Datum:29. Dez 2010
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Den Gott der Zeit vernehmen

Zeichen der Zeit

Maria

 

Wieder geht ein Jahr zu Ende. Da spüren wir die Zeit mehr als sonst.

In meiner Kindheit dachte ich lange, dass die Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig („zwischen den Jahren“) nicht gezählt werden. Und es war für mich eine Art Entzauberung, als ich bemerkte, dass sie ganz „vulgär“, so empfand ich es, weitergezählt werden wie alle anderen Tage. Bis heute erlebe ich diese Tage als aus der Zeit herausgenommen. Und wer sich etwas näher mit mythischem Denken befasst, entdeckt dort, dass für dieses die Zeit um den Beginn eines neuen Jahres eine Phase ist, in der die Zeit abgeschafft ist und der Kontakt mit dem Ewigen, Bleibenden, Vollen, Fülligen in einer mehrtägigen Festzeit erlebt wird.

Ich habe im zu Ende gehenden Jahr und die Jahre zuvor bei „spurensuche“ immer wieder etwas zum Thema „Zeit“ geschrieben: Was sagt uns die Zeit? Die Zeit spricht, sie hat eine Stimme, viele Stimmen, ein Stimmengewirr. Beim Versuch, diese Stimmen zu vernehmen, sozusagen zu sortieren und zu deuten, werde ich nie müde. Ebenfalls darf ich sagen, dass ich da immer auch wieder Gott höre. Zeitenstimmen sind Gottesstimmen. Es gilt das alte Wort: vox temporis vox dei.

In meinen Beiträgen habe ich mich bemüht, mehr die positiven Stimmen, die zukunftsweisenden Stimmen hervorzuheben. Die negativen werden ja ohnehin hervorgehoben. Sie sind auch nicht zu übersehen, leider.

Ich will damit beitragen, dass wir auch in (unserer) Zeit zu Hause sein können, in ihr Geborgenheit und Zuversicht finden können. Dass wir erleben können: Doch da ist etwas Tragendes, Bergendes, Hoffnungsvolles. Da ist sogar Gott selbst, der mit Weisheit, Liebe und Macht alles in der Hand hat. Und dass wir mehr und mehr lernen, Zeitenstimmen nicht nur zu bekämpfen, sondern uns von ihnen auch tragen zu lassen. Mich tragen sie jedenfalls in einem beachtlichen Ausmaß. Ich fühle mich nicht eigentlich fremd in dieser Zeit. Dies als Zeugnis eines Priesters, der selbstverständlich darunter leidet, dass die Sache Gottes so schlecht dazustehen scheint. Aber, es gibt halt doch viele Zeichen, dass Gott am Wirken ist und dass wir da mitwirken dürfen.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit ruft Jesus zum „Umdenken“ auf, zum Anders-Denken. Der Grund ist: „Denn das Reich Gottes ist nahe“, „das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lk 17,21). Es ist eine echte Aufgabe für uns, die Zeit unter dem Gesichtspunkt der Anwesenheit des Reiches Gottes sehen zu lernen. Für manche mag das tatsächlich ein neuer Gesichtspunkt sein, der es nötig macht, umzudenken.

So lade ich ein, besinnlich folgendes Lied zu singen oder zu beten, vielleicht mit der Familie oder sonst einem lieben Menschen zusammen. Zu Weihnachten und Neujahr wünsche ich viele, viele Begegnung mit dem Gott der Zeit und viele gelungene Deutungen seines Vorübergangs in der Zeit.

(Ref.) Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

1. Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag ich, was wird morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

2. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb
nehmen mich gefangen, jagen mich.
Herr, ich rufe: komm und mach mich frei!
Führe du mich Schritt für Schritt.

3. Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn.
Hilflos seh‘ ich, wie die Zeit verrinnt.
Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
und ich frag, wo sie geblieben sind.
 

Herbert King

 

Die Beiträge dieses Jahres von P. Herbert Kind sind gesammelt auf seiner Home-Page: www.herbert-king.de/Aktuelles.