Datum:14. Jun 2017

Gertrud Pollak

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Vernetzt besser leben

Wer möchte da widersprechen, lässt dieses Zitat doch viele positive Gedanken aufblitzen: gut, wenn ich nicht allein dastehe, sondern Menschen um mich habe bei freudigen Ereignissen oder vor allem, wenn es mir schlecht geht oder ich Hilfe brauche. Solche Netze von Mensch zu Mensch, in der Familie oder durch Freunde, sind unersetzbar. Gut vernetzt lässt sich wirklich besser leben.

Doch diese Spur will das zitierte Motto gar nicht einfangen. Vielmehr steht es über dem Digital-Gipfel, der vom 12.-13.06.2017 in der Metropolregion Rhein-Neckar stattfand. Digitalisierung soll in ihrer ganzen Weite in Blick kommen – von der Industrie 4.0 bis zur Kultur, intelligente Vernetzung in Wirtschaft und Verwaltung und diesmal vor allem auch Digitalisierung im Gesundheitsbereich.

Wieder ist man auf etwa 1000 Politiker/innen und Manager/innen eingestellt, um Zwischenbilanzen zu ziehen und die neuen Errungenschaften in den pluralen Anwendungsfeldern zu besprechen. Diesmal begleitete neben anderen etwa die Telekom den Gipfel und stellte verschiedene Themenaspekte vor: digitales Krankenhaus, die digitale Stadt und digitale Winzer. Es wurde eine Schul-Cloud gestartet, die 26 Schulen in 13 Bundesländern vernetzt. Schulklassen sind per WLAN mit der Cloud verbunden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung titelt: „Von der Schul-Cloud über die Smart School zum intelligenten OP-Saal.“ Die Bundeskanzlerin ist am zweiten Tag dabei.

Fraglos, das Themenfeld Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Vernetzung und anderes mehr steht für ungeahnt viele Faktoren, die mittlerweile fast alle unsere Lebensbereiche global bestimmen – von uns bemerkt oder auch nicht. Bewegt uns all das ausreichend in wohlwollender, aber auch kritischer Auseinandersetzung mit allen Grenzen des Verstehens, die wir dabei erleben? Es geht keineswegs um Abschottung gegenüber Entwicklungen, die längst weiter sind, als wir ahnen oder gar beherrschen könnten. Es geht um Wachheit, um Interesse, um intensive Suche. Wir müssen mit anderen um eine angemessene Anwendung ringen, die zum christlichen Menschenbild passt und seinen Werten Raum lässt. Unter neuen, zutiefst nicht beherrschbaren Vorzeichen, sollten viele allein und gemeinsam hilfreichen Nutzen ziehen und einen menschlich angemessenen Umgang erlernen, vielseitig vernetzt besser zu leben und – dabei nicht zu vergessen, dass Gott vernetzt bleibt.

 

Dr. Gertrud Pollak, Mainz
Ordinariatsdirektorin, Dezernentin für Schulen und Hochschulen