
Im wahrsten Sinne des Wortes sitze ich in meinem Auto fest. Ich bekomme die Lenkradsperre nicht mehr los. Das Auto lässt sich nicht mehr bewegen - und das in einer Situation, in der noch einige Termine anliegen. „O Gott, das darf jetzt nicht wahr sein““ Ich sehe mich um, doch von den Passanten kann ich keinen ansprechen. Plötzlich fällt mir ein, dass in der Nähe eine Autowerkstatt liegt. Ein Mitarbeiter hört sich meine Sorgen an und lädt mich dann freundlich ein, in den Werkswagen zu steigen. Bei meinem Auto angekommen, vergehen kaum einige Sekunden, und schon ist dieses wieder fahrbereit, die Sperre geknackt.
Die Erfahrung dieser kleinen Sorge, lässt auch größere Sorgen ins Blickfeld rücken: Fest-Sitzen oder Unbeweglichkeit-Erleben sind Erfahrungen, die auch manche Christen mit unserer Kirche verbinden und die sich von daher nicht mehr engagieren.
Für den Katholikentag in dieser Woche ist ein anderes Bild zu spüren. Dankbar bin ich für alle die Christen, die nicht wollen, dass das Schiff „Kirche“ festsitzt, die um sie besorgt sind und die voll Vertrauen „einen neuen Aufbruch wagen“.
Bleibt mir nur, den göttlichen „Werkstatt-Meister“, den Heiliger Geist zu bitten, er möge das Feuer der Begeisterung neu entfachen, damit Gott bei den Menschen mehr ins Spiel kommt.

Wenn ich aus unserem Küchenfenster schaue, kann ich augenblicklich nur staunen. Noch vor knapp einer Woche waren nur Ansätze von Grün an Hecken und Bäumen zu sehen. Jetzt – nach einigen warmen Tagen – versperren mir die Blätter an den Bäumen die Sicht. Innerhalb kürzester Zeit sind die Knospen aufgebrochen.
Wachstum und Entfaltung durch Wärme.
Die Natur ist mir in diesen Tagen ein Bild für das Wachstum in der Liebe – in der Liebe zu den Menschen und in der Liebe zu Gott. Wenn ich hier Nähe und Wärme spüre, dann geschieht Wachstum und Entfaltung.

Wir nahmen an der Eröffnung eines neuen Projektes teil. Im Nachbardorf wird ein „Hof der Hoffnung“ eingeweiht. Frauen, die unter unterschiedlichsten Abhängigkeiten leiden (Alkohol, Drogen) erhalten hier ein neues Zuhause. Im Miteinander mit engagierten Christen und orientiert an der Bibel wird ein neuer Lebensstil eingeübt. Beeindruckend ist, wie ehemalige suchtkranke Jugendliche, die in Gemeinschaft so eines Hofes lebten, mit Hilfe des Glaubens und unterstützt von Freiwilligen und Ehrenamtlichen, von ihrer Abhängigkeit befreit wurden.
Durch Gemeinschafts- und Glaubenserfahrung wird vernachlässigten und ausgeschlossenen Menschen neue Hoffnung ins Leben geschenkt. Eine ungewöhnliche und beeindruckende Glaubensspur.

„Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite...“
Joh 19,33-34
„Am 29.3.2012 ist Anna in Hamburg zur Welt gekommen! Wir freuen uns mit den Eltern. Doch wir erleben auch unsere Not. Anna musste mit drei Löchern in der Herzscheidewand und Herzrhythmusstörungen in die Kinderklinik verlegt werden. Dabei war die Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen.“ So heißt es in der E-Mail einer Freundin.
Eine erschütternde Nachricht, die ich in dieser Karwoche vor das Kreuz trage.
Ich besuchte eine Bekannte. Auf dem Kaffeetisch stand ein kleiner Engel. Meine Bekannte sah, dass mein Blick auf dem Engel ruhte, und erklärte mir: „Ja, dieser begleitet mich beständig“.
Dann erzählte sie weiter. „Heute habe ich mich endlich bei einer Mitarbeiterin im Job-Center bedankt. Diese rief vor einigen Monaten genau in dem Moment an, als ich in einer Krise steckte und gerade Medikamente nehmen wollte – der Abschiedsbrief lag auch schon auf dem Tisch. Diese Frau nahm meine Situation wahr, spürte, was mit mir los war, und organisierte sofort Hilfe. Dadurch wurde ich gerettet.“
Für mich ist das eine Erfahrung, die in die Karwoche 2012 passt. Fast wäre es zu einem Karfreitag gekommen. Dieser Engel am „Ölberg“ tröstete nicht nur, er ließ den Kelch vorübergehen.
„Der Januar ist der Möbelmonat, weil nach dem Jahreswechsel viele Möbelhäuser die Preise senken. Der Februar ist der Weinmonat, der März.....“ so werden in der Zeitung alle Schnäppchen aufgeführt, die preiswert zur entsprechenden Jahreszeit zu kaufen sind.
„Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt, der unser Leben trägt und lenkt...“, so sangen wir am Sonntag in der Kirche. Wie tröstlich ist es also, dass ich nicht darauf warten muss, wann Gott seine Gaben ins Angebot stellt. So hoffe ich, dass er auch in den kommenden 362 Tagen dieses Jahres mein Leben täglich lenkst und mir auch 2012 wie den Sterndeuter das Gespür schenkt, seinen Spuren zu folgen, um ihn selbst zu finden.
Wir hatten einen Termin in der Uniklinik Essen. Uniklinik ist wage ausgedrückt, denn es handelt sich fast um eine Kleinstadt mit den unterschiedlichsten Fachkliniken. Die Sekretärin riet uns, doch bitte das Parkhaus 2 anzufahren. Wir bogen in die Straße ein und fragten an einer günstigen Stelle einen Passanten, wie weit es zur Augenklinik sei. „Sie liegt genau auf der anderen Seite“, war seine Antwort. Für meinen Mann, der einen Rollator als Gehhilfe benötigt, war die Entfernung kaum zu schaffen. Ich wollte ins Auto steigen, als plötzlich ein Fahrzeug neben mir hält. „Wo wollen Sie hin?“, wurde ich gefragt. Als ich das Anliegen vortrug, sagte der Mann: „Ich bin vom Sicherheitsdienst. Fahren Sie mir nach, ich bringe sie ans Parkhaus und organisiere einen Shuttelbus, der Sie dann zur Augenklinik fährt.“ Wir waren sprachlos.
Der Mann kam mir wie ein Engel vor, der uns am Anfang des Jahres geschickt wurde. Der Spruch vieler Eltern gegenüber ihren Kindern kam mit in den Sinn. Nur „hörte“ ich ihn Gott zu uns sagen: „Ich will doch nur das Beste für euch!
Gott, wir bitten dich um Aufmerksamkeit für deine Gegenwart in unserer Mitte. Sende uns deinen Heiligen Geist, der unsere Herzen sehend und hörend macht und unsere Gedanken führt.


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