Datum:18. Mai 2016

Credo in unum Deum

 Anfanglos, ewig und einzig ist Gott. Das Bekenntnis der Einzigkeit Gottes hat in dem zentralen jüdischen Gebet, dem „Höre Israel“, eine kostbare Gestalt gefunden. Hildegard von Bingen schaut diesen einen Gott als Licht, Flamme und wärmende Glut. Auch das Kirchenlied besingt den dreifaltigen Gott als Sonne, Glanz und Wärme, und bekennt, dass dieses Geheimnis des göttlichen Wesens unser Verstehen übersteigt.


Credo in unum Deum

– Einem unbekannten Gott (Apg 17,23)

              Die wahre Dreiheit in der wahren Einheit. Illuminierter Rupertsberger Scivias-Kodex Faksimile-Ausgabe
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Alttestamentliche Lesung:

Deuteronomium 6,4-9  -  ‏שְׁמַע יִשְׂרָאֵל ‎ ,                                                                                               Sch'ma Jisrael  -  Höre Israel!

Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden. Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.
Kehrvers: Du allein bist Gott. (Psalm 86,10) Psalm 86,3-7.9-10 Du bist mein Gott. Sei mir gnädig, o Herr! Den ganzen Tag rufe ich zu dir. Herr, erfreue deinen Knecht; denn ich erhebe meine Seele zu dir. Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen, für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade. Herr, vernimm mein Beten, achte auf mein lautes Flehen! Am Tag meiner Not rufe ich zu dir; denn du wirst mich erhören. Alle Völker kommen und beten dich an, sie geben, Herr, deinem Namen die Ehre. Denn du bist groß und tust Wunder; du allein bist Gott.

Neutestamentliche Lesung:

1. Johannesbrief 4,7-13

Wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben.  

Ruf vor dem Evangelium

Johannes 1,18

Niemand hat Gott je gesehen. Du aber, der Einzige, der am Herzen des Vaters ruht, du hast uns Kunde gebracht.

Evangelium

Markus 12,28-34 Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da er bemerkt hatte, wie treffend Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Lied: O heiligste Dreifaltigkeit

Im neuen Gotteslob findet sich ein Lied zur Dreifaltigkeit, dessen Text möglicherweise auf Friedrich Spee von Langenfeld zurückgeht, nach einer Ulenbergschen Psalmmelodie von 1582. Im Gebet- und Gesangbuch von Paderborn 1885 steht das Lied mit folgenden Strophen: 1. O heiligste Dreifaltigkeit, gib deiner lieben Christenheit, daß sie allzeit bekenne dich als Einen Gott dreieiniglich. 2. Dein Wesen, Herr, o Gott, dein Licht Begreift ein Mensch auf Erden nicht; die Sonn in ihrer Herrlichkeit ist Gleichnis deiner Wesenheit. 3. Gott Vater, du die Sonne bist, der Glanz dein Sohn, Herr Jesus Christ; die Wärme ist des Geistes Bild, der alle Welt mit Leben füllt. 4. Nie war ohn Glanz die Sonne klar, nie ohne Sohn der Vater war, der heil’ge Geist von beiden geht, die Wärm aus Sonn und Glanz entsteht. 5. O Mensch, bet das Geheimnis an, das kein Verstand begreifen kann; sing heilig nur mit Cherubim, sing heilig mit den Seraphim! 6. O großer Gott, o ew’ges Licht, wir können dich anschauen nicht; was wir auf Erden nicht verstehn, laß uns dereinst im Himmel sehn! T: Paderborn 1885, nach Köln 1623, M: Caspar Ulenberg 1582 Vgl. Gotteslob Nr. 352, Str. 2-4.6 T: Paderborn 1885, nach Köln 1623; im Gotteslob Nr. 352, Str. 2-4.6 Aus:               Literaturempfehlung: C. Geffré, Der anti-trinitarische Monotheismus des Islam, in: Welt und Umwelt der Bibel H. 11, 1(1999) 69-71.    

Geistlicher Text: Hildegard von Bingen, Scivias

„Alsdann sah ich ein überhelles Licht und darin eine saphirblaue Menschengestalt, die durch und durch im sanften Rot funkelnder Lohe brannte. Das helle Licht durchflutete ganz die funkelnde Lohe und die funkelnde Lohe ganz das helle Licht. Und [beide], das helle Licht und die funkelnde Lohe durchfluteten ganz die Menschengestalt, [alle drei] als ein Licht wesend in einer Kraft und Macht. ... Das ist der Sinn der Geheimnisse Gottes, daß klar erschaut und erkannt werde, welches die Fülle sei, die ohne Ursprung ist (... ), denn der Vater ist nicht ohne den Sohn, noch der Sohn ohne den Vater, noch Vater und Sohn ohne den Heiligen Geist, noch der Heilige Geist ohne den Vater und Sohn. So ist der eine Gott in drei Personen. Die Flamme brennt in glänzendem Lichte, in purpurnem Hauch flammt sie, durch die feurige Glut wärmt sie. In dem glänzenden Lichte betrachte den Vater, der aus Vaterliebe seine Herrlichkeit den Gläubigen ergießt. In dem purpurnen Hauch, der ihr innerlich eigen ist, und durch den sie ihre Kraft bezeugt, erkenne den Sohn, der aus der Jungfrau einen Leib annahm, an dem die Gottheit ihre Wunder kundtat. In der feurigen Glut schaue den Heiligen Geist, der die Geister der Gläubigen zündend durchströmt.“ Zum Bild: Inmitten des goldfarbenen Kreises, umgeben von einem silbernen Rand, steht die saphirblaue Menschengestalt, deren Umrisse von dem von oben einströmenden Licht hervorgehoben werden. Diese Gestalt ist Jesus Christus: „Seine Hände nehmen die Gebetshaltung des Empfangens des Vaterwillens im Gehorsam und in der Ehrfurcht an.“ Der helle Lichtkreis steht für den Vater, den Urquell allen Seins, ursprungslose Fülle des Lichts. Die goldene Scheibe mit den Wellenlinien ist der Heilige Geist, funkelnde „Lohe“, also Feuer. Licht, Menschengestalt und Feuer bilden ein einziges Licht, doch zugleich vermischen sich die drei Personen nicht, sondern wahren in der Einheit ihre Identität. Auszüge aus: Beuroner Kunstkalender 2013, Text zu Tafel 11.  

Zusammenstellung: Hans-Jakob Becker / Anne-Madeleine Plum Dieser Gottesdienst:  1 Pen B in Patmos Vgl. dazu ausführlich: Hansjakob Becker, „Dies große Wort, geschrieben weiß auf schwarz“. Patmos: Begegnungen mit der Bibel im Kontext von Kultur- , in: Pietas Liturgica 16, Tübingen 2015.

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