Datum:08. Dez 2010
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Da wartet noch mehr

Kunst · Theater · Literatur

Buchcover

 

Papst Benedikt XVI. diesseits und jenseits von Verhüllung und Verhütung

Die meisten mussten nicht lange drauf warten und haben es sich sofort geholt.
Die erste Auflage ist innert weniger Tage vergriffen.
Durch die zwei medialen Aufmacher-Passagen ist man rasch durch: über Verhüllung (Benedikt XVI. zur Burka muslimischer Frauen in Frankreich – S. 74 f.) und über Verhütung (Benedikt XVI. zur Verwendung von Kondomen – S. 146 f.).
Zu vielen weiteren Hauptsachen und Hauptanliegen sind Fragen Seewalds und Antworten Benedikts zu lesen – und sie bestätigen, stimmen nachdenklich und überraschen.

Eine kleine Leseprobe aus dem neuen Interview-Buch „Licht der Welt. Ein Gespräch mit Peter Seewald“:

[Peter Seewald:]

Das Evangelium beinhaltet nach eigenem Verständnis keine Botschaft, die aus der Vergangenheit kommt und sich erledigt hätte. die Präsenz und Dynamik der Offenbarung Christi besteht im Gegenteil gerade darin, dass sie gewissermaßen aus der Zukunft kommt – und wiederum für die Zukunft jedes Einzelnen wie für die Zukunft aller von entscheidender Bedeutung ist. „Beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen“, heißt es im Hebräerbrief über Christus, „sondern um die zu retten, die ihn erwarten.“
Müsste die Kirche heute nicht noch weit deutlicher darüber aufklären, dass sich die Welt gemäß der Angaben der Bibel nicht mehr nur in der Zeit nach Christus, sondern weit mehr schon wieder in der Zeit vor Christus befindet?

[Benedikt XVI.:]

Das war ja ein Anliegen von Johannes Paul II., deutlich zu machen, dass wir auf den kommenden Christus hinschauen. Dass also der Gekommene noch weit mehr auch der Kommende ist und wir in dieser Perspektive Glauben auf Zukunft hin leben. Dazu gehört, dass wir auch wirklich imstande sind, die Botschaft des Glaubens wieder aus der Perspektive des kommenden Christus darzustellen.
Oft wurde dieser Kommende zwar einerseits in wahren, zugleich aber auch in abgestandenen Formeln vorgetragen. Sie sprechen nicht mehr in unseren Lebenszusammenhang herein und sind oft für uns nicht mehr verständlich. Oder aber dieser Kommende wird ganz entleert und zu einem allgemeinen moralischen Topos umgefälscht, von dem nichts kommt und der nichts bedeutet.
Wir müssen also versuchen, tatsächlich die Substanz als solche zu sagen – aber sie neu zu sagen. […] Dies kann nur gelingen, wenn Menschen das Christentum vom Kommenden her leben. Erst dann können sie es auch aussagen […] Das ist der große Auftrag, vor dem wir stehen.

aus:

Benedikt XVI., Licht der Welt. Ein Gespräch mit Peter Seewald; Herder Verlag 2010, S. 83 f.

 

rausgelesen von: Armin Noppenberger