Datum:10. Jan 2018

Bischof Reinhold Nann, Peru

Foto: pixabay.com

Besuch bei den Armen

10.01.2018

Am Anfang des Jahres habe ich noch Platz im Terminkalender. Da wird noch einiges auf mich zukommen. Auf so manches bin ich neugierig, anderes macht mir eher Sorgen.

Ich habe gerne die Kontrolle über das, was kommt, aber ich lasse mich auch gerne überraschen. Und bei Menschen sowieso. Wer weiss schon, was hinter ein paar Worten steckt. Das Zuhause sagt sehr viel mehr über einen Menschen aus: die Dekoration, der Umgang mit den übrigen Hausbewohnern. Da ist jemand in seinem Element.

Ich mache gerne Hausbesuche. Und gerade die Armen in Südamerika haben wenig Hemmungen, mich einzuladen. Die Kultur der Gastfreundschaft verbietet es geradezu, einen Besuch an der Tür abzulehnen. Das Argument „Ich habe keine Zeit“ gilt dann nicht. Für einen Besuch hat man immer Zeit, alles andere kann auch warten. Und dann sind wir füreinander da, hören uns an, tauschen uns aus. Manchmal kürzer, manchmal länger. Aber ich habe den Einladenden besucht, besser kennengelernt, ihn wertgeschätzt. Und ich bin aufgenommen worden, vielleicht mit einem cafecito, einem Glas Wasser. Auch ich fühle mich gut.

Das gefällt mir am Evangelium: Da werden oft keine grossen Worte gemacht, sondern Menschen einfach an- und aufgenommen. Als die ersten Apostel Jesus mehr kennenlernen wollen, wissen sie nicht so recht, was sie jetzt sagen sollen. “Wo wohnst Du?”, fragen sie ihn. Und er lädt sie sofort ein: “Kommt und seht!” Toll. Würde ich auch gern machen, einfach mal so vorbeischauen bei IHM. Doch dann kommen mir Zweifel: Der sagte doch, er habe keinen Ort, um sein Haupt abzulegen …  Also gibt es gar keinen Ort, wohim er mich einladen könnte?

O doch, immer wenn ich eine ganz einfache, arme Familie besuche, da habe ich IHN besucht. Ich mache das gerne. Ein köstliches Glas Wasser, machmal auch eine Cola, ein wenig herumschäkern – und Jesus ist mitten drinnen. Habt keine Angst vor den Armen, habt keine Angst vor Gott. Kommt und seht einfach. Seid Mensch.

Ja natürlich, bei der eucharistischen Anbetung, da ist er auch da. Ganz schlicht, im Brot. Kommt und seht!

Bischof Reinhold Nann, Caravelli / Peru

siehe Veröffentlichung: basis-online.net

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