Datum:16. Mai 2018

Bischof Dr. Peter Kohlgraf


Abendmahls- und Pfingstsaal, Coenaculinum der Franziskaner, Jerusalem
Foto: Hubertus Brantzen

Sich als Zeuge senden lassen

16.05.2018

Zu den wirklich schönen Aufgaben des Bischofsamtes gehört die Spendung des Firmsakramentes besonders auch an junge Menschen. Wir beten in den Firmgottesdiensten um die Gaben des Heiligen Geistes, die den Firmkandidatinnen und -kandidaten geschenkt werden mögen. Im Augenblick der Sakramentenspendung zeichne ich als Bischof ein Kreuz mit dem Chrisamöl auf die Stirn, spreche den jungen Menschen mit seinem Taufnamen an und sage ihm die Besiegelung durch den Heiligen Geist zu. Ich sage ihm zu, dass der Heilige Geist ihn prägen und ihn ein Leben lang begleiten möchte, sein Denken und Handeln bestimmen will.   

In der theologischen Literatur ist viel darüber nachgedacht worden, was die Firmung zusätzlich zur Taufe bewirkt, denn auch im Empfang der Taufe wird ja der Heiligen Geist geschenkt. Gott bindet sich in den Sakramenten an den Menschen. Jeder Mensch ist einmalig, für Gott und sein Reich unverzichtbar und großartig. Das gilt seit der Taufe für alle, die als Kinder Gottes berufen sind. In der Firmung nun kommt eine ausdrückliche Sendung hinzu. Gottes Wirken am Menschen ist Gabe und Aufgabe zugleich.

Mit der Firmung nimmt Gott einen Menschen in seinen Dienst, um als Apostel, als Zeugin oder Zeuge für das Evangelium einzustehen. Ein Mensch, der sich so senden lässt, spricht nicht über irgendeine Weltanschauung oder Glaubenstheorie, sondern darf Zeugnis geben von einer Beziehung, die ihm geschenkt ist: Der Geist Gottes wohnt in ihm. Die Kirche lebt von Menschen, die aus einer solchen lebendigen Beziehung heraus leben und von ihrem Glauben sprechen, in Taten und Worten.

Wenn wir Pfingsten feiern, dann feiern wir die Gabe des Heiligen Geistes für die ganze Kirche, aber auch für die ganze Welt. Die Kirche wurde damals geboren, als Menschen vor die Welt traten und von ihrer Geisterfahrung sprechen konnten. Sie bezeugten die Liebe Gottes zu allen Menschen, gleich welchen Glaubens und welcher Herkunft.

In  einer gespaltenen Welt haben Christinnen und Christen zunehmend diesen Dienst der Einheit und des Friedens zu leisten. Das können sie nicht aus eigener Kraft, sondern nur in der Sendung des Geistes und mit seinem Beistand. Ich lade alle ein, dem Geist Raum zu geben und sich senden zu lassen.

Bischof Dr. Peter Kohlgraf, Mainz

 

Kommentar aus: basis-online.net



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