Datum:28. Dez 2008
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Die Tür des Herzens

Zeichen der Zeit

offene Tür

Foto: H. Brantzen

Offene Tore sind ein tiefes Symbol. Sie wollen unsere Entscheidung. Unseren Mut. Unsere Hoffnung. Wollen unser Vertrauen. Offene Tore sind eine Einladung. Sie sind Bild unseres Lebens, in dem wir immer Einsicht erwarten, Großes und Wunderbares. Besonders an Weihnachten.

Es war im Urlaub. Ich sah zwei hochherrschaftliche Häuser in unmittelbarer Nähe nebeneinander. Und in jedem Haus wohnte ein einziger, einsamer Mensch. Beide Häuser waren jeweils von einem hohen, schmiedeeisernen Zaun umgeben und hatten ein großes Tor mit Pfeilspitzen. Nur das eine Tor war verschlossen und zusätzlich noch mit Ketten abgesichert und dahinter saß ein grimmiger Hund, der, wenn man nur in die Nähe kam, zähnefletschend durch das Gitter schaute.

Das Tor des anderen Hauses aber stand weit offen. Kein Schloss, keine Kette, kein bellender Hund. Über dem Tor eine Messingtafel auf der die Worte standen: „Grüß Gott, tritt ein, bring Glück herein“. Manche Menschen nahmen die Einladung an.

Viele zögerten, denn es kam ihnen doch allzu seltsam vor, dass ein wildfremder Mensch sie zu sich einlud. Ich wagte es und ging hinein. Ein sehr alter Mann saß in einem Lehnstuhl am Fenster. „Ich freue mich, dass Sie mich besuchen“, sagte er und wir führten ein langes Gespräch. „Sie können jederzeit wieder kommen“ sagte er. „Haben Sie denn keine Angst vor Einbrechern?“ fragte ich ihn. Er lachte. „Nein das habe ich nicht. Beim Nachbarn ist schon eingebrochen worden, bei mir nicht. Wer denkt denn schon, dass hinter einer immer geöffneten Tür Wertvolles zu holen ist?“

Den Besitzer des anderen Hauses sah man manchmal hinter den Vorhängen stehen. Und es schien mir, als würde er sehnsüchtig herausschauen, so als würde er sich hinaussehnen. Aber er öffnete sein Haus dennoch nicht. So lebte er einsam und starb wohl auch einsam. Während der andere nie allein war. Auch nicht bei seinem Tod. Ob er wusste, dass er Alles und Alle aussperrte? Er hatte ja nicht nur das Tor seines Hauses, sondern auch das seines Herzens zugeschlossen. Fest verriegelt. Ob der Mann hinter den geschlossenen Türen das Advents- du Weihnachtslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ kannte?