Datum:21. Okt 2007
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Das Rätsel der Sphinx

Meditation

Sphinx in Delphi

Sphinx der Naxier in Delphi  – Foto: H. Brantzen

In der griechische Mythologie war die Sphinx die Tochter des Typhaon und der Schlange Echidna. Sie hauste in der Nähe von Theben in Griechenland und tötete jeden, der das Rätsel nicht lösen könnte:

  Was ist am Morgen vierfüßig,
  am Mittag zweifüßig.
am Abend dreifüßig?

Ödipus erriet was gemeint war:

Gemeint ist der Mensch.
  Als Kind kriecht er auf allen Vieren.
  Als Erwachsener steht er auf zwei Beinen.
  Als Greis stützt er sich auf einen Stock.

Die Sphinx stürzte sich darauf hin vom Felsen.

Der Mythos erzählt vom Geheimnis des Menschen, von seinem Werden und Vergehen. Wer den Weg des Kindes zum Erwachsenen und den Weg vom Erwachsenen zum Greis nicht in guter Weise gehen kann, der lebt umsonst, wird vom Leben gleichsam gefressen.

Der Lebensweg birgt so viele Ungewissheiten, dass er dem Menschen Angst macht. Angst unterzugehen. Angst, an sich selbst und seiner Bestimmung vorbei zu gehen. Angst, das wahre Leben zu verpassen.

Diese Ungewissheiten und Ängste lassen sich nicht einfach wegnehmen, wegreden oder verharmlosen. Doch es gibt die Zusage dessen, der selbst den Weg der Menschen gegangen ist: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wer daran glauben kann, für den stürzt die Sphinx vom Felsen.

Hubertus Brantzen