Islandbesuch.
Halldor Laxness’ letzte Lebensjahre sind geprägt vom Verlust des Gedächtnisses und zuletzt der Sprache. Er stirbt am 8. Februar 1998 und wird nach einem katholischen Requiem in Mosfell bestattet.

 

Leseprobe aus Halldor Laxness, Der große Weber von Kaschmir:

Ob die Katholiken wohl aufgehört haben zu bannen? sagte eine geschiedene Pfarrersfrau leise.
Nein, rief der Kaufmann, darauf können sie sich verlassen, gnädige Frau; die haben nicht aufgehört zu bannen. Die würden Sie in Null Komma nichts bannen. Die bannen und bannen, was das Zeug hält. Da gibt es kein Erbarmen.
Aber die Ablaßbriefe sind sicher schon längst abgeschafft, hoffte eine andere.
Ablaß… nein, mein Fräulein, ich will Hans heißen, wenn die die Ablaßbriefe abgeschafft haben.
Und nehmen sie tatsächlich immer noch Bezahlung dafür?
Bezahlung? Ja, darauf können Sie sich verlassen; die nehmen den vollen Preis, in Abgaben, Butter oder Geld, genau wie früher. Die würden Sie ganz gehörig schröpfen, meine Liebe! – Schließlich ist der Ablaß eine ernste Sache, genauso wie früher.
Es ist eigentlich traurig, wie intolerant die katholische Kirche ist, sagte eine der Damen; sie erkennt keine dieser neueren Richtungen an.
Neuere Richtungen! Nein! Darauf können Sie Gift nehmen! Die katholische Kirche läßt sich von diesen neuen Richtungen nicht beeindrucken! Die Katholiken glauben an Gott und den heiligen Columcille, genau wie in alten Zeiten. Die geben nie zu, daß sie sich geirrt haben.
Aber ihre Zeremonien sind trotzdem hinreißend, sagte eine der Damen.

 

Anne-Madeleine Plum

Island wird in diesem Jahr Gastland der Buchmesse in Frankfurt sein. Man darf gespannt sein, was von oder über diesen interessanten Autor angeboten wird.

 

 

>> Hingeschaut zum Herunterladen