Datum:24. Nov 2010
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Ankunft der Zukunft

Zeichen der Zeit

Flug über den Bergen

Foto: Christina Nüchter

Sie wiegen im Schnitt 3,3 Kilo, sind nicht Mal 50 cm groß und sehen bei ihrer Ankunft oft zerknautscht aus. Und doch weinen viele Eltern vor Glück, wenn sie Ihre Zukunft buchstäblich in den Händen halten. Laut vorläufiger Erhebung kamen 2009 etwa 665.000 Kinder zur Welt. Ein Jahr zuvor waren es noch 17.000 mehr. Die Geburtenrate liegt seit Jahren bei 1,4 Kindern je Frau. Zu wenig, sagen uns Demographen und Politiker. Die Bevölkerungspyramide steht Kopf.

Heißen wir die neuen Erdenbürger willkommen. Sie sind unsere Zukunft. Sorgen wir dafür, dass gute zwischenmenschliche Bindungen zwischen Eltern und Kindern entstehen. Immer mehr Kinderkrippen sind keine Lösung. Eine Familie ist nicht zu ersetzen. Statt auf Bildung sollte man zuerst auf gute Bindungen setzen.

Eine gute Mutter ist für ihre Kinder wie ein sicherer Hafen, der Schutz und Sicherheit bietet. Und ein guter Vater ist wie ein Kapitän, der sein Kind mitnimmt auf große Entdeckungsfahrt. Ein bisschen Columbus steckt ja in jedem Mann. Deshalb sind Väter oft risikofreudiger, wenn Kinder eigene Erfahrungen machen wollen. Das ist auch wichtig: jedes Kind muss die Erfahrung machen, dass es etwas bewirken und verändern kann. So wächst allmählich auch zum Vater hin ein Band, das an dessen Engagement gekoppelt ist. Väter und Mütter nehmen gleichwertige, aber unterschiedliche Aufgaben im Elternteam wahr. Typischerweise sind die Mütter eher für die Interaktion, die Väter eher für die Initiativen zuständig.

In der Bevölkerung weisen etwa zwei Drittel der Kinder ein sicheres Bindungsmuster auf. Ein Drittel der Kinder ist dagegen unsicher an seine Eltern gebunden. Solche Kinder zeigen beispielsweise eine eingeschränkte Emotionalität: sie weinen nicht, wenn die Mutter kurz aus dem Zimmer geht, und sie nehmen scheinbar keine Notiz von ihr, wenn sie wiederkommt. Hinter der coolen Fassade brodelt es aber; man konnte bei Untersuchungen einen höheren Pulsschlag und eine stark erhöhte Konzentration des Stresshormons Kortisol im Speichel dieser Kinder feststellen.

Die Bindungsmuster kristallisieren sich im Laufe der ersten beiden Lebensjahren aufgrund tausender Einzelerfahrungen mit Mutter und Vater heraus. Sie hinterlassen – und das ist von Bedeutung – strukturelle Spuren im Gehirn. Das Gehirn eines sicher gebundenen Kindes sieht in der Feinstruktur in einigen Bereichen anders aus, als das eines sexuell missbrauchten Kindes. Achtsamer Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes, Ehrfurcht vor dem Göttlichen im Kind, ist die wichtigste Voraussetzung einer liebevollen Bindung.

 

Klaus Glas