Datum:09. Nov 2008
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Gender – die Geschlechter

Zeichen der Zeit

Blume

 

Vorbemerkung

„Gottes Antlitz, wie es aus dem Zeitgeschehen aufstrahlt“ (J. Kentenich, 1949).

Zeitenstimmen lesen bedeutet, dem Geist Gottes zu begegnen, der in unserer Übergangszeit Neues schafft. Nicht nur Neues in Ereignissen, sondern vor allem Neues in der Deutung derselben, wie sie sich in Zeitströmungen ausdrückt. Nie ist soviel gedacht, probiert, verworfen und gefunden worden wie heute. Umso interessanter ist für den in der Schule Kentenichs groß Gewordenen, gerade dem nachzugehen. Wir dürfen sehen, wie eine neue Kultur an vielen, vielen Stellen entsteht. Umso wichtiger ist es, nicht schnell im Vergleich mit dem zerfallenden Alten in allem zunächst einmal Abfall und Zerfall zu sehen. Sondern das in der Zeit aufleuchtende Antlitz Gottes. Das hervorzuheben ist Absicht aller meiner Beiträge zur Spurensuche. Dieses Antlitz Gottes ist allerdings nicht immer gleich deutlich als solches zu erkennen. Aber das ist natürlich auch sonst der Fall.

(vgl. dazu Kerbert King: Neues Bewusstsein. Patris Verlag 1995.)

 

Eine Buchbesprechung in „Der Spiegel“.

Meinem heutigen Beitrag geht es um die Geschlechterthematik. Anlass ist ein interessanter Zentral-Artikel in „Der Spiegel“ (39/2008, www.spiegel.de): „Die Biologie des Erfolgs. Warum Frauen nach Glück streben – und Männer nach Geld“.

Inhalt des Beitrags ist die Besprechung eines zunächst in Kanada, USA und England erschienenen und dort sehr aufsehenerregenden Buches von Susan Pinker. In Deutsch: Das Geschlechterparadox. DVA, München, 400 Seiten. Gleich nach Erscheinen ist das Buch in zwölf Sprachen übersetzt worden. Es ist Ergebnis langjähriger Forschungen und Beobachtungen eines großen Teams.

Die Hauptaussage des Buches und des Artikels ist:

„Biologen und Psychologen rühren an die Grundfesten der Frauenbewegung – doch ihre neueren Erkenntnisse könnten auch helfen, die Arbeitswelt zu verweiblichen.“

 

Unterschiede auf Grund der Biologie.

„Weil Frauen ein anderes Hirn haben als Männer denken und verhalten sie sich auch anders; die Natur hat Männer und Frauen mit unterschiedlichen Neigungen und Talenten ausgestattet. Männer, so das Fazit der Forscher, neigen eher zu Ringkampf und Risiko, aber auch Aggression und Uneinsichtigkeit. Weibliche Hirnaktivität hingegen befördere Einfühlungsvermögen und Disziplin, bremse jedoch den Ehrgeiz im Wettbewerb. Natürlich handle es sich bei all dem um Mittelwerte – keiner der Wissenschaftler behauptet, dass diese Aussagen auf jeden Mann und jede Frau zutreffen. Im Gegenteil: Meist seien die Unterschiede innerhalb eines Geschlechtes deutlich größer als zwischen Mann und Frau. Aber so subtil die biologischen Differenzen auch sein mögen, so gravierend wirkten sie sich nun mal im Geschlechteralltag aus.“

Das sind tatsächlich Erkenntnisse, die schon seit den achtziger Jahren sehr breit besprochen und rezipiert wurden. Ich nenne unter den vielen Büchern, die zu nennen wären, ein Buch wie: „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von den Australiern Allan und Barbara Pease, Ullstein Taschenbuch, inzwischen in der 38. Auflage.

Der hier zu besprechende Artikel fährt fort:

„Erst in den achtziger Jahren, mit der neuen Faszination für Bio- und Gentechnik, für das geheimnisvolle Wirken von Hormonen und Neuronen, wurden biologische Argumente wieder gesellschaftsfähig. Inzwischen verstehen die meisten Wissenschaftler menschliche Entwicklung als ein höchst komplexes Zusammenspiel von „natur and nurture“, von Natur und Erziehung. Und doch ist gerade in der Geschlechterfrage die Scheu bis heute besonders groß, die Macht der Natur einzugestehen.“

„In modernen westlichen Gesellschaften sind die Differenzen zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen von Mann und Frau deutlich größer als in traditionellen Gesellschaften.“

Doch hat dies noch nicht hinreichend alle wichtigen Gebiete geprägt, so vor allem das Führungsverhalten. Aber auch der Bereich des unterschiedlichen sexuellen Verhaltens, Erlebens und Denkens von Mann und Frau hat sich noch nicht hinreichend den neuen Erkenntnissen und Überzeugungen gestellt.

 

Anwendung auf die Arbeitswelt.

Dem Artikel geht es um die Anwendung der entsprechenden Erkenntnisse auf die Arbeitswelt.

„Man müsse verstehen, wie weibliche Hormone das Verhalten von Frauen beeinflussen, um die Arbeitswelt besser auf ihre Bedürfnisse auszurichten. Denn schließlich könne kein Mensch dauerhaft gegen die Gesetze seiner Natur leben.“

„Susan Pinkers Thesen sind vor allem deshalb so provokant, weil sie ihre Einsichten ungeniert auf Bereiche der Arbeitswelt anwendet, in denen Frauen und Männer derzeit um Macht, Einfluss und Gestaltung in dieser Gesellschaft rangeln. Und Frauen, auch die hochqualifizierten, so Pinkers Befund, seien aufgrund ihrer biologischen Ausstattung nun mal schlechter gerüstet für den Konkurrenzkampf in männlich dominierten Gremien und Führungsetagen.“

Die alte Lesart.

Der Grund: „Sie müssen die Spielregeln der Männer mühsam lernen und anwenden wie eine Fremdsprache.“(58)

„Mehrere Studien belegen beispielsweise, dass Frauen – im Durchschnitt – die sozialen Aspekte ihres Berufes wichtiger sind als Geld und Status. Doch einer Frau, die sich mit weniger zufriedengibt, wird dies von Kollegen sofort als Schwäche ausgelegt.“

„Frauen, so lässt sich die US-Psychologin lesen, fühlten sich viel wohler mit ihren – schlecht bezahlten – Arbeitsplätzen in Kindergärten, Grundschulen und an Krankenbetten; in den Chefetagen dagegen seien sie falsch am Platz.“

Die neue Lesart.

„Doch es gibt auch eine andere Lesart. Sie lautet: Gerade die Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden Wirtschaft und Gesellschaft in absehbarer Zeit zu einem tiefgreifenden Wandel zwingen, will man nicht auf Dauer 50 Prozent des Potentials vergeuden. Die beste Argumentationshilfe bietet dabei die Ökonomie: Manche Studien behaupten, dass Firmen, in denen Frauen führende Positionen einnehmen, mehr Gewinn erwirtschaften“.

Der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland hat 5 von 12 Führungspositionen mit Frauen besetzt und macht die Erfahrung, wie sich das Klima im Unternehmen dadurch änderte. „Frauen haben weniger Skrupel, Dinge zu hinterfragen. dass betreffe auch seine eigenen Entscheidungen.“

„Und so üben Abteilungsleiter in Seminaren, aktiv zuhören, Teams zu bilden, Mitarbeitern empathisch zu begegnen, sie zu motivieren und zu fördern- kurz ein bisschen weiblicher zu werden.“

 

„Agenten des Wandels“.

Es wird in dem Artikel auch eine aktuelle Studie der Deutschen Bank zitiert: Sie macht die Frauen als „Agenten des Wandels“ aus. Im kommenden Jahrzehnt seien sie diejenigen, die die Regeln in der Arbeitswelt verändern und modernisieren werden.

„Tatsächlich bestimmen typisch weibliche Themen wie Moral, soziale Verantwortung, Gerechtigkeit und Einfühlungsvermögen derzeit auffallend die Management-Literatur.“

 

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Die gegenwärtige Bankenkrise ist auch eine Krise des Führens, eine Krise von einseitig „männlichem“ Führungsverhaltens und eines von Männern ausgedachten Systems. Die Krise lädt zum Umdenken ein.

 

Herbert King