Gott handelt. Er handelt zutiefst in der Seele des Menschen. Aber nicht nur Gott wirkt darin, sondern auch sein Widersacher. Wann Gott und wann sein Widersacher handelt, ist erkennbar an "den Früchten". Was Gott vom einzelnen Menschen möchte, sagt er ihm letztlich durch sein Gewissen.
Das Zweite Vatikanische Konzil in seiner "Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute" (1965) in Artikel 16 so darüber gesprochen:
"Der Mensch hat ein Gesetz, das von Gott seinem Herzen eingeschrieben ist, dem zu gehorchen eben seine Würde ist und gemäß dem er gerichtet werden wird. Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist. Im Gewissen erkennt man in wunderbarer Weise jenes Gesetz, das in der Liebe zu Gott und dem Nächsten seine Erfüllung hat."
Der damalige Tübinger Dogmatikprofessor und heutige Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, schreibt in seinem Kommentar zu diesem Konzilstext:
"Seit Newman und Kierkegaard steht das Gewissen mit neuer Eindringlichkeit im Mittelpunkt der christlichen Anthropologie; im Werk beider vollzieht sich zugleich in einer vordem nicht gekannten Weise die Entdeckung des Einzelnen, der unmittelbar von Gott angerufen ist und der in einer Welt, die Gott kaum noch erkennen läßt, durch den Ruf des Gewissens Gottes unmittelbar gewiß zu werden vermag. Zugleich stellt bei Newman das Gewissen die innere Ergänzung und Begrenzung des Prinzips Kirche dar: Über dem Papst als Ausdruck für den bindenden Anspruch der kirchlichen Autorität steht noch das eigene Gewissen, dem zuallererst zu gehorchen ist, notfalls auch gegen die Forderung der kirchlichen Autorität. Mit dieser Herausarbeitung des Einzelnen, der im Gewissen vor einer höchsten und letzten Instanz steht, die dem Anspruch der äußeren Gemeinschaften, auch der amtlichen Kirche, letztlich entzogen ist, ist zugleich das Gegenprinzip zum heraufziehenden Totalitarismus gesetzt und der wahrhaft kirchliche Gehorsam vor totalitären Anspruch abgehoben, der eine solche Letztverbindlichkeit, die seinem Machtwillen entgegensteht, nicht akzeptieren kann."
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